Wie ein staatliches Fleischlabel das Grundwasser schützen kann

Auszug aus dem Newsletter 1/2018

Die Massentierhaltung ist mitverantwortlich für die steigenden Nitratwerte im Grundwasser – ein Fakt, der schon lange kein Geheimnis mehr ist. Jedoch ist nicht jedes Fleisch gleich schlecht. Manche Haltungsvorgaben können den Nitrateintrag in das Grundwasser deutlich reduzieren.

Anfang des Jahres wurde der neue Fleischatlas publiziert, der jedes Jahr von dem BUND, der Heinrich-Böll-Stiftung und Le Monde Diplomatique herausgebracht wird. Dieser informiert über den Fleischkonsum.

Die Ergebnisse des Atlanten sind jedoch eher ernüchternd: Der Fleischkonsum in Deutschland beträgt 60 kg pro Kopf und Jahr – empfohlen werden 30 kg. Durch den extremen Fleischumsatz werden Massentierhaltungen nötig. Das alles führt zu einer Belastung der Umwelt und zu Tierleid.

Eine häufige Forderung ist es, endlich eine staatliche Kennzeichnung von Fleisch einzuführen. Die Eier-Kennzeichnung hat gezeigt, dass Verbraucher sich bewusst für Produkte aus besserer Haltung entscheiden, wenn die verbesserten Bedingungen beim Kauf ersichtlich sind. Außerdem würde das Label dafür sorgen, dass es Abstufungen zwischen dem gesetzlichen Mindeststandard und Biofleisch gibt – damit würden endlich auch Bemühungen von Landwirten entlohnt, welche nicht alle Anforderungen an Bio erfüllen, den Tieren aber trotzdem mehr bieten, als sie gesetzlich müssten. Außerdem gäbe es auch für Verbraucher, für die Biofleisch schlichtweg zu teuer ist, die Möglichkeit, tierfreundlicher einzukaufen.

Die Nährstoffe auf Wanderschaft: Futterpflanzen werden häufig im Ausland angebaut, insbesondere in Nord- und Südamerika. Die „fremden“ Nährstoffe landen als Gülle auf den Feldern, werden in das Grundwasser ausgewaschen und fließen anschließend Nord- und Ostsee zu. Dort führen die hohen Nährstoffbelastungen zu „Todeszonen“.

Eine Kennzeichnung der Haltungsbedingungen kann auch dabei helfen, das Grundwasser zu schützen und die Überdüngung einzudämmen. In dem Fleischatlas wird ein Vorschlag für die Abstufungen eines Labels gemacht. Für die beiden höchsten Anforderungsstufen müsste das Futter für die Tiere selber angebaut werden.

Der Vorschlag im Fleischatlas für eine Kennzeichnung der Haltungsbedingungen von Mastschweinen. Für die beiden höchsten Anforderungsstufen müsste der Landwirt das Futter der Tiere selber anbauen.

Quelle: Fleischatlas 2018 von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique

Momentan werden Tiere in vielen Mastbetrieben mit Importfutter gefüttert. Es werden über die Futterpflanzen Nährstoffe nach Deutschland gebracht, die ursprünglich aus ganz anderen Regionen stammen. Nachdem diese Nährstoffe von den Tieren verdaut wurden, landen sie aber auf nahen Feldern und nicht auf den Anbauflächen, von denen sie stammen und von denen sie ursprünglich entnommen wurden.

Deswegen reichern sich immer mehr Nährstoffe in Form von Nitrat in unserem Grundwasser an. Über das Grundwasser sickert das Nitrat den Flüssen zu und wird von diesen in die Ozeane gespült. Dort führen die ursprünglich aus anderen Teilen der Welt stammenden Nährstoffe zu „Todeszonen“, wie sie bereits in der Ostsee verbreitet sind und in denen kaum Sauerstoff vorhanden ist.

Bei selbst angebauten Futterpflanzen jedoch werden die Nährstoffe zunächst der Natur entnommen und anschließend per Düngung wieder hinzugefügt. Damit wird der Überdüngung entgegen gewirkt, denn es gibt einen geschlossenen Nährstoffkreislauf.

Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass bei einer staatlichen Fleischkennzeichnung auch die Anbaugebiete des Futters beachtet werden. Importfutter belastet unser Wasser und führt oft zu Rodungen von Regenwäldern. Außerdem muss es lange Transportwege zurücklegen.

Bürgerinnen und Bürgern legen wir nahe, weniger häufig Fleisch zu konsumieren und sich für Fleisch aus guter Haltung zu entscheiden. Kauft man direkt beim Erzeuger, beispielsweise in einem Hofladen, kann man sich zudem darüber informieren, woher das Futter der Tiere stammt.