Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleisch -  sinnvoll für Tierwohl und Klimaschutz?

 

 

Der Preis für Fleisch ist zu niedrig, da sind sich Politiker fast aller Parteien einig.

 

 

Eigentlich klingt daher die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes auf Fleisch ganz logisch. Aber ist sie das wirklich?

 

Auf die meisten Lebensmittel in Deutschland wird der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent angewandt. Dazu zählen Grundnahrungsmittel wie Obst und Gemüse, Milch und Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Eier, Honig sowie Getreideerzeugnisse und Backwaren. Getränke werden dagegen – bis auf Trinkwasser – mit 19 Prozent besteuert.

 

Nun wird quer durch Parteien und Interessensverbände kontrovers darüber diskutiert, ob es sinnvoll ist, den Steuersatz auf Fleisch auf 19 Prozent zu erhöhen. Dafür gibt es diverse Gründe:

 

 

 

Aus Gründen des Tierwohls:

 

Niedrige Fleischpreise führen zu Massentierhaltung mit schlechter Tierhaltung.

 

Kaum Platz, ein Leben ohne Tageslicht, ohne Beschäftigung, auf Spaltenböden, mit kupierten Ringelschwänzen. Nicht nur in Deutschland, sondern in vielen weiteren EU-Mitgliedstaaten wird derzeit die überwiegende Zahl der konventionell gehaltenen Schweine kupiert, um Kannibalismus in den eng gepferchten Ställen zu verhindern. Wenige Tage nach der Geburt wird dies ohne Betäubung durchgeführt. Bei dieser Haltung fehlt es an allem, was ein Schwein zum Wohlfühlen braucht: Stroh zum weichen Liegen, Heu oder Silage zur Beschäftigung und zum Fressen, Tageslicht, frische Luft und ausreichend Bewegungsfreiheit. Diese Art der Haltung ist nicht tiergerecht, denn Schweine sind sehr erkundungsfreudige Tiere, die unter natürlichen Bedingungen den größten Teil des Tages in der Erde nach Nahrung wühlen.

 

Leider gibt es auch bei anderen Nutztierarten noch zahlreiche andere Beispiele für eine nicht artgerechte Tierhaltung.

Aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes:

 

Fleischproduktion durch Aufzucht von Nutztieren führt zu viel Gülle auf den Feldern. Infolge dessen führt dies zur Übersättigung der Böden mit Nährstoffen und verschlechtert die Wasserqualität.

Der hohe Fleischkonsum der Deutschen und der nötige Tierfutterbedarf (u.a. Sojaanbau) beschleunigen den Ausstoß von Treibhausgasen, somit den Treibhauseffekt und den Flächenverbrauch. Es zerstört u.a. große Flächen von Regenwald, die für das globale Klima unersetzlich sind. Hoher Fleischkonsum wirkt also dem Klimaschutz entgegen.

 

 

 

Aus gesundheitlichen Gründen:

 

Ungefähr 60 Kilo Fleisch isst durchschnittlich jeder Deutsche pro Jahr.

 

Eindeutig zu viel!

 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, nur halb so viel Fleisch zu essen.

 

Die Folge von zu viel Konsum sind oft Zivilisationskrankheiten wie:

  • ein zu hoher Cholesterinspiegel

  • Fettleibigkeit

  • Gicht

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Osteoporose

Auch ein Zusammenhang mit Krebserkrankungen wird vermutet.

Dass wir alle weniger Fleisch konsumieren und die Landwirtschaft dadurch auch weniger produziert, funktioniert in der Tat wohl vorwiegend über den Preis.

 

Ein geringerer Fleischkonsum ist gut fürs Klima und führt weg von der Massentierhaltung. Nicht die Mehrwertsteuer an sich fördert jedoch diese Entwicklung, sondern der Preis des Fleischs an sich.

 

Beim Billigfleisch würde die erhöhte Mehrwertsteuer tatsächlich nur wenige Cent ausmachen und es wäre weiterhin ein „Schnäppchen“.

 

Biofleisch ist ohnehin schon teurer als konventionell hergestelltes Fleisch - eine Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes würde den Preis für Biofleisch überproportional erhöhen. Die Folge wäre wahrscheinlich, dass der Konsum für Biofleisch wieder zurückgehen würde.

 

Und das ist genau der Effekt, der nicht gewünscht ist.

 

Etwa die Hälfte des in Deutschland geschlachteten Fleisches wurde 2017 nach Angaben des Thünen-Instituts, einer Forschungseinrichtung des Landwirtschaftsministeriums, exportiert. Dieser Teil der deutschen Fleischproduktion wäre von einer Erhöhung der Mehrwertsteuer nicht betroffen – falls der Exportanteil weiter steigt, würde dieses Instrument also nicht helfen, um langfristig die Menge des erzeugten Fleisches zu senken.

Fazit:

 

Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleisch scheint den Fleischkonsum und dadurch auch die

Massentierhaltung und deren negativen Folgen nicht gezielt und schon gar nicht ausreichend zu verringern. Es sind andere Maßnahmen notwendig.


 

Doch es gibt denkbare Alternativen zur Mehrwertsteuererhöhung

 

  • Sinnvoll wäre eine „Fleischabgabe pro Kilo Schlachtfleisch“.                                                                                      
  • Fleisch würde insgesamt teurer und die Preiserhöhung könnte gezielt für die Verbesserung der Haltungsbedingungen der Nutztiere eingesetzt werden. (z.B. Vergrößerung der Ställe, Freilauf....)                                           
  • Eine bessere Tierhaltung müsste gesetzlich vorgeschrieben sein und die Tieranzahl an die Betriebsgröße angepasst werden. Insgesamt muss die Anzahl der Nutztiere deutlich gesenkt werden.                                                 
  • Vermehrter Konsum von möglichst regionalem Gemüse und Obst – warum nicht öfter mal Verzicht auf Fleisch?


 


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