Hochbelastete Sickersäfte von Maissilos belasten das Grundwasser und die Bäche

Der VSR-Gewässerschutz wurde in letzter Zeit häufig von besorgten BürgerInnen über die unerlaubte Einleitung von Sickersaft aus Silagen in Gräben, Bäche und Grundwasser informiert. In Silagen wird das Substrat für die Vergärung in Biogasanlagen oder Futtermittel für die Tierhaltung gelagert. Gärsaft enthält einen hohen Anteil an organischen Stoffen. Er enthält 70 bis 350 mal mehr sauerstoffzehrende Verbindungen als Haushaltsabwässer.
 
Die im Siliergut enthaltene Zucker- bzw. Stärkeverbindungen werden durch Bakterien vor allem in Milchsäure und Essigsäure, aber auch in Buttersäure umgewandelt. Gelangen diese Säuren in ein Gewässer, kommt es zu einer Verschiebung des pH-Wertes hin in ein extrem saures Milieu. Diese Säurebelastung wirkt sich negativ auf die Biozönosen der betroffenen Gewässer aus, da säureempfindliche Arten verdrängt werden. Es kann zum Fischsterben kommen. Ein weiterer negativer Effekt der Säurebelastung ist die erhöhte Freisetzung toxischer Schwermetalle (z.B. Aluminium, Blei, Mangan, Nickel, Zink) aus anstehenden Gesteinen, Bödenoder Sedimenten.
 
Ein weiterer im Sickerwasser problematischer Stoff ist Ammonium. Dies ist ein Wasserinhaltsstoff, der potentiell toxisch für die aquatischen Organismen ist. Schon mit 1 Milligramm Ammonium pro Liter gilt Wasser als belastet. Dieser nährstoffreiche Sickersaftbestandteil entzieht dem Wasser beim Abbauprozess Sauerstoff, die natürlich vorkommenden Tiere in Gräben und Flüssen sterben. Die Nährstoffe führen aber auch in stehenden und langsam fließenden Gewässern mit geringer natürlicher Belüftung zu einer massenhaften Entwicklung von Algen und Wasserpflanzen; das Gewässer eutrophiert.
 
Bei Silierung, Lagerung und Entnahme könnenfolgende gewässerbelastende Silagesickersäfte auftreten:
 
  • Gärsaft entsteht insbesondere in großen Mengen, wenn der Mais zu früh geerntet wird und dadurch ein zu geringer Trockenmassegehalt vorliegt. Auch die Stapelhöhe spielt bei der Entstehung eine Rolle. Zur Vermeidung von Gärsaft soll der Mais erst mit dem entsprechendem Reifegrad geerntet werden. Dies ist in der Praxis häufig nicht der Fall, da die Anbaufläche zeitnah abgeerntet werden muss.
  • Sickersaft entsteht, wenn Niederschlagswasser in Flachsilos mit unzureichender Abdeckung während der Lagerung und Entnahme durch den Silagestapel dringt und sich mit organischen Stoffen anreichert. Hinsichtlich der Umweltrelevanz ist Sickersaft mit dem Gärsaft vergleichbar. Sickersaft tritt dann aus, wenn die Silage weder durch eine Überdachung noch vollständig mit einer dichten Folie mit ordentlich gelegten Silosäcken zur Beschwerung abgedeckt ist. Sobald das Regenwasser in Kontakt mit der Silage kommt wird es stark belastet.
  • Verunreinigtes Niederschlagswasser entsteht, wenn Niederschlag mit Silagereste auf der Bodenplatte in Kontakt kommt. Das passiert vor allem, wenn die Stelle, an der Maissilage entnommen wird, vor Starkregen nicht abgedeckt wird. Des weiteren besteht ein großes Problem, wenn die befestigte Siloplatte und Rangierfläche nach der Entnahme des Gärsubstrats nicht gereinigt wird. Dieses belastete Regenwasser muss aufgefangen werden, damit es zu keiner Belastung der Gewässer kommt.
 
Insbesondere die nicht sachgerechte Ableitung von Regenwasser führt in der Praxis zu großen Belastungen der Gewässer:
 
Regenwasser, das auf abgedeckten Lagerungsflächen oder in leeren, sauberen und mit Wasser gereinigten Silos anfällt, gilt als unverschmutzt. Hier liegt es im Ermessen des Betreibers, zu entscheiden, ab wann das Niederschlagswasser verunreinigt ist. Der Betreiber hat kein Interesse daran, dass zu viel Wasser aufgefangen werden muss, da seine Entsorgung auch erhebliche Kosten verursacht. Es ist kritisch, wenn jeder Biogasanlagenbetreiber selbst bestimmen kann, welches Regenwasser er als belastet ansieht.
 
Es gibt Trennsysteme, um das Niederschlagwasser von der Siloplatte je nach Verschmutzung als unbelastetes Regenwasser in ein Gewässer zu leiten oder als belastetes Niederschlagwasser aufzufangen. Das belastete Wasser muss aufgefangen und dann als Dünger verwertet werden. Allerdings bestimmt auch in einem Trennsystem der Betreiber mit einem simplen Stopfen selbst, ob das Regenwasser aufgefangen werden muss oder als unbelastetes Regenwasser das Betriebsgelände verlassen darf. Selbst, wenn nur mal vergessen wird den Stopfen umzusetzen, kommt es zu einer beträchtlichen Gewässerbelastung.
 
Auch die Definition, was eine saubere Siloplatte ist, bleibt im Ermessen des Betreibers.
 
Bei einer guten Ernte reichen häufig die Lagerkapazitäten im Silo nicht aus. Dadurch kommt es zu einer Überfüllung mit  anschließendem Sickerwasseraustritt in unbefestigte Nebenflächen und damit zu einer Belastung der Gewässer.
 
Bürgerinitiativen, die den Verdacht haben, dass Sickersäfte die Gewässer belasten, raten wir folgende Parameter untersuchen zu lassen: Ammonium, Essigsäure, Propionsäure, n-Buttersäure.
 

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Silagesickersaft und Gewässerschutz
Anfall und Verwertung von Silagesickersaft aus Futtermitteln und Biomasse für Biogasanlagen

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