Wildblumen für die Biogasproduktion -                                eine Chance für die Natur                       

 

 

 

 

 

Denkt man an Biogasanlagen, so hat man sofort das Bild einer monotonen Maisanbaufläche vor Augen. Er ist die häufigste „Energiepflanze“ und ist nach Winterweizen auf den meisten landwirtschaftlichen Flächen zu finden.

Anstatt die Verwertung von organischen Reststoffen, wie beispielsweise anfallende Gülleüberschüsse in den Fokus zu nehmen, werden für die Energieerzeugung eigens neue Kulturen angelegt und Flächen verbraucht.

 

Die Nutzung von Wildblumen zur Erzeugung von Biomasse zur Biogasgewinnung bietet dagegen mehrere Vorteile gegenüber Mais.

Zwar ist der Ertrag nicht so hoch wie beim Mais (die Methanausbeute liegt ca. 10 bis 15 Prozent unter der von Silomais). Es wurde aber festgestellt, dass die Gehalte der Spurenelemente Nickel, Kobalt und Selen höher sind als beim Mais und es dadurch zu einer besseren Nährstoffversorgung der Bakterien in der Biogasanlage kommt.

Darüber hinaus bieten die Wildblumen in der Wachstumszeit vielen Insekten und Tierarten Schutz, Nahrung und Lebensraum. Durch die Bestandszeit von mehreren Jahren ist durch Wildblumenmischungen der Boden auch optimal gegen Erosion geschützt. Ganz nebenbei sind sie auch noch wunderschön anzusehen.

 

Aus welchen Wildblumen kann so eine Mischung bestehen?  Die Auswahl ist zahlreich und bunt, sollte aber nur heimische Arten enthalten...

Malve, Sonnenblume, Rainfarn, Schwarze Flockenblume, Beifuß, Buchweizen, Eibisch, Wegwarte, Wilde Möhre, Königskerze, Lichtnelke, Luzerne, Weißer, Roter und Gelber Klee...der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt.

Im Vergleich zu anderen regenerativen Energieformen wie Windenergie- und Photovoltaikanlagen fördern die Wildblumenwiesen auch die Biodiversität und tragen zum Artenschutz bei.

 

Vor- und Nachteile des ausgeprägten Maisanbaus

Vorteile

Der Mais ist eine Kulturpflanze, die als Futter für die Viehhaltung, zur Produktion von Biogas und selbst als Nahrungsmittel für uns Menschen angebaut wird. Im Jahr 2017 wurden deutschlandweit über 2,5 Mio. Hektar Mais angebaut, knapp 1 Mio. davon für die Produktion von Biogas. Die Pflanze eignet sich gut, weil sie einen geringen Wasserbedarf hat, geringe Ansprüche an den Boden stellt und einen hohen Energieertrag liefert.

 

Nachteile

 

Massive Gefahr der Bodenerosion, da die Pflanzen sehr weit auseinander stehen und den Boden offen lassen.

 

Gleichzeitig hat der Verlust der biologischen Vielfalt in Räumen intensiver Landwirtschaft dramatische Ausmaße angenommen:


 

 

Zahlen des Artenrückgangs im Bericht der Bundesregierung 2017

Das Diagramm zeigt die Bestandsentwicklung im Verlauf der Jahre und nimmt Bezug auf das Jahr 1990. In diesem Jahr wurden alle Artengruppen gezählt. Der "Anfangsbestand" wurde gleich hundert Prozent gesetzt. Leider ist die zugrunde liegende Datenmenge begrenzt, so dass einzelne Arten entweder nur im Jahr 2013 oder 2015 erneut erfasst wurden. Man erkennt aber auf Anhieb, dass sich die Anzahl innerhalb der einzelnen Arten prozentual erheblich verringert hat.

 

 

Von der intensiven Landwirtschaft mit hohem Dünge- und Pestizideinsatz sowie Monokulturen sind vor allem bodenbrütende Vogelarten betroffen. Braunkehlchen beispielsweise sind Zugvögel, Bodenbrüter und Insektenfresser. Diese ökologische Nische ist unter den aktuellen Lebensbedingungen im landwirtschaftlichen Bereich für das Überleben der Art äußerst ungünstig. Durch den Rückgang der Artenvielfalt bezüglich der heimischen Blütenpflanzen kam es auch zu einem drastischen Biomasse-Rückgang der fliegenden Insekten. Dort gibt es viele Spezialisten, die auf ganz bestimmte Arten als Nektar-oder Pollenlieferant oder als Futterpflanze für die Raupen (bei Schmetterlingen) angewiesen sind.

Erhöhung der Biodiversität durch Wildblumenwiesen für die Biogasproduktion

 

Um die Artenvielfalt in unseren intensiv genutzten Agrarlandschaften wieder zu erhöhen, ist eine Vielfalt der Kulturen und Strukturen unverzichtbar. Die Produktion von Biomasse ist dabei eine Chance für die Natur:

Anders als bei der Nahrungs- und Futtermittelproduktion eröffnet sie die Möglichkeit, unterschiedlichste Pflanzenarten und -sorten in Reinsaat und in Mischung anzubauen und den gesamten Aufwuchs zur Vergärung in der Biogasanlage zu nutzen. Daraus wird dann „Bienenstrom“ produziert. Zur Erklärung: das ist nicht etwa Strom aus Bienenbiomasse, sondern Strom, der bienenfreundlich erzeugt wird.

 

Saatgutmischungen aus ertrag- und blütenreichen ein- und mehrjährigen heimischen Wildarten und Kulturarten bieten innovative Ansätze, mit denen die Energieerzeugung aus Biomasse gleichzeitig die Ziele des Landschafts-, Natur- und Artenschutzes verfolgen kann:

• Das vielfältige Blütenangebot und die für landwirtschaftliche Kulturen lange Blühzeit bis Ende Juli/ Mitte August verbessern das Habitatangebot und die Nahrungssituation für eine Vielzahl von Insekten, inklusive Wildbienen und Schmetterlingen.

 

• Mehrjährige Mischungen bieten im Sommer wie im Winter Nahrung und Deckung für Niederwild wie z.B. Hasen, Singvögel und Wintergäste.

 

• Auf Pestizide kann weitestgehend verzichtet werden.

 

 

 

• Mehrjährige Wildpflanzenkulturen bieten ein hohes Potential zur Stickstoffbindung und tragen dadurch zum Gewässerschutz bei.

• Blühmischungen werten das Landschaftsbild auf, erhöhen den Erholungswert einer Region und ermöglichen einen Imagegewinn für die Landwirtschaft.

• Die Ernte der Blühmischungen findet im Herbst statt.

• Es bleibt zu hoffen, dass mehr Bauern sich diesem Konzept anschließen....

• Jeder einzelne Verbraucher könnte dann außerdem entscheiden, ob er das unterstützt, in dem er etwas mehr Geld bezahlt für die Energiekosten im Sinne der Umwelt.

• wünschenswert wäre zumindest in der Übergangszeit eine staatliche Subventionierung, um die Umstellungskosten bei den Bauern auszugleichen.

 

 

Das wurde seitens der Politik im letzten Jahr festgelegt:

 

„… Den Bestand von Bioenergieanlagen wollen wir im Zuge der Ausschreibungen weiterentwickeln. Die Reststoffverwertung werden wir verstärken und den Einsatz von Blühpflanzen erhöhen.“

Auszug aus dem Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD 2018; 19. Legislaturperiode

 

 

 


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