Messfahrt an der Schwalm

Der VSR-Gewässerschutz stellt bei seiner Messfahrt eine Nitratbelastung fest. Mit der Schwalm gelangen die Nitrate letztendlich auch in der Nordsee.

Im Rahmen seiner Nitratmesskampagne kommt der VSR-Gewässerschutz nach Auswertung der Messfahrt an der Schwalm im Oktober 2019 zu einem erschreckenden Ergebnis: Die intensive Landwirtschaft in den Kreisen Heinsberg und Viersen führt dazu, dass der gesamte Flusslauf sowie viele Nebenbäche zu hohe Nitratwerte aufweist. Das Ziel eines guten Zustandes wird an keiner Messstelle erreicht. Hierzu dürfte das Wasser nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) höchstens 2,5 mg/l Nitratstickstoff beinhalten. Das entspricht umgerechnet 11 mg/l Nitrat. Der VSR-Gewässerschutz fordert daher die Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser auf, dringend zu handeln.

Von Beginn an zu viel Nitrat

Bei der Beprobung der Schwalm fanden die Mitarbeiter vom VSR-Gewäserschutz heraus, dass bereits die Quelle der Schwalm in Erkelenz-Geneiken mit 23,8 mg/l erheblich mit Nitraten belastet ist. In ihrem weiteren Verlauf stiegen die Nitratwerte weiter an. So wurde in Wegberg-Watern erneut eine Wasserprobe genommen, die einen Wert von 24,1 mg/l zeigte. In Wegberg fließt der mit 65,0 mg/l hoch belastete Beeckbach der Schwalm zu und erhöht die Nitratkonzentration der Schwalm auf unglaubliche 51,9 mg/l in Harbeck. Im weiteren Verlauf sinkt die Nitratbelastung der Schwalm. Den größten Effekt hat der zufließende Mühlenbach. Bei Balkhoven fanden die Gewässerschützer gerade mal 16,8 mg/l Nitrat. Die reinigende Wirkung auf das Wasser durch einen Erlenbruchwald im Radeveekes Bruch und im Lüttelforster Bruch kann man im weiteren Verlauf der Schwalm gut beobachten. Diese biologisch aktive Aue nimmt die Nährstoffe aus dem zusickernden Grundwasser auf. Im Lüttelforst stellten die Mitarbeiter vom VSR-Gewässerschutz nur noch 35,7 mg/l Nitrat fest. Reste der alten Erlenbruchwälder begleiten die Schwalm im weiteren Verlauf. Obwohl der Kranenbach in Born einen Nitratwert von 28,2 mg/l aufweist, sinkt die Nitratkonzentation in der Schwalm bis in Wieler auf 24,1 mg/l.

Auswahl einiger Messergebnisse

 

Messstellen Nitrat in mg/l

Erkelenz-Geneiken (Quelle)

23,8
Watern 24,1
Harbeck 51,9
Schwaam 40,6
Lüttelforst 35,7
Swalmen-Wieler 24,1

 

Nitratbelastung der Nebenflüsse

 

Nebenbach  in Nitrat in mg/l
Beeckbach Wegberg 65,0
Mühlenbach Balkhoven 16,8
Slipsbach Venheyde 51,7
Kranenbach Brüggen-Born 28,2

Es fehlt an ökologischen Landbau

Die jahrzehntelangen Versäumnisse der Politik haben die Betriebe der konventionellen Landwirtschaft an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit gebracht haben. Die Ausrichtung auf die billige Massenproduktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse ist mit einer umweltschonenden Bewirtschaftung der Ackerflächen nicht vereinbar. Jetzt ist die Politik gefordert, eine Agrarwende einzuleiten. Gerade in NRW muss dringend gehandelt werden. Aus diesem Grund hat der VSR-Gewässerschutz eine Nitrat- Messkampagne gestartet, in der Flüsse in Regionen mit intensiver Landwirtschaft untersucht werden. Mit den Messwerten möchten die Gewässerschützer der Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser zeigen, dass dort die Belastungen der Flüsse besonders hoch sind. Das belegen die Messwerte und der geringe Anteil der ökologischen Fläche von 2,4 % im Kreis Heinsberg und 1,3 % im Kreis Viersen sehr deutlich. Dies ist in Anbetracht des bundespolitischen Ziels von 20 % ökologisch bewirtschafteter Agrarflächen bis 2030 vernichtend gering. Der ökologische Landbau vermindert nach neuesten Untersuchungen des Thünen-Institutes, einer in Braunschweig ansässigen 

Bundesforschungsanstalt, die Stickstoffausträge im Mittel um 28 Prozent. Damit tragen ökologisch wirtschaftende Landwirte dazu bei, dass den Gewässern weniger Nitrate zusickern. Der ökologische Landbau hat weit strengere Düngevorschriften als in der Düngeverordnung festgesetzt. Es wird auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Stickstoffdünger verzichtet. Da sich die Zahl der Tiere an der Fläche orientiert, die dem Betrieb zur Verfügung stehen, werden Nährstoffüberschüsse bestmöglich vermieden. Eine Ausweitung des ökologischen Landbaus trägt zur Reduzierung der Nitratbelastung der Flüsse bei. Der VSR-Gewässerschutz fordert eine wesentliche Erhöhung der ökologisch genutzten Flächen. „Ursula Heinen-Esser zeigt zu wenig Motivation, den Anteil der ökologisch bewirtschaftenden Flächen zu erhöhen.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende vom VSR-Gewässerschutz.

Öko-Modellregionen können helfen

VSR-Gewässerschutz. Andere Bundesländer wie beispielsweise Hessen sind bestrebt, den ökologischen Landbau zu stärken. Dort werden bereits auf zwei Drittel der Landesfläche insgesamt sechs Öko-Modellregionen unterstützt. Es sind vom Land finanziell geförderte Bündnisse zur Förderung des Ökolandbaus. Gemeinden oder Landkreise werden dazu aufgerufen, gemeinsam Konzeptideen zu entwickeln, in denen sowohl der Anteil von Bioflächen, als auch die Nachfrage nach Bio-Produkten in der Region gesteigert werden. Im Einzugsgebiet der Schwalm würde eine Öko-Modellregion dazu beitragen, dass landwirtschaftliche Betriebe in einer Umstellung zum ökologischen Landbau eine Perspektive sehen.

Messwerte im Grundwasser und in den Flüssen (klicken Sie auf Ihr Bundesland)


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