Projekt: Versauerung des Grundwassers in Niedersachsen

Der pH-Wert ist ein Maß dafür, wie sauer das Wasser ist. Es gilt: Je kleiner der Wert, desto saurer ist das Wasser.

Bei unseren Analysen von Brunnenwasserproben stellen wir insbesondere in Niedersachsen eine starke Häufung von pH-Werten unter 5,4 fest. Wenn wir auf solche niedrigen pH-Werte stoßen, führen wir auch noch Aluminiumuntersuchungen durch. Diese Untersuchungen ergaben, dass ein großer Anteil der sauren Grundwasserproben auch eine zusätzliche Aluminiumbelastung aufweist. Der VSR-Gewässerschutz stellte fest, dass die von höheren Aluminiumkonzentrationen betroffenen Gebiete vor allem im Weser-Ems-Raum liegen, in dem auch eine hohe Dichte von Massentierhaltungen existiert.

 

Da der reduzierte Stickstoff in Form von Ammoniak eine kürzere Verweilzeit in der Atmosphäre hat, als die Stickstoffoxide aus den Verbrennungsprozessen, kommt es bei den Ammoniakemissionen zu einem starken Eintrag in der Region selbst. Dort, wo die natürlichen Puffersysteme der Böden die eingetragenen Säuren nicht ausreichend neutralisieren können, tritt eine Versauerung ein.

Die Quelle für den hohen Säuregrad ist in der Regel im saurem Regen zu suchen. Die Ursachen für die belasteten Niederschläge sind die Abgase aus Industrieanlagen, Kraftfahrzeugen und Kraftwerken. Einen großen Einfluss hat aber auch die intensive Tierhaltung mit ihren hohen Ammoniak-Emissionen. Sowohl im Stall als auch bei der Ausbringung der Gülle wird diese frei und es kommt zur Versauerung des Niederschlags. Ammoniak entsteht in der Tierhaltung, wenn Harnstoff oder Eiweiß in den Exkrementen der Nutztiere zersetzt wird. Bei der Ausbringung können sehr hohe Emissionen auftreten, wenn viel Ammonium im Düngemittel enthalten ist und wenn Gülle, Festmist oder Gärreste nicht zügig eingearbeitet werden.

Während zwischen 1990 und 2010 die Stickstoffoxide, die dem Verkehr und Industriebereich zuzuordnen sind um über die Hälfte zurückgingen, wurde bei Ammoniak aus der Landwirtschaft nur 20 % der Emissionsminderung erreicht. (siehe unten: Gewässerversauerung durch Säuredesposition in Deutschland – Entwicklung und aktueller Stand)

Da der reduzierte Stickstoff in Form von Ammoniak eine kürzere Verweilzeit in der Atmosphäre hat als die Stickstoffoxide aus den Verbrennungsprozessen, kommt es bei den Ammoniakemissionen zu einem starken Eintrag in der Region selbst. Dort, wo die natürlichen Puffersysteme der Böden die eingetragenen Säuren nicht ausreichend neutralisieren können, tritt eine Versauerung ein. Der VSR-Gewässerschutz findet bei den Brunnenwasseruntersuchungen im gesamten Norddeutschen Tiefland immer wieder niedrige pH-Werte von unter 5,4. Auffälig ist, dass insbesondere Niedersachsen mit der hohen Viehdichte von der Versauerung betroffen ist.

 

Es kommt zur Belastung durch Aluminium

Aluminium gehört zu den häufigsten in der Erdkruste vorkommenden Elementen. Es ist in der Regel aber fest im Erdreich gebunden und kommt daher selten in höheren Konzentrationen im Wasser vor. Bei saurem Grund- oder Sickerwasser nimmt die Gefahr, dass es gelöst wird, stark zu. Der VSR-Gewässerschutz untersucht seit 2008 Brunnenwasserproben, die einen pH-Wert unter 5,4 aufweisen, auch auf den Aluminiumgehalt. Dabei findet der VSR-Gewässerschutz insbesondere in Niedersachsen extrem hohe Aluminiumkonzentrationen.

