Gewässerrandstreifen

Wiesen, Sträucher und Gehölze direkt neben Gewässern sind keine Selbstverständlichkeit. Es gibt zwar Gesetze, um Gewässerrandstreifen zu schützen, aber die reichen häufig nicht aus oder können leicht aufgeweicht werden.

Dabei sind Gewässerrandstreifen wertvolle Schutzzonen. Sie haben vielfältige Aufgaben in unserem Ökosystem. So dienen sie als Filter für Schadstoffe wie Nitrat, speichern Wasser und vernetzen Biotope miteinander. Deswegen müssen sie unbeedingt besser geschützt werden.

Die Funktionen von Gewässerrandstreifen

Filterwirkung

Viele Flüsse und Seen sind mit Schadstoffen, Nitraten und Phosphor belastet. Diese Materialien fließen und sickern den Gewässern zu. Intakte Gewässerrandstreifen filtern einen Teil der Schadstofffracht aus zufließendem Wasser heraus. Damit halten sie das Gewässer sauber.

Nitrat und Phosphat können durch Oberflächenwasser in die Gewässer gelangen. Von landwirtschaftlichen Flächen fließt bei Regen Wasser ab und zum nächsten See, Fluss oder Bach. Dieses Wasser ist oftmals stark mit Nitrat oder Phosphor belastet. Durch den Gewässerrandstreifen wird der Abfluss abgefangen. Ein Teil der Stoffe wird aus dem Wasser gefiltert.

Nitrat ist im Gegensatz zu Phosphor gut wasserlöslich und hat somit einen zweiten Hauptweg in die Gewässer: Über das Grundwasser. Auch das Grundwasser wird von dem Gewässerrandstreifen gefiltert: Das Nitrat wird über die Wurzeln der Pflanzen aufgenommen und zum Wachsen genutzt.

Neben diesen natürlichen Gründen sorgen teilweise auch Gesetze dafür, dass Gewässerrandstreifen die Wasserqualität verbessern.

Pflanzen halten zusickerndes Wasser auf und filtern es.

Innerhalb einiger Länder ist Düngen und Pestizideinsatz auf Gewässerrandstreifen verboten. Damit gelangen schädliche Materialien nicht so schnell direkt in das Gewässer. In anderen Ländern ist Pestizid- und Düngeeinsatz am Gewässer jedoch vollkommen legal. Das muss sich dringend ändern, um die Gewässer effektiver zu schützen.

Wasserspeicher

Bewachsene, flache Ufer verringern das Hochwasserrisiko. Die Fließgeschwindigkeit des Wassers wird reduziert und es kann ungehindert über die Ufer treten. Kommt es zu hohem Wasseraufkommen, fließt das Wasser nicht so schnell flussabwärts. Stattdessen wird es in Flussbereichen mit breitem Gewässerrand zurückgehalten und verlässt diese Bereiche nur nach und nach. An anderen Flussabschnitten ohne Gewässerrand, zum Beispiel wegen Bebauung, bleibt der Wasserspiegel dadurch niedriger.

Lebensräume schaffen und verbinden

Gewässerrandstreifen sind wertvolle Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. Da sie sich über das ganze Land ausdehnen, vernetzen sie einzelne Biotope miteinander. Tiere können die Gewässerrandstreifen für ihre Wanderungen benutzen. Pflanzen breiten sich entlang des Gewässers aus.

Gewässerrandstreifen mögen schmal sein, aber zusammengenommen bieten sie einen großen Lebensraum. In Deutschland gibt es etwa 140.000 km Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet von mehr als 10 km². Wenn all diese beidseitig einen 5 m breiten Streifen haben, ergeben sich 1.400 km² Naturschutzfläche. Das macht 0,4 % der Gesamtfläche Deutschlands aus.

Entspannung und Erholung für den Menschen

Auch für Menschen sind die Gewässerrandstreifen von Vorteil. Sie werten die Landschaft auf und sorgen beim Spazieren für mehr Entspannung. Außerdem bieten Gewässerrandstreifen Schatten und Windschutz.

Forderungen

Gewässerrandstreifen sollen dazu dienen, dass sich Flüsse und Seen wieder natürlich entwickeln können. Diese Möglichkeit muss der Natur eingeräumt werden, indem die Gewässerrandstreifen breit genug sind und Dünger und Pflanzenschutzmittel aus ihnen verbannt werden. So verringern die Gewässerrandstreifen auch die Nitratbelastung.

Vom Bund ist vorgegeben, dass Gewässerrandstreifen mindestens 5 m breit sein müssen. Das ist jedoch zu wenig: Es müssten mindestens 10 m sein, damit der Zustand der Gewässer wirklich verbessert wird und Nitrat effektiv aus dem zusickernden Grundwasser gefiltert wird. Nur so können die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie erfüllt werden. Manche Bundesländer haben die Breite der Gewässerrandstreifen bereits auf 10 m erhöht. Wir fordern, dass 10 m in ganz Deutschland zur Vorgabe werden! Gleichzeitig muss der Dünge- und Pestizideinsatz auf den Gewässerrandstreifen verboten werden.

Gewässerrandstreifen sollen mit der natürlichen Vegetation der Region bewachsen sein. Idealerweise werden mindestens auf einer Seite dauerhaft Gehölze angelegt. Damit können sich natürliche Uferstrukturen entwickeln.

