Klage der EU-Kommission wegen Nichteinhaltung der Nitratrichtlinie – auch ein Thema in unseren Presseerklärungen zu den aktuellen Nitratmessungen im Grundwasser

Die Klageschrift zeigt wie Deutschland seit Jahren das Problem ignoriert und die EU-Kommission hingehalten hat. Es wird vorgeworfen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht umgesetzt werden. Genau das kritisieren wir auch schon seit Jahren.

 

Die gemessenen viel zu hohen Nitratkonzentrationen zeigen in der Landwirtschaft einen deutlichen Handlungsbedarf, um die bereits 1991 aufgestellte EU-Nitratrichtlinie einzuhalten. Ziel dieser Richtlinie ist es, die durch Nitrate aus landwirtschaftlichen Quellen verursachte Gewässerverunreinigung zu reduzieren. Hierfür bedarf es seit Jahren einer Überarbeitung der Düngeverordnung, die zu einer Verringerung der Düngemengen durch Gülle, Gärreste und Mineraldüngern führen soll. Doch Landwirtschaftsminister Christian Schmidt zeigt sich bisher besonders beratungsresistent und setzt weder die Empfehlungen der Experten im Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) und des Umweltbundesamtes noch die Vorschläge der EU-Kommission um. Trotz der Klage der EU-Kommission gegenüber Deutschland wurden die geforderten Nachbesserungen in die Novellierung der Düngeverordnungen bis heute nicht aufgenommen.

 

Da jahrelang die Zunahme an Belastungen über 50 mg/l im Grundwasser ignoriert wurde, müssten nun für diese betroffenen Regionen zügig klare Maßnahmen in der Novellierung der Düngeverordnung genannt werden. Stattdessen wird versucht die Verantwortung an die Landesregierungen weiter zu geben, die zusätzliche Maßnahmen ergreifen sollen. Der VSR-Gewässerschutz kritisiert, dass dabei der Landesregierung so viel Freiheiten gegeben werden soll, dass eine Verringerung der gemessenen Nitratkonzentrationen fraglich ist.

 

Damit einschneidendere Maßnahmen bei der Düngung in Zukunft gesetzlich erlassen und auch umgesetzt werden, bedarf es ein Umdenken bei den Landwirten und landwirtschaftlichen Verbänden. Der VSR-Gewässerschutz möchte mit seinen Messungen dazu beitragen, dass die Notwendigkeit einer Änderung der Düngerausbringung akzeptiert wird. Es muss in den belasteten Regionen zu einem Informationsaustausch zwischen Bürger und Landwirten kommen. So haben wir in unseren Ergebnispresseerklärungen in den letzten Wochen auf die Missstände zusammen mit unseren Messwerten aufmerksam gemacht.

 

Kritisch sehen wir, dass die hohen Grundwassermesswerte vor Ort meistens nur im Bezug zur Brunnenwassernutzung gesehen werden. Es bleiben in der Debatte häufig folgende Punkte außen vor:

  • Grundwasser stellt die Trinkwasservorräte für die Zukunft dar.

  • Grundwasser gelangt über die Bäche und Flüsse in die Nord- und Ostsee

Der Bürger ist der Verlierer. Da es für die Wasserversorger in der Zukunft immer aufwendiger wird Wasser zu liefern, das den Grenzwert von 50 mg/l Nitrat einhält werden die Preise für Leitungswasser steigen. Umso ärgerlicher da viele Gartenbesitzer heute schon wegen der starken Belastung im Brunnenwasser für viele Verwendungen im Garten statt Brunnenwasser Leitungswasser verwenden müssen. Wenn der genervte Bürger dann im Sommer lieber aus seinem Garten flüchtet und an die Nordsee fährt, wird sein Urlaub aufgrund der Schaumberge am Strand schnell getrübt. Es hat ihn die Nitratbelastung seiner Heimat eingeholt. Denn das belastete Grundwasser sickert den Bächen und Flüssen zu und landet letztendlich in der bereits jetzt viel zu nährstoffbelasteten Nordsee.