Stoppt die Algen in unseren Flüssen

Die meisten Nitrate kommen aus dem zusickernden Grundwasser.

Verstoß gegen die Wasserrahmenrichtlinie

Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ist ein Gesetzespaket der EU mit eindeutigem Auftrag: Alle unsere Gewässer – vom Grundwasser über die Seen, die Flüsse von der Quelle bis zur Mündung bis hin zu den Küstengewässern – müssen einen "guten Zustand" erreichen. Dazu gehört zum Einen die Biologie des Gewässers: Tiere und Pflanzen, die dort natürlicherweise leben, müssen auch nachgewiesen werden. In Deutschland erreichen 92 Prozent der Flüsse dieses Ziel NICHT. Zum Anderen betrifft es die Chemie des Gewässers: Schadstoffkonzentrationen, hier insbesondere das Nitrat, sollen innerhalb der Grenzwerte bleiben. Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) dürfen unsere Fließgewässer höchstens 2,5 mg Nitrat-Stickstoff enthalten, um einen guten Zustand zu erreichen - das sind umgerechnet 11 mg/l Nitrat. Bei unseren Beprobungsfahrten an Deutschlands Flüssen messen wir leider viel zu häufig Nitratwerte darüber. Für die Umsetzung des "guten Zustands" der Gewässer hatte die EU mit der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ursprünglich das Jahr 2015 als Frist gesetzt.

Eutrophierte Flüsse und Seen

Spaziergänge an stinkenden, trüben Bächen und Gewässern, Badeverbote im Sommer, das sind Folgen des rasanten Algenwachstums, weil unsere Flüsse eutrophiert, also völlig überdüngt sind. Der Erholungs- und Freizeitwert ist dahin. Viel schlimmer ist aber: Die Tier- und Pflanzenarten, die in unseren Flüssen und Bächen leben, sterben nach und nach ab, weil sie nicht genug Sauerstoff bekommen. Besonders unsere Fische reagieren sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel. Durch die Eutrophierung gerät das ökologische Gleichgewicht durch sich vermehrende Algen völlig durcheinander. Grünalgen wachsen ungehemmt. Beim Absterben und Zersetzen der Algen bildet sich  Bodenschlamm und es wird viel Sauerstoff verbraucht. Den aeroben, also sauerstoffliebenden Bakterien im Wasser, die zum Abbau von Verunreinigungen Sauerstoff benötigen, wird die Lebensgrundlage entzogen. In der Folge verliert das Gewässer die Fähigkeit, sich selbst zu reinigen. Zusammen mit den Algen wachsen dann anaerobe Bakterien, also solche, die ohne Sauerstoff leben können. Sie bilden giftige Stoffe wie Ammoniak oder Methan. Das Gewässer kann „kippen“. Die Wasserlebewesen sterben ab. Die Nährstoffe, vor allem das Nitrat, kommen von den üppigen Düngermengen, die durch die intensive Landwirtschaft in Form von Gülle oder Mineraldünger auf Felder und Grünflächen gekippt werden. Von dort sickern die Mengen, die von Pflanzen nicht gebraucht werden, durch den Boden in unser Grundwasser - und von dort sickern sie weiter in unsere Bäche und Flüsse.

Blaualgen - Gesundheitsgefahr im Sommer!

Hohe Temperaturen, Sonne, lange Tage im Sommer gefallen nicht nur uns. Auch Bakterien blühen bei diesen Voraussetzungen richtig auf. Manchmal kommt es zu einer regelrechten Blaualgenblüte. Davor muss dann immer häufiger gewarnt werden - das Baden wird verboten.  Im Unterschied zu den Grünalgen sind die so genannten „Blaualgen“ nämlich gar keine Algen, sondern  Cyanobakterien. Wenn sie sich rasant vermehren, können manche Arten  für Mensch und Tier giftig werden. Bei Hautkontakt können sie Allergien auslösen. Nach versehentlichem Trinken des mit Toxinen angereicherten  Wassers kann es zu Magenproblemen, Erbrechen, Durchfall oder Fieber kommen. Hunde oder Rinder sind schon daran gestorben, nachdem sie das belastete Wasser getrunken haben. Nitrate im Wasser regen das Wachstum der Cyanobakterien an. Reichlich Nährstoff, hohe Temperaturen und einen Rückstau im Gewässer mit wenig Bewegung kommt den Blaualgen sehr entgegen. Bei rasanter Vermehrung bilden sie regelrechte Teppiche auf der Wasseroberfläche.

Fehlende Uferrandstreifen und Auenlandschaften

Intensive Landwirtschaft bis ans Wasser – das unterstützt durch den Nährstoffeintrag optimal jede Algenblüte! Die Flächen der Landwirtschaft dürfen nicht so nah an unsere Gewässer reichen. Eine gute Möglichkeit, um die Überdüngung des Wassers zu begrenzen sind ausreichend breite Gewässerrandstreifen von mindestens 10 Metern. Dort sollten Schatten spendende Bäume gepflanzt werden, die den Algen das nötige Licht nehmen. Die Renaturierung unserer Fließgewässer hilft, die Nitratkonzentrationen im Wasser zu verringern.  Auen wirken für Flüsse und Bäche wie natürliche Filter. Tritt das Wasser in diesen Landschaften über die Ufer, setzen sich Schmutzpartikel auf dem Boden ab. Auch Nitrat wird dabei dem Wasser entnommen und dient den Pflanzen im Uferbereich als Dünger. Unsere Messungen ergeben immer wieder, dass die Nitratbelastung durch intakte Auengebiete wesentlich gesenkt wird.

Nitratbelastung in den Flüssen

Messwerte im Grundwasser und in den Flüssen (klicken Sie auf Ihr Bundesland)


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