Gewässerrandstreifen

Wiesen, Sträucher und Gehölze direkt neben Gewässern sind keine Selbstverständlichkeit. Es gibt zwar Gesetze, um Gewässerrandstreifen zu schützen, aber die reichen häufig nicht aus oder können leicht aufgeweicht werden.

Dabei sind Gewässerrandstreifen wertvolle Schutzzonen. Sie haben vielfältige Aufgaben in unserem Ökosystem. So dienen sie als Filter für Schadstoffe wie Nitrat, speichern Wasser und vernetzen Biotope miteinander. Deswegen müssen sie unbedingt besser geschützt werden.

Die Funktionen von Gewässerrandstreifen

Das Leben im Fluss profitiert

Ufergehölze haben sehr direkte positive Auswirkungen auf das Leben im Fluss. Fehlen sie, nimmt die Anzahl der Fische stark ab.

Die meisten Gewässer in Deutschland wurden durch Menschen stark verändert. Damit sie sich in ihren natürlichen Zustand zurückentwickeln können, brauchen sie Platz und eine natürliche Uferstruktur. Beides wird durch Gewässerrandstreifen geliefert.

Außerdem sorgen Gehölze am Ufer für Schatten. Das ist besonders für kleine Bäche relevant, da sie sich im Sommer schnell aufheizen. Viele aquatische Lebewesen reagieren sehr schlecht auf eine zu hohe Wassertemperatur. Der Schatten sorgt für willkommene Abkühlung. Insgesamt wird das Gewässer widerstandsfähiger gegen den Klimawandel. Wasserpflanzen wachsen durch den Schatten langsamer und wuchern nicht unkontrolliert.

Ufergehölze sind eine wichtige Nahrungsquelle für Wasserlebewesen. Kleine Krebse, Insektenlarven und Asseln ernähren sich von Totholz und Laub, das ins Gewässer gefallen ist. Ragen Äste in das Wasser, sorgen sie für Versteckmöglichkeiten und unterschiedliche Strömungen.

Filterwirkung

Viele Flüsse und Seen sind mit Schadstoffen, Nitraten und Phosphor belastet. Diese Stoffe fließen und sickern den Gewässern zu. Intakte Gewässerrandstreifen filtern einen Teil der Schadstofffracht aus zufließendem Wasser heraus. Damit halten sie das Gewässer sauber.

Nitrat und Phosphat können durch Oberflächenwasser in die Gewässer gelangen. Von landwirtschaftlichen Flächen fließt bei Regen Wasser zum nächsten See, Fluss oder Bach. Dieses Wasser ist oftmals stark mit Nitrat oder Phosphor belastet. Durch den Gewässerrandstreifen wird der Abfluss abgefangen. Ein Teil der Stoffe wird aus dem Wasser gefiltert.

Nitrat ist im Gegensatz zu Phosphor gut wasserlöslich und hat somit einen zweiten Hauptweg in die Gewässer: Über das Grundwasser. Nützlicherweise filtert der Gewässerrandstreifen auch das Grundwasser: Pflanzenwurzeln nehmen das Nitrat auf und es wird zum Wachsen genutzt.

Neben diesen natürlichen Gründen sorgen teilweise auch Gesetze dafür, dass Gewässerrandstreifen die Wasserqualität verbessern.

Pflanzen halten zusickerndes Wasser auf und filtern es.

In einigen Ländern ist das Düngen und der Pestizideinsatz auf Gewässerrandstreifen verboten. Damit gelangen Schadstoffe nicht so schnell direkt in das Gewässer. In anderen Ländern ist Pestizid- und Düngeeinsatz am Gewässer jedoch vollkommen legal. Das muss sich dringend ändern, um die Gewässer effektiver zu schützen.

Wasserspeicher

Bewachsene, flache Ufer verringern das Hochwasserrisiko. Die Fließgeschwindigkeit des Wassers wird reduziert und es kann ungehindert über die Ufer treten. Das Wasserrückhaltevermögen ist hier besonders hoch. Kommt es zu hohem Wasseraufkommen, fließt das Wasser nicht so schnell flussabwärts. Stattdessen wird es in Flussbereichen mit breitem Gewässerrand zurückgehalten und verlässt diese Bereiche nur nach und nach. An anderen Flussabschnitten ohne Gewässerrand, zum Beispiel wegen Bebauung, bleibt der Wasserspiegel dadurch niedriger.

Der Gewässerrandstreifen selber ist gegen Hochwasser gut gerüstet: Die Wurzeln der Gehölze schützen das Ufer vor übermäßiger Erosion.

