Erschreckendes Ergebnis bei der Swist-Messfahrt

Die im Januar 2020 durchgeführte Messfahrt zeigt: Die Landwirtschaft sorgt für hohe Nitratbelastung in der Swist.

Stetige Überschreitung der Grenzwerte

Im Rahmen seiner Nitratmesskampagne kommt der VSR-Gewässerschutz nach Auswertung der Messfahrt an der Swist im Januar 2020 zu einem erschreckenden Ergebnis: Die intensive Landwirtschaft im Rheinland führt dazu, dass der gesamte Flusslauf viel zu hohe Nitratwerte aufweist. Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) dürfte das Wasser für einen guten Zustand höchstens 2,5 mg/l Nitratstickstoff beinhalten. Das entspricht umgerechnet 11 mg/l Nitrat. Diese Vorgaben werden an der Swist stets überschritten. Der VSR-Gewässerschutz fordert eine stärkere Unterstützung des ökologischen Landbaus, um die Nitratbelastung in der Region zu senken. 

Schwankende Nitratwerte

Bei der Beprobung der Swist fanden die Mitarbeiter vom VSR-Gewässerschutz heraus, dass bereits die Quellen bei Kalenborn in Rheinland-Pfalz erheblich mit Nitrat belastet sind. So wurde direkt nach dem Zusammenfluss der Quellbäche eine Nitratkonzentration von 23,6 mg/l gemessen. Bis zum Ortseingang von Esch stieg die Belastung der Swist auf einen Wert von 27,4 mg/l an. Besonders stark ist der Nonnenbach mit 74,7 mg/l belastet, der im Ort Esch mündet. Bis Meckenheim konnten die Gewässerschützer in der Swist eine Abnahme der Nitratbelastung auf 24,1 mg/l feststellen. Das liegt daran, dass zufließende Bäche wie der Altendorfer Bach mit 14,5 mg/l und der Wormersdorfer Bach mit 4,9 mg/l nur gering belastet waren.Hier gibt es weniger Ackerflächen mit intensive Landwirtschaft, sondern vor allem 

ein großes Obstanbaugebiet. „Auch wenn Obstbäume in der Regel Flachwurzler sind, reichen ihre Wurzeln tiefer als die der meisten anderen Ackerpflanzen. Der Baum kann daher die im Boden vorhandenen und mit der Düngung aufgebrachten Stickstoffe besser aufnehmen. Dadurch sinkt die Belastung im Grundwasser und somit auch in den Bächen“, erklärt Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz, die Zusammenhänge. 

Nitrat steigt mit der Zahl der Ackerflächen

Im Raum Swisttal geht die Zahl der Obstplantagen zurück und die Ackerflächen nehmen wieder enorm zu. Neben dem Gemüseanbau sind Getreide und Zuckerrüben die wichtigsten Anbaufrüchte. In dem Bereich stieg die Nitratkonzentration in der Swist dadurch stetig immer weiter an, bis sie mit 32,4 mg/l Nitrat in die Erft mündet.

Messergebnisse der Swist

Probestellen Nitratkonzentration
Quellbereich Kalenborn 23,6 mg/l
Esch 27.4 mg/l
Meckenheim 24,1 mg/l
Morenhoven 28,5 mg/l
Miel 31,8 mg/l

Mündung in die Erft 

bei Bliesheim 

32,4 mg/l

Es herrscht ein großer Preisdruck

Der VSR-Gewässerschutz stellt fest, dass vor allem die Düngung der Ackerflächen von konventionellen Betrieben zu einer starken Nitratbelastung in der Swist führen. „Konventionelle Landwirte sind im Gegensatz zu der ökologischen Landwirtschaft einem enormen Preisdruck bei der Produktion ihrer Erzeugnisse ausgeliefert. Die Supermarktketten wetteifern um die niedrigsten Lebensmittelpreise – mit dramatischen Folgen für die Landwirtschaft. Eine gewässerschonende Bewirtschaftung der Felder ist so kaum möglich“, so Susanne Bareiß-Gülzow. 

Bio bietet viele Vorteile

Der ökologische Landbau hat weit strengere Düngevorschriften als in der Düngeverordnung festgesetzt. Es wird auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Stickstoffdünger verzichtet. Da sich die Zahl der Tiere an der Fläche orientiert, die dem Betrieb zur Verfügung stehen, werden Nährstoffüberschüsse bestmöglich vermieden. „Eine Ausweitung des ökologischen Landbaus und eine gleichzeitige Verringerung der intensiven Landwirtschaft würde in Zukunft zur Reduzierung der Nitratbelastung der Swist beitragen“, so Susanne Bareiß-Gülzow. Der VSR-Gewässerschutz fordert daher eine wesentliche Erhöhung der ökologischen Flächen. Dies ist auch in Anbetracht des politischen Ziels von 20 % ökologisch bewirtschafteter Landflächen bis 2030 dringend nötig. Damit die ökologischen Betriebe auch ausreichend landwirtschaftliche Flächen pachten können, rät der VSR-Gewässerschutz Gemeinden, Kreisen und Kirchengemeinden ihre landwirtschaftlichen Flächen in Zukunft nur noch ökologisch bewirtschaften zu lassen.


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