Chloridbelastungen im Überblick

Neben den Grundwasserbelastungen mit Nitrat beschäftigt sich der VSR-Gewässerschutz seit Jahrzehnten auch mit dem Vorkommen von Chloriden im oberflächennahem Grundwasser. Nach der DIN 19684-10 ist nur Grundwasser mit weniger als 70 mg/l für „nahezu alle Pflanzenarten“ zum Bewässern in den Gärten und auf den Feldern geeignet. Bei Werten oberhalb 280 mg/l ist das Wasser zum Bewässern ungeeignet. Im Zwischenbereich sollte immer geprüft werden, ob die Pflanzen den aktuellen Chloridgehalt vertragen. Gerade bei den sehr hohen Konzentrationen kann es zum Absterben der Pflanzen kommen.


Die von 2000 bis 2013 durch die Messungen vom VSR-Gewässerschutz gewonnenen Daten wurden in einer Karte zusammengefasst. Auf dieser sind die Orte, in denen Chloridkonzentrationen im Grundwasser größer als 250 mg/l nachweisbar waren, eingetragen. Überdeutlich zeigen sich die festgestellten Belastungsschwerpunkte.

Grundwasser ist in manchen Regionen so salzhaltig, dass es nicht mal mehr zum Gießen geeignet ist. Die Pflanzen welken dann trotz ausreichender Wassergabe.

 

Insgesamt kristallisieren sich bei unseren Untersuchungen deutlich fünf Regionen heraus:

  • das Gebiet um Greifswald in Mecklenburg - Vorpommern

 

  • die Region zwischen Rheinberg und Paderborn in Nordrhein - Westfalen

 

  • der Bereich zwischen Halle und Magdeburg in Sachsen-Anhalt

 

  • Rheinhessen in Rheinland - Pfalz

 

  • der Raum zwischen Würzburg und Erlangen in Bayern.

In jeder dieser Räume findet man Brunnen, die Wasser mit über 2000 mg/l Chlorid fördern. Wie sich die Regionen unterscheiden, so unterschiedlich sind auch die Ursachen der Belastung.


Am Beispiel von Nordrhein-Westfalen sollen die unterschiedlichen Ursachen erläutert werden. Beginnen wir am Westrand der betroffen Region auf der linken Seite des Rheins.

 

  • So resultiert die hohe Belastung im Rheinberger Ortsteil Ossendorf durch eine Altlast auf dem Gelände des Chemiebetriebes von Solvay (siehe Rundbrief Nr. 2/2013).

 

  • Durch die Undichtigkeit des Bettes der Emscher wurde das Grundwasser in Dinslakener Ortsteil „Am Staap“ u.a. durch Chloride stark belastet und ist für jegliche Nutzung unbrauchbar.

 

  • Ganz aktuell ist die Verschmutzung des Grundwassers im Marler Ortsteil Hamm bekannt geworden. Ursache ist hier Sickerwasser aus der Bergehalde Brinkfortsheide (siehe Rundbrief 2/2012). Auf der Halde waren die mit der Kohle geförderten Gesteine (Berge) aufgeschichtet worden. Regenwasser, dass durch die Halde sickerte löste die Chloride aus den Gesteinen und führte sie dem Grundwasser zu.

 

  • Bewegen wir uns weiter über Dortmund hinaus ändert sich die Ursache der Belastung. Längs des Hellweges zwischen Unna und Paderborn dringt chloridhaltiges Tiefengrundwasser in geologischen Rissen nach oben. Oberflächennahe salzige Grundwasserleiter und chloridhaltige Quellen waren die Folge. Die erste bedeutende Industrie dieses Raumes im neunzehnten Jahrhundert war die Speisesalzgewinnung. Viele Grundwasserbelastungen z.B. in Salzkotten dürften auch aus Ablagerungen und Unfällen dieser Produktion resultieren.


