Phosphate in Leda und Sagter Ems

Landwirte, die Hochmoorböden stark entwässern und übermäßig mit Gülle düngen, verursachen zwangsläufig die starke Phosphatbelastung der angrenzenden Gewässer. Im Winter 2013  untersuchte der VSR-Gewässerschutz im Rahmen seines Projektes „Phosphatbelastung unserer Gewässer durch Entwässerungsmaßnahmen“ die Ursachen der hohen Phosphatbelastung der Leda. Vom Zusammenfluss der Quellbäche Marka und Ohe südlich des Saterlandes über die Sagter Ems bis in den Unterlauf der Leda führte dabei die Messfahrt der Gewässerschützer.

Quellflüsse sind bereits belastet

Schon die beiden Quellbäche der Sagter Ems waren mit Phosphaten belastet. Mit 0,78 Milligramm Phosphat pro Liter (mg/l) in der Ohe und 0,82 mg/l in der Marka wurden deutlich erhöhte Belastungen festgestellt. Nach Vorgaben der Bund/Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA), in der auch das Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz vertreten ist, sollte die Belastung unterhalb von 0,3 mg/l liegen. Dieser Schwellenwert wurde schon hier um mehr als das doppelte überschritten. Europäisches Ziel ist, dass sich alle Oberflächengewässer in einem guten ökologischen und chemischen Zustand befinden. Hierzu müssten aber die festgesetzten Schwellenwerte eingehalten werden.

Deutlich zu hohe Werte

Ab den Zusammenfluss der beiden Bäche stieg die Belastung in der Sagter Ems bis auf 1,24 mg/l Phosphat im Raum Ramsloh - Strücklingen an. Anschließend sank der Wert wieder etwas. Der Wert betrug nun 0,94 mg/l, bevor das Wasser des Elisabethfehn-Kanals mit seinen 2,34 mg/l einen weiteren Belastungsschub brachte. Mit diesem fast achtfach über dem Schwellenwert von 0,3 mg/l Phosphat liegendem Wert fanden die Gewässerschützer die höchste Belastung im Untersuchungsgebiet. Nachdem sich das Wasser des Fehn-Kanals mit dem der Sagter Ems durchmischt hatte, floss das Flusswasser in die Leda. In ihr stellten die Umweltschützer bei Potshausen dann immer noch einen Wert von 1,40 mg/l fest. Hiermit war aber noch nicht die höchste Konzentration im Unterlauf der Leda erreicht. Die Phosphatbelastung stieg noch bis auf 1,68 mg/l im Raum Amdorf an, bevor die Jümme mit ihren etwas geringer belastetem Wasser von 1,48 mg/l Phosphat einmündet. Diese Werte sind fünfmal so hoch wie der von der LAWA festgelegten Schwellenwert.

 

Von dem von der Wasserrahmenrichtlinie bis 2015 geforderten Ziel eines guten ökologischen und chemischen Zustandes der Oberflächengewässer in der Leda und ihren Zuflüssen ist man noch weit davon entfernt. Die Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet den Bund und die Länder, den Gewässerschutz flächendeckend umzusetzen. Dies ist hier bisher versäumt worden und so belasten die Phosphate die Ems und damit auch die Nordsee, wo sie zur Eutrophierung beitragen

Messwerte Leda
Messstelle ortho-Phophat in mg/l
Amdorf 1,68
Potshausen 1,40
Messwerte Sagter Ems
Bibelte 0,94
Strücklingen 1,24
Ramsloh 1,24
Sedelsberg 0,86

Drainage als Ursache

Während die Phosphateinträgen von kommunalen Kläranlagen stark reduziert werden konnten machen heute die Phosphate aus den Drainagen in der Leda 90 % der gesamten Fracht aus. Die Ursache liegt dabei in den zahlreichen landwirtschaftlich genutzten Hochmooren und den staunassen Sandböden, die bedingt durch extreme Massentierhaltung stark mit Gülle gedüngt werden. Diese Böden können nur durch die Entwässerungssysteme mit Hilfe von Gräben oder unterirdischen Drainrohren bewirtschaftet werden. Diese Entwässerung birgt aber auch das Risiko, dass nicht nur Nitrate sondern auch Phosphate schneller ausgewaschen werden. Je früher im Jahr und je schwerer die eingesetzten Landmaschinen sind, umso stärker müssen die Böden entwässert werden. Gülle ist durch die hohe Wassermenge gegenüber Mineraldünger sehr schwer und entsprechend tief müssen die Flächen entwässert werden.