 

Eine vorliegende Belastung wird auch vom Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bestätigt. „Auffallend ist der hohe Prozentsatz der Aluminiumbelasteten GÜN-Messstellen, an denen der Trinkwassergrenzwert überschritten wird (1995: 13,6%, 2000: 21,4%). Derartig hohe Anteile an Grenzwertüberschreitungen können nur mit der fortschreitenden Versauerung des Grundwassers erklärt werden. Auch die Zunahme der versauerungsbelasteten Messstellen in den fünf Jahren von 1995 bis 2000 deutet auf anthropogene Einflüsse hin.“ so auf der Homepage vom NLWKN.

 

Der VSR-Gewässerschutz stellte fest, dass die von höheren Aluminiumkonzentrationen betroffenen Gebiete vor allem im Weser-Ems-Raum liegen, in dem auch eine hohe Dichte an Massentierhaltungen existiert. Der VSR-Gewässerschutz fordert daher, dass die Ammoniakemissionen dringend reduziert werden müssen. Bisher wird diese Belastung bei der Ausbringung der Gülle viel zu wenig beachtet. In Deutschland darf die Gülle im Gegensatz zu anderen Ländern wie beispielsweise Dänemark immer noch mit altertümlich anmutenden Verfahren auf den Feldern verteilt werden. Häufig wird sie einfach nur aus den Güllefässern über die Felder geschleudert. Ein großer Teil des Ammoniaks wird durch den Wind weggetragen. Nicht nur, dass die ansässige Bevölkerung dem starken Gestank ausgesetzt wird, die Ammoniakanteile werden auch über große Strecken verlagert. Dagegen bietet die Ausbringung mit auf den Böden geführten Schläuchen den Vorteil, dass weniger Ammoniakemissionen entstehen, weil die Gülle direkt auf den Boden geleitet wird. Noch günstiger sind Güllegrubber. Diese können aufgetragene Gülle direkt abdecken, wodurch sich noch weniger Emissionen entwickeln. Generell ist es wichtig, dass die Gülle möglichst schnell in den Boden eingearbeitet wird. Damit die Stickstoffe nicht in die Luft entweichen können, bedarf es einer Einarbeitungszeit von maximal einer Stunde nach der Ausbringung.

 

Besonders problematisch ist es, wenn mit Aluminium belastetes Brunnenwasser als Trinkwasser verwendet wird. Es kommt zur Beeinträchtigung der Gesundheit. Nehmen Menschen höhere Dosen Aluminium auf, kann es zu Lethargie, Blutungen im Augenbereich und zu Störungen des Kohlehydratstoffwechsels kommen. Ein Zusammenhang zwischen der Alzheimer-Krankheit und erhöhten Aluminiumwerten im Trinkwasser wird zur Zeit vermutet.

 

Aber auch beim Gießen im Garten mit aluminiumbelastetem Wasser kann es zu negativen Auswirkungen kommen. Durch die erhöhten Aluminiumkonzentrationen werden die Wurzeln der Pflanzen geschädigt. Viele empfindliche Gewächse reagieren auf die Überdosis mit Kümmerwuchs und Reifestörungen. In Teichen wirken bereits geringe Aluminiumkonzentrationen giftig auf Fische. Besonderes betroffen sind dabei die Dottersackbrut und schlüpfende Fische. Daher sollte dieses belastete Brunnenwasser auch nicht in Fisch- und Gartenteiche eingeleitet werden. Das saure und aluminiumbelastete Grundwasser sickert aber auch den Bächen zu und verursacht dort eine enorme Belastung. Durch das saure Wasser kommt es zu einer weiteren Freisetzung von Aluminium aus den Sedimenten. Der Einfluss auf die Sterblichkeit beginnt z.B. bei Bachsaiblingen bereits ab Aluminiumkonzentrationen von 0,2 Milligramm pro Liter.

 

 

Hintergrundinformation

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Karte: "Saures Grundwasser führt zur Aluminiumbelastung in Niedersachsen" (in hoher Auflösung)

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Bittersohl et al.:Gewässerversauerung durch Säuredeposition in Deutschland - Entwicklung und aktueller Stand; 2014


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