Der Nährstoffbericht NRW 2017:

Wir raten Bürgern, ihre Bedenken öffentlich zu äußern

Der größte Erfolg passiert unter öffentlichem Druck

Über die Gülleimporte aus den Niederlanden an den Niederrhein wurde in den letzten Jahren viel diskutiert. Gerade in den Kreisen Kleve und Wesel gab es Widerstand. Viele Bürger wollten es sich nicht mehr gefallen lassen, dass neben der Gülle aus den regionalen Massentierhaltungen auch noch niederländische Gülle das Grundwasser belastet. Das hat nun endlich zu einer Änderung geführt. Laut des Nährstoffberichtes ist der Import in den Kreisen Kleve und Wesel von 239.085 Tonnen im Jahr 2013 auf 53.549 Tonnen 2016 zurückgegangen.

Schwacher öffentlicher Druck führt zu weniger Änderungen

Die Nährstoffe aus Gülle und Gärresten werden von den Landwirten zu wenig berücksichtigt. Das zeigt der Nährstoffbericht NRW 2017 deutlich. So ist dort zu lesen, dass mit Mineraldünger stärker gedüngt wird, als es nötig wäre. Dies führt der Bericht darauf zurück, dass Landwirte mit übermäßiger Düngung hohe Erträge sicher stellen wollen:

„Angesichts der NRW-weiten Nährstoffzufuhr aus organischer Düngung von 95 kg N je ha LF ist eine mineralische Stickstoffdüngung in Höhe von durchschnittlich rund 111 kg N je ha im Jahr 2016 zu hoch. Obwohl die Effizienz der Nährstoffausnutzung aus organischen Düngern in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, nicht zuletzt durch eine Förderung verbesserter bodennaher Ausbringungstechnologien, besteht in den landwirtschaftlichen Betrieben offensichtlich noch eine große Neigung, ein hohes Ertragsniveau über eine entsprechende mineralische Düngung abzusichern.“

Nach wie vor gewährt man den Landwirten einen großzügigen Stickstoffabzug. So dürfen riesige Mengen an gasförmigen Stall-, Lagerungs- und Ausbringungsverlusten abgezogen werden. Damit landen nach den Berechnungen immer viel weniger Nährstoffe auf den Feldern als in der Praxis. Die meisten Landwirte nutzen die maximalen Verlustmengen aus und ermöglichen sich dadurch, noch mehr Stickstoff auf ihren Feldern aufzubringen. Selbst im Nährstoffbericht kommt man zur Erkenntnis, dass gasförmige Emissionen meist überschätzt und somit tatsächlich aufgebrachte Nährstoffmengen unterschätzt werden. Die angenommenen gasförmigen Stickstoffverluste liegen im Mittel bei 63 kg N/ha. Besonders kritisch sind die Verluste bei Massentierhaltungen von 90 kg Stickstoff/ha und mehr. Der VSR-Gewässerschutz hält diesen hohen Stickstoffabzug für sehr bedenklich und nicht zeitgemäß. Die Verluste sind heutzutage, aufgrund der fortgeschrittenen Technik, in keiner Weise mehr so hoch.

 

Der VSR-Gewässerschutz sieht das Zugeständnis darüber, dass große Mengen an Nährstoffverlusten bei der Stickstoffberechnung abgezogen werden dürfen, auch als eine falsche Botschaft an die Landwirte an. Der Landwirt nimmt an, dass die organischen Stickstoffe sowieso nicht gut bei den Pflanzen ankommen.

 

Je mehr die Felder gedüngt wurden, umso mehr Stickstoff wird im Winter ins Grundwasser ausgewaschen. Erst, wenn die Düngung sich an dem tatsächlichen Bedarf der Pflanzen orientiert, wird die Grundwasserbelastung abnehmen.

Wir fordern

  • dass keine Stickstoffabzüge gewährt werden, weil letztendlich die gesamte Menge in der Umwelt landet.
  • dass nach der Ernte im Herbst Kontrollen durchgeführt werden, bei denen gemessen wird, wieviel Stickstoff noch im Boden vorhanden ist.