Lebensräume schaffen und verbinden

Gewässerrandstreifen sind wertvolle Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. Da sie sich über das ganze Land ausdehnen, vernetzen sie einzelne Biotope miteinander. Tiere können die Gewässerrandstreifen für ihre Wanderungen benutzen und Pflanzen breiten sich entlang des Gewässers aus. Besonders in Deutschland, das von Landwirtschaft und Siedlungen geprägt ist, sind Gewässerrandstreifen wertvolle Rückzugsorte. Gleichzeitig stellen sie ein Bindeglied zwischen den Gewässern und der restlichen Landschaft dar.

Gewässerrandstreifen mögen schmal sein, aber zusammengenommen bieten sie einen großen Lebensraum.

 In Deutschland gibt es etwa 140.000 km Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet von mehr als 10 km². Wenn all diese beidseitig einen 5 m breiten Streifen haben, ergeben sich 1.400 km² Naturschutzfläche. Das macht 0,4 % der Gesamtfläche Deutschlands aus.

Entspannung und Erholung für den Menschen

Auch für Menschen sind die Gewässerrandstreifen von Vorteil. Sie sorgen für ein vielfältiges Landschaftsbild und werten so die Landschaft auf. Beim Spazieren sorgen sie für Naturnähe und mehr Entspannung. Außerdem bieten Gewässerrandstreifen Schatten und Windschutz.

Naturnahe Gewässer haben den Vorteil, dass sie von allein im Gleichgewicht bleiben. So sind Pflegeeingriffe kaum nötig. Es sinken Aufwand und Kosten, die für das Gewässer aufgebracht werden müssen.

Gestaltung

Die Breite von Gewässerrandstreifen ist ein wichtiger Faktor für die Wasserqualität und muss politisch vorgegeben werden. Am besten ist es, wenn die Breite dem natürlichen Entwicklungspotential entspricht. Das heißt, dass der Gewässerrandstreifen dem Fluss die Möglichkeit geben soll, sich wieder in einen natürlichen Zustand zu entwickeln. Damit das möglich ist, muss ein Gewässerrandstreifen mindestens 10 m, eher 15 m breit sein. In der Praxis sind es jedoch eher 5 m bis 10 m.

Gewässerrandstreifen sollten eine natürliche Umgebung darstellen. Das können Ufergehölze, Röhrichte oder extensiv genutztes Grünland sein. Der Landschaftscharakter insgesamt sollte bei der Planung und Pflege miteinbezogen werden.

Wünschenswert ist Vielfalt und Abwechslung im Gewässerrandstreifen. Eine Mischung aus Gehölzen, Wiesen und kleinen Tümpeln bietet den unterschiedlichsten Tieren Lebensraum. So wird die Artenvielfalt gefördert.

Gewässerrandstreifen sollen eine natürliche Vegetation aufweisen. Deswegen muss eingegriffen werden, wenn sich Neophyten oder invasive Arten ansiedeln.

Forderungen

Wie auf diesem Bild wird in weiten Teilen Deutschlands um Flüsse Ackerbau betrieben. Büsche, Bäume und wilde Wiesen um den Fluss können ihn schützen.

Gewässerrandstreifen sollen dazu dienen, dass sich Flüsse und Seen wieder natürlich entwickeln können. Diese Möglichkeit muss der Natur eingeräumt werden, indem die Gewässerrandstreifen breit genug sind und Dünger und Pflanzenschutzmittel aus ihnen verbannt werden. So verringern die Gewässerrandstreifen auch die Nitratbelastung.

Vom Bund ist vorgegeben, dass Gewässerrandstreifen mindestens 5 m breit sein müssen. Das ist jedoch zu wenig: Es müssten mindestens 10 m sein, damit der Zustand der Gewässer wirklich verbessert wird und Nitrat effektiv aus dem zusickernden Grundwasser gefiltert wird. Nur so können die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie erfüllt werden. Manche Bundesländer haben die Breite der Gewässerrandstreifen bereits auf 10 m erhöht. Wir fordern, dass 10 m in ganz Deutschland zur Vorgabe werden! Gleichzeitig muss der Dünge- und Pestizideinsatz auf den Gewässerrandstreifen verboten werden.

Gewässerrandstreifen sollen mit der natürlichen Vegetation der Region bewachsen sein. Idealerweise werden mindestens auf einer Seite dauerhaft Gehölze angelegt. Damit können sich natürliche Uferstrukturen entwickeln.

Messwerte im Grundwasser und in den Flüssen (klicken Sie auf Ihr Bundesland)


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