Massentierhaltung ebenfalls ein Problem

Ein großes Problem für die Phosphatauswaschung im Einzugsgebiet der Leda stellen die vielen Massentierhaltungen auf den entwässerten tonarmen Sandböden dar, die auch in der Leda-Jümme-Niederung vorkommen. Durch die Genehmigung einer zu großen Zahl von Betrieben fällt viel zu viel Gülle an. Diese trägt nicht nur zur Nitratbelastung der Gewässer bei, sondern führt bedingt durch die Entwässerung der Böden auch noch zu einer übermäßigen Phophatbelastung der Leda. Die Aufbringungmenge der Gülle muss auf diesen Böden dringend reduziert werden.

Das größte Problem

Das mengenmäßig größte Problem stellen im Leda-Einzugsgebiet allerdings die gedränten Grünlandflächen auf Hoormoorböden dar. Bei einem Flächenanteil von nur 3,5 % im EmsEinzugsgebiet machen diese einen Phosphateintrag von 30 % aus. Auf dieses Grünland wird ebenfalls viel Gülle aufgebracht. Gülle enthält neben den Stickstoffen auch große Mengen Phosphor. Gerade bei sauren Hochmoorböden werden wegen des geringen Speichervermögens riesige Mengen über die Entwässerung der Felder ausgewaschen. Durch die Ertragsmaximierung in der Landwirtschaft versucht man nun diesen Nährstoffverlust auszugleichen – die Düngermenge wird erhöht.

 

Aber auch bei angepasster Düngung besteht auf den entwässerten Hochmoorböden das Problem, dass sehr große Phosphatmengen ins Entwässerungssystem gelangen. Um das Wasser aus den Mooren abzuführen, werden tiefe Gräben in den Moorkörper getrieben. So fließt das Wasser aus dem Moor zunehmend ab. Dabei dringt Luft an die Stelle von Wasser in die Poren ein und fördert eine intensivere aerobe Mineralisierung der organischen Stoffe des Moorbodens. Phosphat wird frei und weil es nicht gespeichert werden kann, wird es ausgewaschen. Je stärker Moorböden entwässert werden, umso mehr Phosphate gelangen über die Drainagen und Gräben in die Bäche und Flüsse.

Der VSR fordert

Niedersachsen verfügt in Deutschland über die meisten Hochmoore, die landwirtschaftlich genutzt werden. Aus diesem Grund liegen gerade hier hohe Phosphatkonzentrationen in den Gewässern vor. Der VSR-Gewässerschutz fordert die niedersächsische Regierung auf, sich nicht nur um die Einstellung des Torfabbaus, sondern auch dringend um eine Umwandlung der intensiv als Grünland genutzten entwässerten Moore in extensives Grünland, wenn keine Rückführung in ein funktionsfähiges Hochmoor möglich ist, zu kümmern.

 

Wegen der fehlenden Pufferkapazität sollte auf Hochmoorböden keine Gülle ausgebracht werden. Die Entwässerung sollte so weit verringert werden, dass das Grünland nur noch für kurze Zeiträume mit leichten für diese Böden geeigneten Landmaschinen befahrbar ist. Als Möglichkeit bietet sich auch die Beweidung von Flächen an. Diese Bewirtschaftung mit einer geringen Düngung bringt zwar einen geringeren Ertrag, stellt aber neben einer wesentlich geringeren Phosphatauswaschung, einer Verringerung der klimaschädlichen Emissionen auch für den Arten- und Biotopschutz einen großen Gewinn dar.

Je attraktiver die Landschaft für Urlauber wird umso mehr können die landwirtschaftliche Betriebe auch in Form von Hofläden, Ferienwohnungen und Bauerncafes ein weiteres Standbein finden und so den verringerten landwirtschaftlichen Ertrag durch eine attraktive Kulturlandschaft ausgleichen. Diesen Wandel werden die Landwirte aber ohne finanzielle Unterstützung aus Hannover nicht stemmen können.


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