Das Feuchtbiotop im Naturgarten

Je abwechslungsreicher und naturnaher unser Garten gestaltet wird, desto besser. Biotope bieten ohne viel Aufwand wertvolle Lebens- und Rückzugsorte für unzählige Tier- und Pflanzenarten.

 

Wir Deutschen lieben unsere Gärten - die eigenen kleinen grünen Oasen gleich vor der Haustüre. Alleine in Deutschland verfügen knapp 80% der Haushalte über einen Garten, einen Balkon oder eine Terrasse; alternativ über Schreber- oder Gemeinschaftsgärten. Dies bietet ein vielfach unterschätztes und leider oftmals auch ungenutztes Potential! Denn hier können wir ansetzen und unserer Natur mit ganz einfachen Mitteln etwas zurückgeben. Denn wenn wir unsere Gärten naturnah gestalten, schaffen wir für viele Arten wichtige Refugien!

 

Allgemein gilt: je abwechslungsreicher und naturnaher das Angebot im Garten gestaltet wird, desto besser. Ohne viel Aufwand bieten Biotope wie Wildblumenwiesen, Brennesselecken, Trockenmauern, Steinhaufen, Totholz- und Laubhaufen, offene Sandflächen und natürlich nicht zuletzt Wasserstellen, vielfältige Lebens- und Rückzugsorte für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Werden diese Biotope mit der Zeit noch durch ein heimisches Pflanzensortiment, Nistmöglichkeiten und Futterstellen ergänzt und unterstützt, wird es im Garten schon nach kürzester Zeit vor Leben nur so wimmeln. Selbst auf kleinstem Raum lässt sich das Konzept des naturnahen Gartens umsetzen.

Ein bestimmendes Element in jedem Ökosystem ist das Wasser. Nicht umsonst heißt es „Wasser ist Leben“! Werden die verschiedenen Biotoptypen mit einer Wasserstelle kombiniert, wird man sehen wie schnell das neue Lebensraumangebot angenommen wird. Und auch hier sind den Möglichkeiten nur wenig Grenzen gesetzt: ob ausladender (Schwimm-) Teich oder ein kleiner Miniteich im Kübel - Feuchtbiotope gibt es in allen Formen und Farben und können passend für jedes Platzangebot, Budget und jeden Geschmack gestaltet werden. Was man bei der Gestaltung einer Wasserstelle beachten sollte, lesen Sie jetzt....

Der richtige Standort

Schon beim Anlegen des Gartenteichs werden die Grundsteine für eine möglichst große Artenvielfalt gelegt. Bevor es an die Planung des Feuchtbiotopes geht, sollte man sich von daher die Gegebenheiten im eigenen Garten einmal genau anschauen. Eine ruhige und ebene Fläche, welche über den Tag verteilt nicht länger als zwei bis drei Stunden im Schatten liegt ist hier Ideal.

Auch für einen Gartenteich gilt: eine gute Nachbarschaft ist Gold wert! So sollten schattenspendende Gehölze wegen der Verschmutzungsgefahr und der zusätzlichen Nähstoffanreicherung durch herabfallende Blätter, Samen und Früchte nicht zu nah am Teich stehen. Ausladende Uferbereiche mit vegetationstypischen Übergängen in benachbarte Biotope wie Feuchtwiesen oder Sumpfzonen haben nicht nur optisch viel zu bieten, sondern helfen zudem den erhofften biologischen Mehrwert eines Teiches voll auszuschöpfen.

 

Gestaltung

Auch wenn es bei der Größe eines Gartenteiches nach oben hin kaum Grenzen gibt, sollte bei der Wasserfläche ein Mindestmaß von 1m x 2-3m x 1m (B x L x T) nicht unterschritten werden. Auf diese Weise bleibt das ökologische Gleichgewicht im Teich auch unter extremeren Wetterbedingungen stabil und einem vollständigen Aufheizen oder Zufrieren des Wasserkörpers im Sommer bzw. Winter wird vorgebeugt. Wärme- und kälteempfindliche Teichbewohner finden so immer den passenden Rückzugsort und nehmen das Biotop gerne als ihr dauerhaftes Zuhause an.