Wie auf diesem Bild wird in weiten Teilen Deutschlands um Flüsse Ackerbau betrieben. Büsche, Bäume und wilde Wiesen um den Fluss können ihn schützen.

Gesetzliche Vorgaben

Das Bundesgesetz gibt über das Wasserhaushaltsgesetz § 38 Rahmenbedingungen für Gewässerrandstreifen vor. Sie sollen Beidseits von Gewässern 5 Meter breit sein. In diesem Bereich dürfen keine wassergefährdenden Stoffe verwendet werden – abgesehen von Dünger und Pestiziden. Grünland darf nicht in Ackerland umgewandelt werden und das Entfernen von standortgerechten Bäumen und Sträuchern ist untersagt.

Im Folgenden haben wir die ergänzenden und abweichenden Gesetze der einzelnen Länder kurz zusammengefasst:

Baden-Württemberg (WG BW § 29):

  • Gewässerrandstreifen im Außenbereich sind 10 Meter breit (abgesehen Gewässer von wasserwirtschaftlich untergeordneter Bedeutung).
  • Dünger und Pflanzenschutzmittel dürfen 5 Meter um das Gewässer weder genutzt, noch gelagert werden, ebenso darf dieser Bereich nicht als Ackerland genutzt werden.

Bayern (BayWG § 21):

  • Pestizide und Dünger dürfen auf dem Gewässerrandstreifen nicht genutzt oder gelagert werden. Ausnahmen sind Wunderverschlussmittel für Bäume und Pestizide zur Verhütung von Wildschäden.
  • Auf Grundstücken des Staates sind Gewässerrandstreifen von Gewässern 1. und 2. Ordnung 10 Meter breit.

Berlin (BE BWG § 40a):

  • Gewässer erster Ordnung und fließende Gewässer zweiter Ordnung haben einen Gewässerrandstreifen.
  • Auf dem Gewässerrandstreifen ist die Nutzung von Dünger, Pestiziden und wassergefährdenden Stoffen untersagt.
  • Ackernutzung auf den Gewässerrandstreifen ist verboten.

Bremen (BremWg § 21):

  • Gewässerrandstreifen im Außenbereich sind 10 Meter breit (abgesehen von Entwässerungsgräben).
  • Auf Gewässerrandstreifen natürlicher Gewässer ist die Nutzung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln verboten.

Hessen (§ 23 HWG ):

  • Gewässerrandstreifen im Außenbereich sind 10 Meter breit.
  • Pestizide und Dünger dürfen 4 Meter um das Gewässer nicht genutzt oder gelagert werden. Ausnahmen sind Wunderverschlussmittel für Bäume und Pestizide zur Verhütung von Wildschäden.
  • Ab dem 1. Januar 2022 darf 4 Meter um das Gewässer nicht gepflügt werden.

Niedersachsen (NWG § 58):

  • Nur Gewässer 1. und 2. Ordnung haben einen Gewässerrandstreifen.

Nordrhein-Westfalen (LWG NRW § 31):

  • Das Umweltministerium kann Gewässerrandstreifen im Außenbereich auf 10 Meter Breite festsetzen, falls das zugehörige Gewässer einen schlechten Zustand hat.
  • Ab dem 1. Januar 2022 dürfen 5 Meter um das Gewässer herum Dünger und Pestizide weder genutzt noch gelagert werden. Ausgenommen sind Düngemittelanwendungen auf Grünland.
  • Ab dem 1. Januar 2022 darf 5 Meter um das Gewässer herum der Gewässerrandstreifen nicht als Acker genutzt werden.

Rheinland-Pfalz (LWG RP § 15a):

  • Die Wasserbehörden können Regelungen über die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln treffen.
  • Die Wasserbehörden können verbieten, Gegenstände, die den Wasserabfluss behindern können, auf dem Gewässerrandstreifen zu lagern.

Saarland (SWG § 56):

  • 5 Meter um das Gewässer dürfen keine Pflanzenschutzmittel und kein mineralischer Dünger angewendet und kein Ackerbau betrieben werden.
  • Es gibt eine Anwendungsbeschränkung für wassergefährdende Stoffe wie Jauche, Gülle und Pestizide.

Sachsen (SächsWG § 24):

  • Gewässerrandstreifen im Außenbereich sind bis zu 10 Meter breit.
  • Pestizide und Dünger dürfen 5 Meter um das Gewässer nicht genutzt werden. Ausnahmen sind Wunderverschlussmittel für Bäume und Pestizide zur Verhütung von Wildschäden.

Sachsen-Anhalt (WG LSA § 50):

  • Gewässer 1. Ordnung haben einen 10 Meter breiten Gewässerrandstreifen.
  • Gewässer 2. Ordnung haben einen 5 Meter breiten Gewässerrandstreifen.
  • Bäume und Sträucher dürfen nur entfernt werden, wenn dies für den Ausbau oder Unterhaltung der Gewässer, den Hochwasserschutz oder die Gefahrenabwehr erforderlich ist.

Schleswig-Holstein (WasG SH § 38a):

  • Kleine Gewässer mit wasserwirtschaftlich untergeordneter Bedeutung und Seen von weniger als einem Hektar Fläche benötigen keinen Gewässerrandstreifen.

Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen haben keine oder nur sehr geringe Abweichungen zu den Regelungen des Bundes.

Messwerte im Grundwasser und in den Flüssen (klicken Sie auf Ihr Bundesland)


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