Phosphate in Wümme und Hamme

Der VSR-Gewässerschutz untersuchte im Dezember 2013 und Januar 2014 im Rahmen seines Projektes „Phosphatbelastung unserer Gewässer durch Entwässerungsmaßnahmen“ die Ursachen der hohen Phosphatbelastung der Hamme und Wümme bis sie sich in Riitterhude kurz vor Bremen zur Lesum vereinen. Diese transportiert dann die Phosphatfracht zur Weser.

Hamme erreicht "Guten Zustand" nicht

Der Giehler Bach wies kurz vor Viehspecken, wo er zur Hamme umbenannt wird, bereits 0,7 mg/l ortho-Phosphat auf. Nach dem Zufluss der Kollbeck erhöht sich die Belastung in der Hamme im Weißen Moor auf 2,18 mg/l ortho-Phosphat. Diese Verdreifachung der Belastung liegt vor allem am Zufluss dem Kollbeck mit ihren 3,04 mg/l. Als Kollbeck wird das südliche Ende des Oste- Hamme-Kanals bezeichnet. Dieser diente früher neben der Entwässerung auch zum Torftransport auf kleinen Kähnen. Heute entwässern immer noch Firmen Flächen um den Torf abbauen zu können. Dabei gelangen große Mengen Phosphat in die Gewässer.

 

Ein weiterer sehr hoher Eintrag kommt auch durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung der Moorböden, da auch diese in den Oste-Hamme-Kanal entwässert werden. Am stärksten ist die Belastung bei der Nutzung der Moorböden als Ackerfläche. Aber auch die intensive Grünlandnutzung, die auf den meisten nicht mehr intakten Moorböden stattfindet, führt zur starken Belastung der entwässernden Bäche. Nachdem die Hamme an den ehemaligen Moorkolonien Bornreihe und Hüttenbusch Richtung Worpswede vorbeifloss, münden die drei linken Zuflüsse Rummelsdeisbeek mit 0,94 mg/l, Schmoo mit 0,86 mg/l und Umbeck mit 2,06 mg/l ortho-Phosphat. Die Umbeck stellte früher die wichtigste Verbindung der Moordörfer östlich des eyerberges zur Hamme dar. Heute ist das Gewässer durch die intensive Landwirtschaft in ihrem Einzugsgebiet stark verschmutzt.

 

Wenige Kilometer flussaufwärts strömt von rechts die Beek mit 1,28 mg/l zu, die den größten Teil des Moorgebietes westlich der Hamme entwässert. Die Hamme ist vor dem Zusammenfluss mit der Wümme mit 1,5 mg/l ortho-Phosphat belastet. Die Konzentration in der Hamme ist damit fünfmal so hoch wie der von der LAWA festgelegten Schwellenwert. Von dem Ziel der Wasserrahmenrichtlinie das die Oberflächengewässer sich in einem guten ökologischen und chemischen Zustandes befinden sollen, ist man bei Hamme und Wümmenoch weit entfernt.

Wümme zu hoch belastet

Die Wümme weist mit 0,9 mg/l eine geringere Phosphatbelastung auf. Dies kann damit erklärt werden, dass der Anteil der Hochmoorflächen in ihrem Einzugsgebiet wesentlich geringer als bei der Hamme ist. Auch sind viele Hochmoorgebiete entweder gut erhalten oder wiedervernässt worden. Da sie nicht stetig entwässert werden, geht von ihnen keine oder nur eine geringe Phosphatbelastung aus.

 

Trotzdem führen entwässerte Hochmoorböden zu einer zu hohen Phosphatkonzentration vom Tostedter Ortsteil Wümme bis zur Mündung in die Lesum. In Tostedt-Wümme liegt die Belastung schon bei 0,42 mg/l und steigt dann über 0,66 mg/l in Rotenburg bis auf 0,86 mg/l ortho-Phosphat in Ottersberg an. Die Wörpe, die unter anderem auch Wasser von der Entwässerung des Teufelsmoor aufnimmt, führt mit 1,02 mg/l nochmals zu einer Erhöhung im Wümmewasser auf 0,90 mg/l. Die Konzentration in der Wümme ist damit dreimal so hoch wie der von der LAWA festgelegten Schwellenwert.

