Messfahrt an der Ahse

Erschreckend hohe Nitratwerte fand der VSR-Gewässerschutz bei der Messfahrt an der Ahse.

Es braucht mehr Ökologische Landwirtschaft.

Der VSR-Gewässerschutz kommt nach der Auswertung der Messfahrt an der Ahse im November 2019 zu einem erschreckenden Ergebnis:

 

Der gesamte Flusslauf und ihre Nebenflüsse weisen viel zu hohe Nitratwerte auf. Die Wasserrahmenrichtlinie fordert für alle Gewässer einen guten Zustand. Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) dürfte das Wasser dann höchstens 2,5 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat-Stickstoff beinhalten. Das entspricht umgerechnet 11 mg/l Nitrat. Diese Vorgaben werden an der Ahse stets deutlich überschritten.

 

Die Ursache für diese hohe Nitratbelastung ist der Preisdruck der Discounter und Supermärkte auf die Landwirte. Die Produktion günstiger Lebensmittel kann nur in einer intensiven Landwirtschaft mit hohen Düngemengen erfolgen. An der Ahse belasten dadurch große Mengen an Gülle und Mineraldüngern aus der intensiven Landwirtschaft den gesamten Flusslauf und seine Nebenflüsse. Der VSR-Gewässerschutz fordert von der Umweltministerin Ursula Heinen-Esser die ökologische Landwirtschaft in der Soester Börde, der Region an den Ufern der Ahse, zu fördern.

Mit mehr als doppelt so hohen Nitratwerten als gefordert belastet die Ahse Lippe, Rhein und Nordsee

Bei der Beprobung fand der VSR-Gewässerschutz heraus, dass bereits der Quellteich der Ahse in Lohne, einem Ortsteil der Gemeinde Bad Sassendorf,  mit einem Nitratwert von 73,7 mg/l erheblich belastet ist. Rund um Lohne befinden sich große konventionell genutzte Agrarflächen. Die dort reichlich genutzten Düngermengen, sowohl tierischen, als auch mineralischen Ursprungs, versickern über die Böden ins Grundwasser. Bis Ostinghausen bleiben die Werte zunächst sehr hoch. Bei Haus Düsse wurde in der Ahse weiterhin eine Belastung von 73 mg/l festgestellt. Bis in den Raum Berwicke sinkt die Nitratbelastung auf 52,5 mg/l. Jetzt fließt der Soestbach mit einer Nitratkonzentration von 22,8 mg/l und bei Süddinker der Salzbach mit einer Belastung von 20,4 mg/l zu. Der Nitratgehalt der Ahse sinkt daher nach Durchmischung mit diesen Bächen stetig bis Süddinker - dort fanden die Mitarbeiter vom VSR-Gewässerschutz nun 29,7 mg/l. Von hier aus bleibt die Belastung bis zur Mündung in die Lippe auf dem Niveau von 30 mg/l. Zwischen Süddinker und Hamm ist das Ufer der Ahse fast durchgängig von Bäumen flankiert, der Fluss streift Waldgebiete, was beides einem wiederholten Anstieg des Nitratgehaltes entgegenwirkt. Der Wert ist aber immer noch um mehr als das Doppelte erhöht, um den nach der Wasserrahmenrichtlinie geforderten guten Zustand der Ahse zu erreichen.

Großer Druck auf den Landwirten, Ökologischer Landbau könnte helfen

Konventionelle Landwirte sind im Gegensatz zu der ökologischen Landwirtschaft einem enormen Preisdruck bei der Produktion ihrer Erzeugnisse ausgeliefert. Die Supermarktketten wetteifern um die billigsten Lebensmittelpreise – mit dramatischen Folgen für die Landwirtschaft. Eine gewässerschonende Bewirtschaftung der Felder ist so nicht möglich. Der VSR-Gewässerschutz fordert daher eine Ausweitung des Ökolandbaus. Gerade in NRW muss dringend gehandelt werden. Im Kreis Soest liegt der Anteil der ökologischen Fläche bei nur 2,7 %. Dies ist in Anbetracht des bundespolitischen Ziels von 20 % ökologisch bewirtschafteter Agrarflächen bis 2030 vernichtend wenig. Der ökologische Landbau hat weit strengere Düngevorschriften als in der Düngeverordnung festgesetzt. Es wird auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Stickstoffdünger verzichtet. Da sich die Zahl der Tiere an der Fläche orientiert, die dem Betrieb zur Verfügung stehen, werden Nährstoffüberschüsse bestmöglich vermieden. „Ursula Heinen-Esser zeigt bisher wenig Motivation, den Anteil der ökologisch bewirtschaftenden Flächen zu erhöhen.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Andere Bundesländer wie beispielsweise Hessen sind bestrebt, den ökologischen Landbau zu stärken. Dort werden bereits auf zwei Drittel der Landesfläche insgesamt sechs Öko-Modellregionen unterstützt. Das sind vom Land finanziell geförderte Bündnisse zur Förderung des Ökolandbaus. Gemeinden oder Landkreise werden dazu aufgerufen gemeinsam Konzeptideen zu entwickeln, in denen sowohl der Anteil von Bio-Flächen, als auch die Nachfrage nach Bio-Produkten in der Region gesteigert werden. Im Einzugsgebiet der Ahse könnte Frau Heinen-Esser mit der Einführung einer Öko-Modellregion dem Vorbild Hessens folgen.

Messergebnisse der Ahse

Messtelle Nitratwerte
Lohne 73,7 mg/l
Bettinghausen 71,7 mg7l
Ostinghausen, Haus Düsse 73,4 mg/l
Oestinghausen 54,9 mg/l

Berwicke

52,5 mg/l
Dinker 37,7 mg/l
Süddinker 31,1 mg/l
Hamm 29,3 mg/l

Messergebnisse der Nebenflüsse

Messstelle Nebenfluss Nitratwerte
Ostinghausen Wöstegraben 4,2 mg/l
Welver Soestbach 22,8 mg/l
Süddinker Salzbach 20,4 mg/l

Messwerte im Grundwasser und in den Flüssen (klicken Sie auf Ihr Bundesland)


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