Unterstützt wird dieser Effekt durch das Einrichten von verschiedenen Wasserzonen und Kleinlebensräumen. Hier empfiehlt es sich die Natur als Vorbild zu nutzen. So besteht jedes Feuchtbiotop idealerweise aus drei verschiedenen Zonen: der Sumpfzone mit einer Wassertiefe von bis zu 20cm, der Flachwasserzone mit einer Wassertiefe von 20cm – 50cm und einer Freiwasserzone ab 50cm. Hierbei sollte auf sanfte und fließende Übergänge zwischen den Zonen geachtet werden um das Abrutschen von Sedimenten zu verhindern, Wasserpflanzen das anwurzeln zu erleichtern und Wasserbewohnern den Ein- und Ausstieg zu vereinfachen. Auch durstigen Gartenbewohnern wird hiermit der Zugang zur einer sicheren Wasserquelle ohne Ertrinkungsgefahr eröffnet.

 

Das richtige Material

Abhängig von Größe und Form, bieten sich verschiedene Materialien für den Bau eines Gartenteiches an. Die einfachste und schnellste Option findet sich hierbei sicherlich in einem vorgefertigten Teichbecken aus Hartkunststoff, welches in einen dafür passenden Aushub gegeben werden muss. Eventuelle Hohlräume sollten erst noch mit Erde und Sand ausgefüllt und eingeschlämmt werden, und schon kann es an die Bepflanzung und Dekoration gehen. Auch wenn es die Fertigteiche heute schon in vielen verschiedenen Formen gibt, ist die Auswahl und die Gestaltungsfreiheit eingeschränkter als bei anderen Materialien wie Ton, Beton oder Teichfolie, und auch die Unterschiede im Preisniveau steigen mit zunehmender Größe merklich an.

 

Wer seinen Gartenteich also möglichst individuell gestalten möchte und zu einem größeren Gartenteich tendiert, der sollte auf eines der anderen Materialien zurückgreifen. Die natürlichste Variante ist ein Teichbecken aus Ton. Das Naturmaterial gibt es in schon vorgefertigten Elementen, welche miteinander verzahnt und Lage für Lage verdichtet und geformt werden können. Eine Mindestdicke von 30cm verhindert die Entstehung von Setzrissen und ein Durchwachsen von Pflanzenwurzeln. Auch wenn kein anderes Material dem natürlichen Vorbild eines Stehgewässers näherkommt, so erfordert die Handhabung und die Verarbeitung der schweren Tonelemente doch etwas Übung und schon ein Quadratmeter verdichtete Fläche kommen auf ein stolzes Gewicht von 200 kg.

 

In Punkto Langlebigkeit und Stabilität, liegt ein Gartenteich aus Beton ganz vorne. Dieser bietet eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten und lässt sich individuell an die Gartengegebenheiten anpassen, um ein stimmiges Gesamtbild zu erschaffen. Benötigt wird hier allerdings ein deutlich größeres handwerkliches Vorwissen, und auch der Gesamtaufwand in Planung und Durchführung fällt um einiges höher aus als bei den anderen Teichvarianten. Da eventuelle Unstimmigkeiten und Versäumnisse in der Teichanlage aus Beton nicht ohne Weiteres wieder ausgeglichen werden können, ist eine Beratung und Unterstützung durch einen Teichbauexperten empfehlenswert.

 

Deutlich leichter gestaltet sich das Anlegen eines Folienteichs. Flexibel form- und einsetzbar, sollte bei der Wahl der Teichfolie vorzugsweise auf umweltfreundliche und weichmacherfreie Kunststoffe wie zum Beispiel Polyethylen geachtet werden. Um einen frühzeigen Materialverschleiß und Risse zu verhindern, sollte der Untergrund vor dem Verlegen der Folie möglichst glatt gemacht und von allen Steinen und Wurzeln befreit werden. Das Anbringen eines Gartenteichvlies und einer Sandschicht bieten einen zusätzlichen Schutz. Wie viel Folie man benötigt kann leicht anhand folgender Gleichung errechnet werden: Folienlänge/-breite= Teichlänge/-breite + 2x Teichtiefe + 2x 60 cm für die Randgestaltung

 

Für alle Teichvarianten bietet es sich an die Umrisse des Teichs und die Lage und Tiefe der verschiedenen Wasserzonen vorab auf dem Boden anzuzeichnen. Auch auf unebenem Untergrund sollten die Teichränder auf eine Höhe ausgerichtet werden. Sobald die Tage im April frostfrei sind, kann mit dem Anlegen der Teichanlage begonnen werden und ab Mai können dann auch schon die ersten Pflanzen einziehen. Verschiebt sich die Bauphase in den Herbst, sollte mit der Bepflanzung bis zum nächsten Frühjahr gewartet um Frostschäden zu vermeiden.

