Messfahrt an der Berkel

Über den gesamten Verlauf der Berkel wurden  zu hohe Nitratwerte gefunden. Der VSR-Gewässerschutz fordert mehr gewässerschonende Landwirtschaft.

Der VSR-Gewässerschutz kommt nach der Auswertung der Messfahrt an der Berkel im März 2019 zu einem erschreckenden Ergebnis:

Der gesamte Flusslauf und ihre Nebenflüsse weisen viel zu hohe Nitratwerte auf. Die Wasserrahmenrichtlinie fordert für alle Gewässer einen guten Zustand. Nach den
Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) dürfte das Wasser höchstens 2,5 Milligramm
pro Liter (mg/l) Nitrat-Stickstoff beinhalten. Das entspricht umgerechnet 11 mg/l Nitrat. Diese Vorgaben
werden in der Berkel um mehr als das Doppelte überschritten. Die Ursache für diese hohe Nitratbelastung
ist der Preisdruck der Discounter und Supermärkte auf die Landwirte. Die Produktion günstiger Lebensmittel

kann nur in einer intensiven Landwirtschaft mit hohen Düngemengen erfolgen. An der Berkel belasten dadurch große Mengen an Gülle und Mineraldüngern aus der intensiven Landwirtschaft den gesamten Flusslauf und seine Nebenflüsse.

Der VSR-Gewässerschutz fordert von der Umweltministerin Ursula Heinen-Esser, die ökologische Landwirtschaft im westlichen Münsterland zu fördern.

Deutlich zu hohe Nitratwerte im Verlauf der Berkel

Bei der Beprobung der Berkel fanden Dipl.-Physiker Harald Gülzow und Milan Toups heraus, dass bereits die Quellen der Berkel bei Billerbeck erheblich mit Nitrat belastet sind. In einer Quelle, umgeben von intensiver Landwirtschaft, wurde ein Nitratwert von 56,9 mg/l gemessen. Im unteren Quellteiches der Nähe des Ortes mit 41,4 mg/l ein etwas geringerer Wert. Nach dem Zusammenfluss des Wasser aus dem gesamten Quellgebiet lag die Belastung bei 41,8 mg/l. Auch die Nitratbelastung des zufließenden Gantweger Baches lag mit 40,6 mg/l in gleicher Höhe. Erst nach dem Passieren der Kläranlage westlich von Billerbeck sank die Belastung auf 29,2 mg/l. Hier sieht man deutlich den entlastenden Einfluss des gereinigten Kläranlagenwassers auf den Zustand in der Berkel. Etwas weiter flussabwärts mündet der mit 44,2 mg/l stark belastete Mühlenbach. Durch dessen Wasser und der intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen entlang des Berkel-Ufers steigt ihr Nitratgehalt bis zur Einmündung des mit 44,0 mg/l ebenfalls stark belasteten Varlarer Mühlenbach auf 44,7 mg/l an. Bis nach Coesfeld gibt es dann keine weiteren nennenswerten Veränderungen. Durch Zufluss des mit 36,3 mg/l etwas geringer belasteten Felsbaches sinkt die Belastung der Berkel bis nach Gescher auf 40,9 mg/l. In der Siepe wurde mit 15,8 mg/l der niedrigste Nitratwert im Rahmen dieser Untersuchung gemessen. Dieser Nebenbach fließt hauptsächlich durch das Gebiet der Stadt Gescher und führt daher weniger Nitrat mit sich. Der Nitratwert der Berkel sank geringfügig bis zum Ortseingang Stadtlohn auf 39,6 mg/l. Nun mündet als am stärksten belastete Nebenbach, die Lepping-Welle, mit einem Nitratwert von 60,0 mg/l. Die Belastung in der Berkel steigt wieder an. Im weiteren Verlauf sorgen die angrenzenden Felder dafür, dass sich der Nitratwert weiter erhöht. In Vreden wurde ein Wert von 44,3 mg/l und in Ammeloe von 45,3 mg/l. Die im Rahmen der letztjährigen Untersuchung bestimmten Nitratwerte lagen oft dreifach erhöht, um den nach der Wasserrahmenrichtlinie geforderten guten Zustand der Berkel zu erreichen.

Mehr ökologische Landwirtschaft  - Nitratbelastung reduzieren!

Konventionelle Landwirte sind im Gegensatz zu der ökologischen Landwirtschaft einem enormen Preisdruck
bei der Produktion ihrer Erzeugnisse ausgeliefert. Die Supermarktketten wetteifern um die billigsten
Lebensmittelpreise – mit dramatischen Folgen für die Landwirtschaft. Eine gewässerschonende
Bewirtschaftung der Felder ist so nicht möglich. Der VSR-Gewässerschutz fordert daher eine Ausweitung
des Ökolandbaus. Gerade in NRW muss dringend gehandelt werden. In den Kreisen Coesfeld und Borken
lag der Anteil der ökologischen Fläche 2018 unter 1,2 %. Dies ist in Anbetracht des bundespolitischen Ziels
von 20 % ökologisch bewirtschafteter Agrarflächen bis 2030 vernichtend wenig. Der ökologische Landbau
hat weit strengere Düngevorschriften als in der

Düngeverordnung festgesetzt. Es wird auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Stickstoffdünger verzichtet. Da sich die Zahl der Tiere an der Fläche orientiert, die dem Betrieb zur Verfügung stehen, werden Nährstoffüberschüsse bestmöglich vermieden. „Ursula HeinenEsser zeigt bisher wenig Motivation, den Anteil der ökologisch bewirtschaftenden Flächen zu erhöhen.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Andere Bundesländer wie beispielsweise Hessen sind bestrebt, den ökologischen Landbau zu stärken. Dort werden bereits auf zwei Drittel der
Landesfläche insgesamt sechs Öko-Modellregionen unterstützt. Das sind vom Land finanziell geförderte Bündnisse zur Förderung des Ökolandbaus. Gemeinden oder Landkreise werden dazu aufgerufen gemeinsam Konzeptideen zu entwickeln, in denen sowohl der Anteil von Bio-Flächen, als auch die Nachfrage nach Bio-Produkten in der Region gesteigert werden. Im Einzugsgebiet der Berkel könnte Frau Heinen-Esser mit der Einführung einer Öko-Modellregion dem Vorbild Hessens folgen.

Messergebisse der Untersuchung der Berkel

Ort Nitrat in mg/l
Quelle 56,9
Nach Quellgebiet 41,8
Nach Kläranlage Billerbeck 29,2
Coesfeld 44,7
Gescher 40,9
Stadtlohn 39,6
Vreden 44,3
Ammeloe 45,3
Rekken 46,7
Eibergen 46,6

Ergebnisse der Untersuchung der Nebenbäche im Mündungsbereich

Ort Nebenfluss Nitrat in mg/l
Billerbeck Gantweger Bach 40,6
Billerbeck Mühlenbach 44,2
Coesfeld Valrarer Mühlenbach 44,0
  Felsbach 36,3
Gescher Siepe 15,8
Stadtlohn Lepping Welle 60,0

Messwerte im Grundwasser und in den Flüssen (klicken Sie auf Ihr Bundesland)


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