Win-Win-Situation:

Renaturierungsmaßnahmen schützen vor Hochwasser und senken die Nitratbelastung

Auszug aus dem Newsletter 1/2018

Das Jahr 2018 begann vielerorts mit nassen Füßen: In den ersten Januarwochen führten der Rhein, die Weser, die Elbe, die Donau und viele kleinere Flüsse Hochwasser. In Köln wurde sogar kurzzeitig der Schiffsverkehr eingestellt, da das Wasser einen Pegelstand von 8,30 m überschritt.

Die starken Niederschläge in dieser Zeit haben für das Hochwasser gesorgt, begünstigt wurde es aber noch durch eine menschengemachte Sache: In früheren Zeiten wurden Flüsse aus unterschiedlichen Gründen stark begradigt. Das hat Auswirkungen auf die gesamten Flusslandschaften: In Deutschland sind nur noch 10 % der natürlichen Auengebiete enthalten und intakt.

Flussaue

Dadurch stoßen aufkommende Wassermassen kaum noch auf Hindernisse, wenn sie flussabwärts Richtung Meer fließen. Sie können einfach „durchrauschen“ und treten in Städten, wo die Ausbreitungsmöglichkeiten für das Wasser gering sind, über die Ufer.

In renaturierten Auen und Flussarmen wiederum hat das Wasser genug Platz, sich auszubreiten. Es wird von der Natur zurückgehalten und verlangsamt die Fließgeschwindigkeit, bevor es weiter strömt.

Was in der Theorie gut klingt, funktioniert auch in der Praxis: Der Niersverband meldete im Januar, dass sich die Renaturierungsmaßnahmen an der Niers positiv bemerkbar machten und die Hochwasserproblematik entschärften. Durch dieses Positivbeispiel lassen sich hoffentlich mehr Flussverbände und Politiker dazu bewegen, eigene Renaturierungen voran zu bringen. Gerade in Zeiten mit verschärften Schlechtwetterrisiko ist es wichtig, Hochwasser so gut wie möglich vorzubeugen.

Neben der Hochwasserthematik gibt es noch einen anderen Grund, der für weitere Renaturierungsmaßnahmen spricht. Auen wirken für die Flüsse als natürliche Filter. Tritt das Wasser in diesen Landschaften über die Ufer, setzen sich Schmutzpartikel auf den Boden ab. Auch Nitrat wird dem Wasser dabei entnommen und dient den Pflanzen am Uferbereich als Düngung. Dadurch wird dem Nährstoffüberschuss in den Flüssen und letzten Endes auch in den Ozeanen entgegen gewirkt. Unsere Messungen ergeben immer wieder, dass die Nitratbelastung durch intakte Auengebiete wesentlich gesenkt wird.

Neben dem Hochwasser- und Meeresschutz trifft man außerdem nirgendwo in Mitteleuropa auf mehr Tier- und Pflanzenarten, als an Flussauen.

Aus all diesen Gründen fordert der VSR-Gewässerschutz seit Jahren, dass mehr Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt werden.