 

 

 

 

Flora und Fauna

Ist also das richtige Material gefunden und der neue Gartenteich angelegt und mit Wasser befüllt, kann es endlich an die Bepflanzung gehen. Wie schon im restlichen Garten auch, sollte auch bei der Wahl der Wasserpflanzen vorzugsweise auf einheimische Arten zurückgegriffen werden, da die hier lebende Tierwelt auf diese Pflanzen spezialisiert ist und nur wenig von schönen Exoten profitiert. Mit heimischen Pflanzen steht der Ansiedelung von Amphibien, wie Fröschen und Lurchen, sowie Insekten, wie Wasserkäfer und Libellen, nichts mehr im Wege. Sollten Fische im Teich gewünscht sein ist auf eine entsprechende Größe und Tiefe zu achten, damit die Tiere ausreichend Rückzugs- und Überwinterungsmöglichkeiten haben.

 

Einige Beispiele für einheimische Pflanzen finden sich im Blutweiderich, verschieden Binsen, Gräsern, Irisarten, Sumpfdotterblumen und Wasserminzen, welche sich vorzugsweise in der Flachwasserzone (bis zu 20cm) ansiedeln und zur Uferbefestigung beitragen. In der Flachwasserzone (20cm – 50cm) fühlen sich verschiedene Kolbenarten (z.B. Rohkolben und Igelkolben), Schwimm- (z.B. Froschbiss, Seekanne und Wasserlinsen) und Sauerstoffpflanzen (z.B. das Ährige Tausendblatt, Hornblatt und Tannenwedel) wohl, welche Nährstoffe aus dem Wasser filtern und zur Sauerstoffversorgung beitragen. Die Freiwasserzone wird vor allem von See- und Teichrosen dominiert, welche nicht nur schön anzusehen sind, sondern gleichzeitig auch ein Aufheizen des Wassers entgegenwirken und somit helfen das Algenwachstum einzuschränken.

 

Kleiner Tipp: Da sich Wasserpflanzen in der Regel schnell vermehren, sind Altteichbesitzer in ihrem Umfeld sicherlich froh Ihnen mit Ablegern aushelfen zu können, um ihren eigenen Bestand etwas auszudünnen. Fragen Sie also einfach mal nach.

 

Miniteich

Eine schöne und platzsparende Alternative zum ausladenden Gartenteich sind Miniteiche. Diese kleinen Wasserstellen lassen sich quasi überall installieren und bieten neben einem optischen Highlight, eine gern genutzte Wasserquelle für Vögel und Insekten. Anders als bei einem Gartenteich sollten die kleinen Teiche nicht zu lange in der Sonne stehen (maximal 6-7 Stunden), um ein zu starkes Aufwärmen des Wassers und ein unerwünschtes Algenwachstum zu verhindern. Genutzt werden können allerhand Gefäße, von (Bade-) Wannen, über Fässer bis hin zu größeren Blumentöpfen. Eventuelle Undichtigkeiten können mit einer Teichfolie abgedichtet werden. Mithilfe von Steinen können auch auf kleinem Raum die verschiedenen Wasserzonen eingearbeitet, und mit den passenden Pflanzen bestückt werden. Kleine solarbetriebene Springbrunnen runden das Bild ab und schaffen eine schöne und entspannte Atmosphäre.

 

Was ist sonst noch zu beachten?

 

Teiche können ab einer bestimmten Größe genehmigungspflichtig sein. Ob das so ist, wird in jeder Kommune unterschiedlich geregelt. Vor dem Anlegen des Teiches sollten Sie das in Ihrer Kommune erfragen.

 


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