Seegraswiesen schützen!

Seegraswiesen stellen einen wichtigen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten im Meer dar. Unter anderem das Seepferdchen benötigt sie, um überleben zu können. Leider ist die Nährstoffbelastung der Ozeane auch ein Problem für die Seegraswiesen.

Seegraswiesen sind als Lebensräume in den Ozeanen nicht so bekannt wie Korallenriffe oder Mangrovenwälder. Dabei erfüllen sie viele wichtige Aufgaben im Ökosystem Meer.

Für Seegraswiesen benötigt es vor allem eine Art – das Seegras. Es kommt fast auf der ganzen Welt in flachen Küstenregionen vor. Von der Wasseroberfläche bis zu einer Tiefe von 40 m kann man es finden. Die Pflanze scheint unspektakulär, aber sie hat es in sich: Es bildet die Basis für ein vielfältiges Ökosystem unter Wasser.

Und auch ohne Blick auf andere Pflanzen und Tiere ist Seegras ein interessantes Gewächs: Es kann einige hundert Jahre alt und 30 bis 200 cm hoch werden. Mit seinen Wurzeln verankert es sich fest im Boden. Und obwohl man es von einer Wasserpflanze vielleicht nicht erwarten würde, bildet das Seegras Blüten aus. Seine Pollen werden durch die Strömung transportiert. Fische und Vögel fressen die entstehenden Nussfrüchte und verbreiten sie somit.

Seegras – ein Superheld des Ozeans

Die Seegraswiese trägt ihren Namen zurecht, denn das Seegras ist für dieses Ökosystem von fundamentaler Bedeutung. Es ermöglicht ein facettenreiches Leben unter Wasser: Viele verschiedene Pflanzen und Tiere verlassen sich auf eine der vielfältigen Eigenschaften des Seegrases und sind von ihm abhängig.

Wie jede Pflanze filtert und bindet Seegras beim Wachstum große Mengen CO2. Gleichzeitig „belüftet“ das Seegras seine Umgebung. Es gibt über seine Blätter und Wurzeln Sauerstoff ab. Dadurch ist insbesondere der Meeresboden gut mit Sauerstoff versorgt. Das freut Würmer, Krebse, Muscheln und Seeigel, die eine Seegraswiese nur zu gerne besiedeln. Und nicht nur diese Tiere profitieren von der Sauerstoffabgabe: Seegraswiesen versorgen den gesamten Planeten mit großen Mengen des lebenswichtigen Gases.

Eine andere wichtige Eigenschaft des Seegrases liegt in seiner Wuchsform. Mit seinen bandartigen, langen Blättern kann es Strömungen und Wellen abbremsen. Viele kleine Tiere, die den Wogen nichts entgegen zu setzen hätten, suchen deswegen in der Seegraswiese Schutz.

Auf dem Seegras wachsen viele verschiedene Algen und leben verschiedenste Kleintiere. Das weiche Sediment ist kein geeigneter Lebensraum für sie, die Blätter des Seegrases hingegen schon. Zahllose Schnecken sind auf den Pflanzen zu finden und weiden die Algen auf dem Seegras ab. Eier von den verschiedensten Tierarten werden an das Seegras geheftet. Außerdem halten sich Jungfische zwischen den Pflanzen auf und sind dort vor Fressfeinden geschützt. Seegraswiesen sind deswegen auch eine „Kinderstube der Ozeane“.

Und nicht nur für die Tierarten unter Wasser sind die Seegraswiesen von großem Wert. Auch Zugvögel schätzen sie als Nahrungsquelle. Ringelgänse und Pfeifenten fressen die Blätter und Wurzeln des Seegrases. Watvögel suchen die Seegraswiesen nach Schnecken und Kleinstlebewesen ab, die auf ihrem Speiseplan stehen.

Seegraswiesen sind bedroht

Seegraswiesen finden sich auch an deutschen Küsten. Im Wattenmeer der Nordsee wachsen das Zwergseegras und das seltenere Echte Seegras.