Torfabbau schädigt die Umwelt

Neben dem Torfabbau setzt auch die intensive Landwirtschaft auf den entwässerten Flächen durch den schleichende Abtorfung hohe Mengen an Lachgas und Kohlendioxid frei und wirkt damit als Klimakiller. Doch die Messungen des VSR-Gewässerschutz zeigen auch die problembehaftete Seite der Gewässerbelastung. Sowohl mit dem Torfabbau als auch mit der intensiven Landwirtschaft wird
Niedersachsen die Wasserrahmenrichtlinie nicht einhalten können. Die Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet den Bund und die Länder, den Gewässerschutz flächendeckend umzusetzen. Dies ist hier bisher versäumt worden und so belasten die Phosphate die Weser und damit auch die Nordsee, wo die Phosphate zur Eutrophierung beitragen.

Hohe Phosphatbelastung durch diffuse Quellen

Während die punktuellen Phosphateinträge von kommunalen Kläranlagen stark reduziert werden konnten, machen die diffusen Belastungen im Einzugsbereich der Weser einen großen Anteil aus. Hochmoorböden können nur durch die Entwässerungssysteme mit Hilfe von Gräben oder unterirdischen Drainrohren bewirtschaftet werden. Diese Entwässerung birgt aber auch das Risiko, dass nicht nur Nitrate sondern auch die Phosphate schneller ausgewaschen werden. Gülle enthält neben Stickstoffen auch große Mengen Phosphor, dem Grundbaustein der Phosphate. Gerade bei sauren Hochmoorböden mit ihrem geringen Speichervermögen werden große Mengen Phosphat über die Entwässerung der Wiesen ausgewaschen.

 

Aber auch die Gärreste aus Biogasanlagen enthalten, wenn in der Anlage Gülle zur Energiegewinnung benutzt wurde häufig mehr Phosphat als die Pflanzen benötigen. Insbesondere Schweinegülle und Geflügelmist enthält besonders viel diese Stoffes, da die Tiere mit dem Futter zum Teil zu große Mengen aufnehmen, die nicht ausgewertet werden. Um den Nährstoffverlust, der durch die Entwässerung der Böden verloren geht, auszugleichen werden große Mengen Dünger aufgebracht.

Aber auch bei angepasster Düngung besteht auf den entwässerten Hochmoorböden das Problem, dass sehr große Phosphatmengen ins Entwässerungssystem gelangen. Um das Wasser aus den Mooren abzuführen, werden tiefe Gräben in den Moorkörper getrieben. So fließt das Wasser aus dem Moor zunehmend ab. Dabei dringt Luft an die Stelle von Wasser in die Poren ein und fördert eine intensivere aerobe Mineralisierung der organischen Stoffe des Moorbodens. Phosphat wird frei und da es nicht gespeichert werden kann, wird es ausgewaschen. Je stärker Moorböden entwässert werden umso mehr Phosphate gelangen über die Drainagen und Gräben in die Bäche und Flüsse.

Niedersachsen muss etwas tun!

Niedersachsen verfügt in Deutschland über die meisten Hochmoore, die landwirtschaftlich genutzt werden. Aus diesem Grund liegen gerade hier hohe Phosphatkonzentrationen in den Gewässern vor. Der VSR-Gewässerschutz fordert die niedersächsische Regierung auf sich nicht nur um die Einstellung des Torfabbaus, sondern auch dringend um eine Umwandlung der intensiv als Grünland genutzten entwässerten Moore in extensives Grünland, wenn keine Rückführung in ein funktionsfähiges Hochmoor möglich ist, zu kümmern.

 

Wegen der fehlenden Pufferkapazität sollte auf Hochmoorböden keine Gülle ausgefahren werden. Die Entwässerung könnte so weit verringert werden, dass das Grünland nur noch für kurze Zeiträume mit leichten für diese Böden geeignete Landmaschinen befahrbar ist. Als Möglichkeit bietet sich auch die Beweidung von Flächen. Diese Bewirtschaftung mit einer geringen Düngung bringt zwar einen geringeren Ertrag, stellt aber neben einer wesentlich geringeren Phosphatauswaschung, einer Verringerung der klimaschädlichen Emissionen auch für den Arten- und Biotopschutz einen großen Gewinn dar. Je attraktiver die Landschaft für Urlauber wird umso mehr können die landwirtschaftliche Betriebe auch in Form von Hofläden, Ferienwohnungen und Bauerncafe ein weiteres Standbein finden und so den verringerten Ertrag durch eine attraktive Kulturlandschaft ausgleichen


Anrufen

E-Mail