Grundwasser darf nicht nitratbelastet sein

Sonst können Brunnenutzer das Wasser nur noch eingeschränkt nutzen und das Leitungswasser würde teuerer

Verstoß gegen die EU - Nitratrichtlinie

Ohne die EU-Nitratrichtlinie böte Deutschland Massentierhaltungs- und Biogasanlagen-Betreibern unbegrenzte Möglichkeiten. Eingeführt worden ist die Richtlinie, um EU-weit den landwirtschaftlichen Düngemitteleinsatz zu beschränken und so Grundwasser, Binnen- und Meeresgewässer vor Nährstoff-Belastung zu schützen. Die Politik hat es viel zu lange der Agrar- und Biogas-Lobby überlassen, die „gute fachliche Praxis“ zu definieren, auf deren Basis Düngeverordnungen die Richtlinie umsetzen sollen. Zudem fehlen Kontrollen und Sanktionen – dies entspräche der Erwartung, dass Autofahrer ihr Tempo im Verkehr selbstverantwortlich anpassten. Das per Düngeverordnung definierte Aktionsprogramm wird alle vier Jahre von der EU-Kommission überprüft und muss dann jeweils aktuellen Anforderungen angepasst werden. Bereits 2006 kritisierte Brüssel die Obergrenzen für die Stickstoffüberschüsse bei Ackerkulturen in Höhe von 60 Kilogramm pro Hektar (kg/ha); 2011 forderte die EU-Kommission eine dringende Verschärfung der Düngeverordnung. Doch in Berlin folgte man weiter der dortigen Agrar-Lobby, so dass keine Nachbesserung stattfand. Weil die deutsche Politik wiederholt darauf verzichtet hat, ausreichende Maßnahmen zu ergreifen, die Nitratbelastung zu reduzieren, wurde Deutschland im Juni 2018 vom Europäischen Gerichtshof wegen Verletzung der EU-Nitratrichtlinie verurteilt. Um Strafzahlungen zu verhindern musste nun tatsächlich gehandelt werden.  Nach zähen Verhandlungen mit den landwirtschaftlichen Lobbyverbänden wurde 2017 endlich eine novellierte Düngeverordnung rechtskräftig. Wirklich wirksame Vorschläge der EU-Kommission zur Verringerung der Nitratbelastung wurden aber wieder missachtet. Bei den zahlreichen laschen Regelungen sah die EU-Kommision  - wie zu erwarten - rot und forderte weitere Nachbesserungen. Inwieweit die neue Düngeverordnung die Nährstoffverluste in den Boden und durch Auswaschung in unsere Gewässer verhindern wird, bleibt abzuwarten.

Ausweisung von Gebieten mit zu hohen Nitratkonzentrationen -   Rote Gebiete

Laut Richtlinie sollten eigentlich bereits 1991 für so genannte „gefährdete Gebiete“ Aktionsprogramme mit Regeln zur guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft aufgestellt werden. Zu solchen Regionen zählen Grundwasservorkommen mit Nitratgehalten von mehr als 50 Milligramm pro Liter (mg/l) oder mit mehr als 37,5 mg/l, wenn die Nitratwerte steigen.  Doch die Bundesregierung hat sich entschieden, keine gefährdeten Gebiete auszuweisen und dort aktiv zu werden – stattdessen wurde ein abgeschwächtes Aktionsprogramm, genannt „Düngeverordnung“, für das ganze Land erlassen. Dadurch verstrich wertvolle Zeit, in der man in betroffenen Regionen längst strengere Kontrollen für die Ausbringung von Gülle aus Agrarfabriken und von Gärresten aus Biogasanlagen hätte einführen können und müssen. Die vielen Genehmigungen neuerer Anlagen wären unter den strengeren Auflagen wohl nicht mehr zustande gekommen. Nun musste im letzten Jahr endlich erstmalig jedes Bundesland rote Gebiete ausweisen, in denen nun schärfere Regeln gelten sollen. Gerade eine Reduzierung der Stickstoffdüngung von 20 % in den besonders gefährdeten Gebieten führt derzeit zu großen Diskussionen.

Wasserversorger blicken besorgt in die Zukunft

Das Leitungswasser droht durch die starke Nitratbelastung des Grundwassers in manchen Regionen den Nitratgrenzwert nicht mehr einzuhalten. Zahlreiche Trinkwasserbrunnen mussten in den letzten 10 Jahren bereits wegen einer zu hohen Belastung geschlossen und neue, tiefere Brunnen angelegt werden. Je tiefer der Grundwasserleiter im Boden liegt, je älter das darin enthaltene Wasser, desto weniger Belastungen sind in der Regel darin zu finden. Daher bohrt man tiefer, was jedoch entsprechend aufwändiger und daher auch teurer ist. In vielen Regionen wird auch stärker belastetes Wasser mit gering belastetem Wasser gemischt, um so den Grenzwert einzuhalten. Manche Wasserversorger müssen heute bereits mittels teuren Denitrifikationsanlagen die Belastung senken. Das erhöht die Kosten für die Bereitstellung von sauberem Leitungswasser jedoch erheblich. Den Aufpreis bezahlt jeder einzelne Bürger. Um die Kosten nicht enorm in die Höhe zu treiben, wird in den Wasserschutzgebieten inzwischen viel mehr Aufwand betrieben als früher.

Auch private Brunnenbesitzer sind verärgert

Immer mehr Brunnenbesitzer sind sehr verärgert über die hohen Nitratbelastungen im oberflächennahen Grund-wasser. Das Wasser, das sie mit dem Brunnen nach oben pumpen, kann in vielen Regionen nur noch sehr eingeschränkt im Garten genutzt werden. Gießt man damit das Gemüse, kommt es zur Nitratanreicherung. Jeder, der selbst Gemüse anbaut möchte gerne gesundes Gemüse ernten. Das ist in vielen Regionen schon schwierig geworden - der Brunnenbesitzer muss schauen, wie er seine Düngerzufuhr aufwendig berechnet. Viele Gartenbesitzer legen gerne einen Teich als Biotop im Garten an. Nach dem Befüllen mit Brunnenwasser findet aber leider eine Massenvermehrung an Algen statt, die den anderen Lebewesen den Sauerstoff nimmt. Wenn die Kinder im Sommer ihr Planschbecken mit dem Brunnenwasser füllen, schauen sie schnell ins Trübe. Die Algen führen zu rutschigen Belägen und das Wasser wirkt wenig einladend. Das ist nicht vertretbar. Es ist wichtig, im Garten das kostbare saubere Leitungswasser zu sparen.

Zu den interaktiven Karten der Bundesländer

Die neuen interaktiven Nitratkarten sollen einen besseren Überblick über unsere Grundwassermessungen von 2017 - 2019 geben.  In den einzelnen Nitratkarten können Sie, wenn Sie auf den von Ihnen gesuchten Kreis klicken Informationen über die Verteilung der Nitratbelastung erfahren.

Messwerte im Grundwasser und in den Flüssen (klicken Sie auf Ihr Bundesland)


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