Leider hatte der Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) 2019 eine schlechte Nachricht: An der niedersächsischen Nordseeküste gibt es nur noch 8,6 Quadratkilometer Seegraswiese! Ein katastrophale Nachricht im Anbetracht der Tatsache, was für ein wertvolles Ökosystem die Seegraswiesen darstellen.

Dabei sah es eine Weile ziemlich gut für das Seegras aus: von 2000 bis 2013 hat die Fläche der Seegraswiesen laut NLWKN zugenommen. Dann ist die Fläche aber um 29 Quadratkilometer bzw. 77 % von 2013 bis 2019 geschrumpft. Das ist ein extrem starker Rückgang innerhalb weniger Jahre!

Leider haben Seegraswiesen schon seit fast 100 Jahren zu kämpfen. In den 1930er Jahren sind sie durch einen Pilzbefall dramatisch geschrumpft. Der Unterwasserbereich ist völlig abgestorben und hat sich bis heute nicht erholt. Im Wattbereich kam das Seegras jedoch glücklicherweise zurück.

Der Pilz ist aber nicht das einzige Problem, mit dem das Seegras ringen muss. Die Überdüngung unserer Flüsse und Meere machen ihm ebenfalls zu schaffen. Hohe Stickstoffkonzentrationen schwächen die Pflanzen und machen sie anfälliger. Im Gegensatz dazu profitieren Grünalgen von der Nährstoffbelastung. Sie überwuchern die Seegraswiesen, wodurch dem Seegras das Licht fehlt. Die Wiesen schrumpfen und ein wichtiger Lebensraum geht verloren.

Die Überdüngung unseres Grundwassers ist kein regionales Problem. Die überschüssigen Nährstoffe sickern den Bächen und Flüssen zu und gelangen von dort aus in die Meere. Dabei richten sie überall Schaden an. Schlussendlich sammeln sie sich im Meer an und führen unter anderem zu einem Rückgang der Seegraswiesen. Es sind dringend schärfere Gesetze und Schutzmaßnahmen nötig, um dieses empfindliche Ökosystem zu schützen!

Rückkehr des Seepferdchens?

Seepferdchen sind schlechte Schwimmer. Die faszinierenden Fische brauchen Pflanzen, an denen sie sich festhalten können. Ansonsten werden sie von der Strömung davon getragen. Deswegen hängen auch sie von Seegraswiesen ab, in denen sie leben können.

In früheren Jahrhunderten war das Seepferdchen auch an deutschen Küsten beheimatet. Doch in den 1930er Jahren vernichtete ein Pilz die Seegraswiesen. Das Seegras verschwand – und die Seepferdchen mit ihm.

Die langsame Erholung des Seegrases in den folgenden Jahrzehnten ist womöglich auch eine neue Chance für das Seepferdchen. Im Januar 2021 entdeckten Biologen des Thünen-Instituts für Seefischerei in Bremerhaven zwei Seepferdchen in der Nordsee – bei ihnen handelte es sich wahrscheinlich um Langschnäuzige Seepferdchen.

Es ist nicht der erste Fund dieser Art. In den letzten 20 Jahren wurden immer wieder einzelne Exemplare des Kurz- und Langschnäuzigen Seepferdchens an deutschen Küsten gefunden.

Ob das wirklich bedeutet, dass das Seepferdchen zurückkommt, ist noch unklar. Die Funde nehmen zwar immer weiter zu. Aber eine Chance auf Rückkehr haben die kleinen Fische nur dann, wenn das Seegras nicht wieder zurückgeht.

Wo die Seepferdchen in der Nordsee leben, falls sie es bereits tun, ist auch noch nicht abschließend geklärt. Größere Seegraswiesen oder Algenwälder, die dafür nötig wären, fehlen.

Es ist auch möglich, dass der Klimawandel dem Seepferchen dabei hilft, in die Nordsee zurück zu kehren. Eiswinter haben früher viele Tiere im flachen Wattenmeer erfrieren lassen. Das kommt heute deutlich seltener vor.

Wir hoffen, dass sowohl die Seegraswiesen als auch die Seepferdchen bald wieder zahlreich in der Nordsee vorkommen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist aktiver Gewässerschutz und ein Rückgang des Nitrateintrags in die Ozeane dringend von Nöten!


Anrufen

E-Mail