Hohe Nitratbelastung im Grundwasser, weil es an Wiesen und Weiden mangelt

Der VSR-Gewässerschutz stellte bei seinen Messungen von 2012 bis 2015 in Sachsen-Anhalt hohe Nitratbelastungen im Grundwasser fest. Im Rahmen des Projektes „Nitratbelastung der Gewässer“ untersuchten die Gewässerschützer privat genutzte Brunnen und werteten die Ergebnisse nun in einer aktuellen Studie aus. „Die Höhe der Nitratbelastung des Grundwassers ist stark von der Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen abhängig. Bei Wiesen und Weiden, dem sogenannten Grünland, ist die Gefahr der Nitratauswaschung wesentlich geringer als bei Ackerland.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Da Sachsen-Anhalt bei seinen landwirtschaftlichen Flächen im Verhältnis zu den anderen Bundesländern viel zu wenig Grünland aufweist, findet dort dann auch eine sehr hohe Nitratverlagerung ins Grundwasser statt.


Die aktuelle Studie vom VSR-Gewässerschutz zeigt, dass in Sachsen-Anhalt große regionale Unterschiede bei der Nitratbelastung des Grundwassers vorliegen. Die Gewässerschützer stellten in den Kreisen, die einen sehr geringen Anteil von Grünland an den landwirtschaftlichen Nutzflächen aufweisen, sehr hohe Belastungen fest. Weite Bereiche weisen dort in über der Hälfte der Brunnen Belastungen von über 50 mg/l Nitrat auf. In den nordöstlichen Kreisen, wie im Altmarkkreis Salzwedel, Stendal, Jerichower Land, Wittenberg und Dessau-Rosslau, stellte der Verein eine geringere Belastung fest. Hier gibt es mehr Wiesen und Weiden. Allerdings liegt auch dort noch deren Anteil an den landwirtschaftlichen Flächen unter dem Durchschnitt von allen Bundesländern. Durch die stärkere Nitratauswaschung unter Äckern stellt der VSR-Gewässerschutz daher auch hier noch Probleme fest. In weiten Bereichen überschreiten über ein Drittel der untersuchten Proben den Grenzwerte der Trinkwasserverordnung von 50 mg/l Nitrat.


Dauergrünland nutzt über die gesamte Wachstumsperiode die aufgebrachten Nährstoffe, weil der Boden im Gegensatz zum Ackerland ständig mit Pflanzen bedeckt ist. Durch das sehr lange Wachstum im Jahr können die verfügbaren Nährstoffe im Gegensatz zum Ackerbau wesentlich effizienter ausgenutzt werden. Außerdem werden durch den hohen Humusanteil die Stickstoffe im Boden besser gespeichert. Das verringert erheblich die Nitratauswaschung ins Grundwasser. „Nach dem Bundesumweltamt weisen deutschlandweit nur 7% der Messstellen, in deren Umfeld Grünlandnutzung dominiert, hohe Nitratbelastungen auf. Bei der Ackernutzung sind es dagegen dreimal so viel.“ so Susanne Bareiß-Gülzow.


Das Grundwasser in Sachsen-Anhalt wird stark durch den Ackerbau belastet. Die Böden sind in weiten Teilen so fruchtbar, dass Wiesen und Zeit wurde das Grundwasser noch durch brachliegendes Ackerland, auf dem Wiesen gedeihen konnten, geschützt. Doch im Zuge des Ausbaus der erneuerbaren Energien werden heute viele Flächen für den Anbau von Raps, Getreide, Zuckerrüben und Mais genutzt. Im Gegensatz zum Grünland kommt es auf diesen Ackerflächen zur stärkeren Nitratauswaschung.


An Wiesen und Weiden, die insbesondere für die Ernährung von Kühen wichtig sind, besteht im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft nur noch ein geringer Bedarf. Es wird immer weniger herkömmliches Futter wie frisches Gras, Heu und Grassilage gefüttert und stattdessen große Mengen Kraftfutter. Der VSR-Gewässerschutz kritisiert, dass die Betriebe dadurch weniger Grünland benötigen und stattdessen auf Ackerland das Kraftfutter in Form von Mais und Getreide anbauen. Zu einer weiteren Reduzierung des Grünlandbedarfs kommt es, da die Kühe in Sachsen-Anhalt das ganze Jahr im Stall stehen und die restlichen Wiesen stattdessen intensiver genutzt werden.


Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass die regionale Vermarktung der Milch von weidenden Kühen gestärkt wird. Hierzu bedarf es Molkereien, die nur die in der Region erzeugte Milch verarbeiten und darauf achten, dass diese tatsächlich von Kühen stammt, die im Sommer weiden können. Es hat sich gezeigt, dass der Verbraucher bereit ist für diese Milch wesentlich mehr zu bezahlen. Dagegen führen große Molkereien, die ihre Milch auch aus dem Ausland beziehen, dazu, dass der Verbraucher den Bezug zu den lokalen Landwirten verliert. Er entscheidet sich dann nur noch für die billigste Milch im Regal. Das hat zur Folge, dass viele Landwirte in Sachsen-Anhalt auch dieses Jahr gezwungen sind, ihre Milchkuhhaltung aufzugeben.


In vielen Supermärkten wird bereits heute Gemüse und Obst aus der Region zu höheren Preisen verkauft. Dies zeigt deutlich, dass die regionale Vermarktung von den Verbrauchern begrüßt wird. Auch beim Verkauf von Milch kommt es zum Umdenken. Auf diese Weise könnten die regionalen Betriebe mit Milchkühen gerettet werden. Außerdem verringert sich durch einen höheren Anteil an Grünland auch die Nitratauswaschung ins Grundwasser.

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Pressemitteiliung zur Nitratkarte von Sachsen-Anhalt 2015

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Nitratkarte von Sachsen-Anhalt 2015 in hoher Auflösung
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