Hohe Nitratbelastung im Grundwasser!

Bauernverband muss die Landwirtschaftsbetriebe bei der Umstellung auf Ökolandbau unterstützen!

 

 

Mit den Messkampagnen in ganz Deutschland treibt der VSR-Gewässerschutz umweltpolitische Maßnahmen voran. Die Ergebnisse der Brunnenwasseruntersuchungen in den letzten Wochen wurden ausgewertet und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Sowohl in der Presse aber auch in den sozialen Medien informieren wir als gemeinnützige Umweltschutzorganisation über die Nitratwerte der Regionen. Leider auch in diesem Jahr wieder mit der erschreckenden Erkenntnis: Die Nitratbelastung im Grundwasser ist viel zu hoch. Ein Grund für die hohen Belastungen ist die Zunahme der intensiven Landwirtschaft. Viele Bürger wollen sie inzwischen nicht mehr unterstützen und kaufen mehr Bio-Lebensmittel. Leider finden sie diese viel zu selten aus regionalem Anbau. Dabei trägt die ökologische Landwirtschaft nachweislich zur Verringerung der Nitratbelastung bei und verbessert die Qualität des Grundwassers deutlich. Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass der Bauernverband die Betriebe bei der Umstellung auf eine ökologische Landwirtschaft unterstützt und so zu einer gewässerschonenden Bewirtschaftung der Ackerflächen beiträgt.

 

 

Interaktive Nitratkarte

 

Auf einer interaktiven Nitratkarte veranschaulicht der VSR-Gewässerschutz, wie stark die Nitratbelastung in den Regionen Deutschlands ausfällt. Gerade in Gebieten mit intensiv bewirtschafteten Ackerflächen ist eine hohe Belastung des Grundwassers mit Nitrat nachzuweisen. Dagegen stellt die gemeinnützige Umweltschutzorganisation in Gegenden mit ökologisch bewirtschafteten Flächen geringere Nitratbelastungen im Grundwasser fest.

Bauernverband fehlt bisher ökologische Weitsicht

 

Der Bauernverband drängte viele Landwirte zu hohen Erträgen auf den Ackerflächen und immer größeren Massentierhaltungen, was zu einer Überdüngung der Felder führte. Das muss sich dringend ändern! Es kann nicht das Ziel der Landwirtschaftsverbände sein, an den bisherigen Praktiken festzuhalten und hauptsächlich Lebensmittel in einer intensiven Landwirtschaft mit viel Dünger und Pestiziden zu produzieren. Diese Lebensmittel sind dann hauptsächlich für den Weltmarkt bestimmt, wo die Preise immer weiter sinken. Die von vielen Bürgern bevorzugten Bio-Produkte müssen dagegen importiert werden.

 

Direktvermarktung lohnt sich

 

Dabei hat die Landwirtschaft ein großes Potenzial, die produzierten Bio-Lebensmittel aus der Region selbst zu vermarkten. Für den Öko-Landbau bietet sich dadurch eine große Perspektive. So haben viele Bundesländer bereits einige Projekte ins Leben gerufen, die Verpflegung in Kantinen und Mensen auf Bio-Produkte umzustellen. Gerichte mit Biolebensmitteln, bei denen zum Teil sogar bekannt ist, von welchem Hof sie kommen, stehen hoch im Kurs. Eine Direktvermarktung der ökologisch produzierten Lebensmittel lohnt sich für alle Beteiligten: Die Produkte haben kurze Transportwege und kommen frisch geerntet mit bester Qualität und ohne Verpackung in die Großküchen. Der Landwirt erhält einen fairen Preis, ist nicht abhängig von Zwischenhändlern und kann so den Fortbestand seines Betriebes sichern. Schlussendlich ist der größte Gewinner jedoch die Umwelt: Durch die schonende Bearbeitung der Ackerflächen werden Boden, Klima und Gewässer geschützt.

 

Artenvielfalt fördern

 

Vermehrter Ökolandbau ist die Grundvoraussetzung dafür, dass die Artenvielfalt wieder zunehmen kann. Die intensive Landwirtschaft belastet das Grundwasser zu stark mit Nitrat. Dieses sickert den Bächen und Flüssen zu, wo es zu einem erhöhten Algenwachstum kommt. Der Lebensraum vieler bedrohter Arten wird dadurch zerstört. Mit unserer Arbeit setzen wir uns für den Schutz der Gewässer ein und treiben mit unseren Messkampagnen umweltpolitische Maßnahmen voran. Es ist dringend nötig, dass Politik und Bauernverband eine gewässerschonende Landwirtschaft unterstützen.

 

Leider wollen selbst die Vertreter der Landwirtschaftsverbände nicht wahr haben, dass eine andere Bewirtschaftung der Felder nötig ist. Immer wieder wird behauptet dass die hohen Nitratwerte Folge defekter Abwasserrohre oder die Überdüngung in privaten Gärten sind

Fäkale Keime fehlen bei hoher Nitratbelastung: Defekte Abwasserrohre meistens auszuschließen

Der VSR-Gewässerschutz wird immer wieder von Landwirten für die Aussage kritisiert, dass die intensive Landwirtschaft die Hauptursache der Nitratbelastung ist. Ihre Behauptung, dass die hohen Werte unter anderem die Folge defekter Abwasserrohre sind, widerlegt Dipl. Oecotroph. Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz: „Brunnenwasser, das durch Abwasser belastet ist, enthält Escherichia coli (E.coli). Das sind Darmbakterien, die immer im Abwasser festzustellen sind. Wenn die untersuchten Wasserproben mehrheitlich keine Belastung durch Bakterien aufweisen, ist davon auszugehen, dass das Grundwasser nicht durch Abwasser belastet wird."

Auch wenn so mancher Gartenbesitzer düngt:      Ohne Felder ist die Nitratbelastung gering

Ein weiteres Argument der Landwirtschaftsvertreter ist die Überdüngung in den privaten Gärten und Kleingartenanlagen. Hier hat sich der VSR-Gewässerschutz an Kleingartenanlagen in ganz Deutschland gewandt um festzustellen, ob dort hohe Belastungen zu finden sind. Gerade die städtischen Kleingärten ohne Landwirtschaft in der nahen Umgebung haben eine geringe Nitratbelastung. Diese Annahme bestätigt auch der Nitratbericht 2020 des Umweltbundesamtes: „Die Belastungsschwerpunkte mit Messstellen über 50 mg/l Nitrat treten dabei überwiegend unter landwirtschaftlicher Flächennutzung auf. Unter den Nutzungen Siedlung und Wald finden sich selten hoch belastete Messstellen.“
 

Messwerte im Grundwasser und in den Flüssen (klicken Sie auf Ihr Bundesland)


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