Stoppt die Überdüngung der Meere

Die Flüsse nehmen belastetes Grundwasser auf und transportieren die Nitrate in die Nord- und Ostsee

Die europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie wird nicht umgesetzt

Bereits im Juli 2008 trat die EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie in Kraft. In ihr wurde das Ziel festgelegt, dass sich bis 2020 die Meere in einem guten Umweltzustand befinden sollen. Bei der Reduzierung der Nitrateinträge in die Nord- und Ostsee hat sich aber in den elf Jahren kaum etwas getan. Ende 2018 wurde vom Umweltbundesamt (UBA) bekannt gegeben, dass die bisherigen Bemühungen zum Meeresschutz in Deutschland nicht ausreichen. Kein Wunder, denn die Landwirtschaft wurde bisher in die Maßnahmen für die Meeresstrategierichtlinie nicht einbezogen. Es fehlen völlig Vorschläge, die die Einträge aus der Landwirtschaft reduzieren sollen.

Überdüngte Meere eutrophieren

Warum ist es überhaupt schlimm, wenn zuviel Nitrat in einem Gewässer ist? Das Problem liegt darin, dass Nitrat ein guter Dünger ist. Es sorgt für ein extremes Algenwachstum. Sterben die Algen, bauen Bakterien sie ab. Dieser Prozess benötigt Sauerstoff. Gibt es zuviele tote Algen, wird dem Gewässer der Sauerstoff immer weiter entzogen und es können keine Tiere mehr in dem Wasser leben. Im Extremfall wird das Gewässer zu einer toten Zone.

Dieser Vorgang heißt Eutrophierung. Leider ist er in den Meeren schon an vielen Stellen im Gange und muss dringend aufgehalten werden!

Nitratbelastetes Grundwasser gelangt via Flüsse in die Meere

 

Bei der Diskussion um die Verringerung der Nitratbelastung im Grundwasser stellen wir fest, dass viele Politker, Landwirtschaftsverbände und Bürger nur die Trinkwasserqualität im Fokus haben. Die Verantwortung der Landwirtschaft an der Eutrophierung der Meere wird dadurch ausgeblendet. Der VSR-Gewässerschutz zeigt an seinen Informationsveranstaltungen und in den Presseerklärungen, wie wichtig es ist, den Blick Richtung Küste zu richten. Die Einhaltung des Trinkwassergrenzwertes reicht nicht, um die Flüsse und Meere vor Eutrophierung zu schützen.

Schaumberge zeigen uns die Überdüngung im Meer

Jetzt ist 2020 und an den Küsten türmen sich immer noch die Schaumberge. Ursache hierfür sind Schaumalgen - besonders an windigen Tagen liegen große, gelbe Schaumflocken am Strand. Es sind die Reste der abgestorbenen Algen. Die Schaumalgen leben in einer Gelatineschicht, die von den Wellen aufgeschlagen werden. Da die Meere durch Nitrate aus der Landwirtschaft eutrophieren, haben sie sich im Atlantik und in der Nordsee erheblich vermehrt.

Der schlechte Zustand der Nordsee!

Laut Umweltbundesministerium (UBA) mit Daten von Ende 2013 ist der Zustand von fast allen Lebensraumtypen in der Nordsee als schlecht bewertet worden. Demnach sorgen im deutschem Küstengebiet die Elbe, die Eider, die Ems und die Weser für die höchsten Nitrateinträge in die Nordsee. Von 1990 bis 2016 ist die Nitratbelastung bei dem Großteil dieser Flüsse nicht wesentlich gesunken. Diese Belastung mit Stickstoff stammt vor allem aus der Landwirtschaft. In der Folge kann es im Meer zu trübem Wasser, giftigen Algenblüten, Sauerstoffmangel und Verlust der Artenvielfalt führen. Insgesamt sind nur sechs Prozent der Nordseegewässer in gutem Zustand. 55 Prozent sind von Überdüngung betroffen. Um die Nitratfrachten über die Flüsse in die Meere zu senken, wurde in der neuen Oberflächengewässerverordnung ein Gesamtstickstoffgehalt von 2,8 Milligramm pro Liter (mg/l) festgelegt. Umgerechnet auf Nitrat ergibt es einen Wert von 12,3 mg/l. Diesen Wert dürfen Flüsse, die die Grenze in eins unserer Nachbarländer passieren, nicht überschreiten. Große Flüsse können ihn aber nur erreichen, wenn schon ihre kleineren Nebenflüsse- und bäche weniger Nitrat mitbringen.

Der noch schlechtere Zustand der Ostsee!

Noch besorgniserregender sieht es an der deutschen Ostsee aus: hier sind alle untersuchten Ostseegewässer eutrophiert, keines ist in gutem Zustand. 2016 wird der Zustand der Ostsee insgesamt als „nicht gut“ bewertet.

Durch den Binnenmeercharakter der Ostsee ist sie wesentlich empfindlicher. Sie hat nur einen geringen Wasseraustausch mit der Nordsee. Die inneren Küstengewässer der Ostsee, die zum Meer hin durch vorgelagerte Landmassen abgeschlossen sind bzw. in den Flussmündungen liegen, weisen einen schlechteren ökologischen Zustand als die äußeren Küstengewässer auf. Im Jahr 2014 wurden durch die Flüsse etwa 522 Tausend Tonnen Stickstoff  aus den Anliegerstaaten in die Ostsee eingetragen. Deutschlands größter Ostseezufluss ist die Oder. Aber auch die deutschen Flüsse Warnow, Peene und Trave tragen dazu bei.

Messwerte im Grundwasser und in den Flüssen (klicken Sie auf Ihr Bundesland)


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