Die genannten Beispiele aus NRW zeigen beispielhaft einige Ursachen auf. Im Überblick sind dies:


➢ Ausschwemmungen aus Altlasten und Ablagerungen des Bergbaus


➢ Einsickern belasteten Fluss- und Bachwassers in des begleitende Grundwasser


➢ natürliches aufsteigendes Grundwasser


Neben diesen Problemen im Binnenland kommt es gerade in Küstennähe immer wieder zum Einsickern von Meerwasser in die genutzten Grundwasserleiter. Auch hierdurch kann es auch zur Chloridbelastung im Brunnenwasser kommen.

Die oben dargestellte Chloridkarte in höherrer Auflösung kann hier geladen werden.
Chloridkarte D 2015.pdf
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Brunnenwasseruntersuchungen decken Umweltverschmutzungen auf

Wir überprüfen bei den von untersuchten Brunnen grundsätzlich auch den Salzgehalt. Hierdurch konnten wir bei zwei Standorten in Rheinberg und Marl Grundwasserbelastungen durch industrille, bzw. bergbauliche Tätigkeit aufdecken.

Verantwortliche im Bergwerk Auguste Victoria verschwiegen jahrelang Grundwasserbelastung

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Seit Jahren ist dem Betreiber der Zeche Auguste Victoria in Marl bekannt, dass stark versalztes Grundwasser aus der Halde Brinkfortsheide in Richtung der Ortschaft Hamm fließt. Das durch die Siedlung fließende Grundwasser ist somit zur Bewässerung der Gärten nicht mehr geeignet. Eine Information an die ansässige Bevölkerung erging aber nicht, sodass betroffene Bürger ihr Brunnenwasser weiterhin im Garten nutzten oder sogar noch neue Gartenbrunnen anlegen ließen. Die Brunnennutzer und die zuständige Kontrollbehörde das Landesbergamt erfuhren von der sehr hohen Grundwasserbelastung erst durch die Untersuchungen vom VSR-Gewässerschutz

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VSR-Gewässerschutz deckt auf: Sodafabrik belastet Grundwasser im Rheinberger Ortsteil Ossenberg

Stark erhöhte Chloridwerte fanden die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz 2011 in verschiedenen Brunnen in Rheinberg; die Spitzenwerte lagen über 800 Milligramm pro Liter. Gerade die Auswertung der einzelnen Messstellen zeichnete ein erschreckendes Bild. Alle hochgradig mit Chloriden belastete Proben kamen aus dem Ortsteil Ossenberg. Er liegt östlich des dortigen Chemieparks von Solvay und nördlich der Fossa Eugenia, über den der Bergbau chloridhaltiges Sümpfungswasser zum Rhein leitet. Im Frühjahr informierten wir die Bürger über die hohe Belastung der Brunnen in Ossenberg und kündigten weitere Untersuchungen an, um die Ursache der Verschmutzung lokalisieren können. Nun überschlugen sich die Ereignisse. Bürger informierten uns über ihre Beobachtungen. So schrieb uns ein Anwohner aus Ossenberg, dass er von Solvay-Mitarbeitern erfahren hatte, dass eine Abwasserleitung von Solvay undicht war. Nachdem er sich mit den Ergebnissen seiner vom VSR-Gewässerschutz durchgeführten Brunnenwasserwasseruntersuchung an den Konzern wandte, wurde er mit der Behauptung, dass die Belastung aus den durch den Altrhein fließenden Sümpfungswässer des Bergbaus herühren müsste abgespeist. Trotzdem wurde Solvay aktiv und suchte die Verursachungsquelle im eigenen Werksbereich. Wenige Wochen nach der Veröffentlichung der Gewässerschützer und noch bevor die geplanten weiteren Messungen begannen, informierte der Betrieb die Presse, dass eine defekte Abwasserleitung in der Sodafabrik die Ursache der Belastung sei. Zeitgleich wurde die LINEG beauftragt Untersuchungen an den privat genutzten Brunnen in Ossenberg durchzuführen um das Ausmaß der Belastung festzustellen. http://www.rp-online.de/niederrhein-nord/rheinberg/nachrichten/soda-im-grundwasser-unter-solvay-1.2728277