Deutschlands Stickstoff-Politik stinkt

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Ohne EU-Nitratrichtlinie böte Deutschland Massentierhaltungs- und Biogasanlagen-Betreibern unbegrenzte Möglichkeiten. Nur hat die Politik es viel zu lange der Agrar- und Biogas-Lobby überlassen, die „gute fachliche Praxis“ zu definieren, auf deren Basis Düngeverordnungen die Richtlinie umsetzen helfen sollen. Zudem fehlen Kontrollen und Sanktionen – dies entspräche der Erwartung, dass Autofahrer ihr Tempo im Verkehr selbstverantwortlich anpassten.

Extensive Beweidung fördern!

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Auen sind häufig von Flüssen abgekoppelt und werden durch intensive Landwirtschaft geprägt. Für den Meeresschutz sind Wiedervernässungen früherer Feuchtgebiete und Wiederherstellung von Überschwemmungsflächen wichtig: Nährstoffe werden so zurückgehalten und es kommt zur Nährstoffreduktion in den Flüssen. Ergebnisse der jüngsten Oder-Messfahrt des VSR-Gewässerschutz zeigen, wie die Nitratbelastung durch naturnahe Flussauen gesenkt werden kann

Von Dänemark lernen ...

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Die Ems leidet nicht nur unter der Vesalzung durch den Bergbau oder den nicht endenden Ausbau zugunsten der Meyerwerft - sondern auch unter der Massen-tierhaltung. Obwohl der Fluss schon heute mit seiner hohen Nitratfracht zur Eutrophierung der Nordsee beiträgt, wird die Viehhaltung im Emsgebiet weiter ausgebaut. Mit einer weiteren Erhöhung ist daher zu rechnen

Wer sind die Brunnenvergifter?

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Die Eutrophierung der Nordsee fängt schon im Binnenland an, da der Haupteintrag der Nährstoffe über die Flüsse erfolgt. Nicht die direkten Einleitungen der Industrie und kommunaler Kläranlagen, sondern das diffus zusickernde, mit Nitraten belastete Grundwasser stellt hier die Hauptquelle dar. Doch Nitrate im Übermaß führen nicht nur zu ökologischen, sondern auch zu gesundheitlichen Problemen. Dies sollte bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung der drei Umweltorganisationen VSR-Gewässerschutz, AKN und Robin Wood am 10. August 2006 in Bremen verdeutlicht werden.

Messbare Misserfolge zu Lasten der Nordsee

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Mit schöner Regelmäßigkeit fordern Nordseeschutzpolitiker seit Jahren immer wieser, den Eintrag von Nährstoffen in die Nordsee dauerhaft zu senken. Der "Rat von Sachverständigen für Umweltfragen" (SRU) beispielsweise empfahl jüngst in seinem aktuellen Meeresgutachten, in dem über die Flüsse eingetragenen Wasser Durchschnittskonzentrationen in Höhe von 0,6 bis 1,8 mg/l Stickstoff anzustreben. Aber selbst die noch höher liegende Zielvorgabe der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) von 2,5 mg/l werden in der Weser ständig überschritten. Der VSR-Gewässerschutz fand bei seinen Messungen Ende November 2004 beim Weserwehr in Bremen mit 5 mg/l sogar die doppelte Stickstoffkonzentration.

Gefahr für Trinkwasser und Nordsee

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Gerade die Meere stellen natürlicherweise die Senke für vielerlei Stoffflüsse von Land und aus der Luft dar. Somit ist das Meer – ähnlich wie unsere Atmosphäre – ein Summenindikatorsystem für den Stand der Bemühungen im Umwelt- und Naturschutz. In der »Agenda 21« der UN Konferenz für Umwelt und Entwicklung im Juni 1992 in Rio de Janeiro wurde der Begriff der Meeresumwelt als »geschlossene« Einheit in die Diskussion eingeführt. Man verstand hierunter die Ozeane, Meere und angrenzende Küstengebiete – die Einzugsbereiche der Flüsse aber wurden außen vor gelassen. Viele Probleme der Meeres indes entstehen im Binnenland und können auch nur dort behoben werden. Dies ist auch der Ansatz für die aktuelle Arbeit des »VSR-Gewässerschutzes«.

Landwirtschaft ökologisieren, Verkehr veringern

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Stickstoff und Phosphor sind für das Wachstum der Pflanzen unverzichtbare Nährstoffe, zu hohe Konzentrationen jedoch schädigen das Ökosystem. In den Meeren und Küstengewässern treten diese Substanzen normalerweise in niedrigen Konzentrationen auf und begrenzen die Produktivität des Phytoplanktons (einzellige Algenarten) und der Makroalgen (Seetang, Grünalgen). Steigt die Konzentration, spricht man von »Überdüngung des Meeres«, es kommt zu verstärktem Algenwachstum, Verschiebungen der Artenzusammensetzung und Sauerstoff-mangel. Schon auf der Londoner Nordseeschutzkonferenz 1987 sowie auf der Ostseekonferenz 1988 war daher eine drastische Verringerung der Nährstoff-einträge um 50 Prozent gefordert worden.