Messfahrt an den Main

Vom Zusammenfluss der beiden Quellflüsse Roter und Weißer Main bis zur Mündung des Mains in den Rhein bei Wiesbaden führte im April 2011 eine Messfahrt.  Hiermit wiederholten wir ihre große Untersuchung von vor 19 Jahren. Die Messungen zeigen deutlich, dass sich die Nitratbelastung kaum verringert hat. Lagen 1992 bei den Untersuchungen auf dem ehemaligen vereinseigenen Laborschiff REINWASSER die Messwerte des Mainwassers zwischen 14,0 und 22,0 Milligramm pro Liter (mg/l), so lieferte die aktuelle Untersuchung Belastungen zwischen 13,7 und 25,4 Milligramm.

 

Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) darf das Mainwasser um einen guten Zustand zu erreichen höchstens 11 mg/l Nitrat aufweisen. Dieser Wert wird aber am gesamten Main stark überschritten.

 

Von der Erfüllung der Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie ist man bei diesem großen Rheinnebenfluss noch weit entfernt. Solche hohe Nitratwerte wie im gesamten Verlauf des Mains vorzufinden sind, führen zu bestimmten Zeiten im Jahr zu einer stärkeren Vermehrung von Algen, die das Wasser dann grün-gelb schimmern lassen.

Hohe Belastungen schon in den Quellflüssen

Bereits in den zwei Quellflüssen des Mains stellten die Umweltschützer kurz vor ihrem Zusammenfluss in Melkendorf schon deutlich überhöhte Nitratkonzentrationen fest. Die Messungen im Weißen Main, der im Fichtelgebirge entspringt, ergaben bereits 17,2 mg/l und im Roten Main, deren Quelle sich in der Fränkischen Alb befindet 24,8 mg/l. Infolge der Belastungen seiner Quellflüsse, sowie weiterer zufließender Bäche wies der Main in Mainleus und Altenkunststadt eine Nitratkonzentration von über 16 mg/l auf. Nach dem Zufluss von der Rodach mit nur 8 mg/l sank die Nitratbelastung im Main in Lichtenfels auf 13,7 mg/l. Doch die stärker belastete Baunach und Regnitz mit über 26 mg/l Nitrat führten wieder zu einer Erhöhung der Nitratwerte. So stellten die Gewässerschützer in Viereth schon 20,6 mg/l fest

 

Im weiteren Verlauf stieg die Belastung geringfügig an, bevor sie nach Ochsenfurt stark nach oben kletterte. So ergaben die Messwerte in Würzburg, der größten bayrischen Stadt am Main sogar 23,4 mg/l. Bis Karlstadt kletterte die Belastung weiter auf 24,2 mg/l an, bevor sie wieder abnahm und in Lohr mit 20,2 mg/l einen Tiefpunkt erreichte. Bei seinem Weg nach Süden stieg die Nitratkonzentration im Main wieder an und erreichte mit 25,4 mg/l in Miltenberg seinen Höchstpunkt.

 

Insbesondere die hohe Belastung der Tauber mit 34,9 mg/l führte zu der höchsten bei der Messfahrt festgestellten Belastung von 25,4 mg/l im Mainwasser. Dieser Wert liegt weit über dem doppelten des LAWA-Grenzwertes für einen guten Zustand eines Gewässers. Der Main muss daher an diesem Abschnitt der Güteklasse 3 zugeordnet werden, sodass sein Zustand als stark verschmutzt bezeichnet werden muss.

Zwei Belastungsschwerpunkte

Im Unterschied zur Untersuchung 1992 zeigten sich bei der Messfahrt 2011 zwei deutliche Belastungsschwerpunkte Würzburg - Karlstadt und Marktheidenfeld - Miltenberg. Nach ihnen sank die Nitratkonzentration allerdings jeweils auch wieder ab. Auffällig ist dabei, dass besonders nach den südlich liegenden Mainabschnitten die Belastung stark anstieg, wohingegen bei den nördlichen Bereichen die Konzentration wieder abnahm. Eine der Ursachen ist in den zufließenden Bächen zu suchen. Während die von Norden kommenden Zuflüsse wie Fränkische Saale, Aschaff, Kinzig und Nidda in der Regel weniger als 20 mg/l Nitrat lieferten, münden von Süden her die höher belasteten Zuflüsse wie Regnitz, Tauber und Gersprenz. Eine Ausnahme stellt dabei die von Norden zufließende Baunach dar.

Sehr hohe Nitratfracht

Von Miltenberg über Aschaffenburg und Frankfurt nahm die Nitratbelastung ab, bis der Main mit 19,7 mg/l bei Wiesbaden in den Rhein mündete. Damit lag die Nitratkonzentration nur ganz geringfügig mit 0,8 mg/l niedriger wie bei der Messfahrt 1992. Der Main ist der größte Nebenfluss des Rheins und bringt durch seine Nitratkonzentration von über 19 mg/l an der Mündung eine sehr hohe Nährstofffracht mit. Für Flüsse, die in der Nordsee enden, fordert der „Sachverständigenrat für Umweltfragen“ (SRU) der Bundesregierung sogar Nitratwerte von unter 8 mg/l, um die Eutrophierung in der Nordsee zu stoppen.

 

Der Main trägt mit seiner mehr als doppelt so hohen Nitratbelastung dazu bei, dass diese Forderung nicht eingehalten werden kann. Er beeinflusst erheblich die Stickstofffracht des Rheins und damit die Belastung der Nordsee. Die zugeleiteten Stickstoffe bewirken vor den deutschen Küsten ein übermäßiges Wachstum der Algen, so dass es an den Stränden zur Schaumbildung kommt. Auch für das Entstehen der toxischen Blaualgenblüte, die den Badespaß erheblich trübt, ist diese hohe Nährstofffracht verantwortlich.

Mehr Kooperationen vonnöten

Über 50 % der Nitratbelastung in unseren Flüssen kommt aus dem zusickernden Grundwasser. Daher führt der VSR-Gewässerschutz nicht nur Messungen im Fluss, sondern auch  Grundwasseruntersuchungen durch. Diese Analysen wurden auch in diesem Frühjahr vorgenommen. In einem Drittel der untersuchten privat genutzten Brunnen lagen die Nitratwerte oberhalb von 50 Milligramm pro Liter.

 

Der VSR-Gewässerschutz begrüßt es, dass es am Main bereits in Trinkwassereinzugsgebieten Kooperationen mit der Landwirtschaft gibt. Wasserversorger überzeugen dabei möglichst viele der in ihrem Wasserschutz- bzw. Einzugsgebiet wirtschaftenden Landwirte von einer an diese Standortverhältnisse angepassten grundwasserschonenden Landbewirtschaftung. Die Landwirte bekommen dafür eine Ausgleichszahlung. Dadurch konnte in vielen Brunnen der öffentlichen Trinkwasserversorgung die Nitratkonzentration gesenkt bzw. zumindest ein weiterer Anstieg verhindert werden. Die Notwendigkeit der Kooperationen von Wasserversorgern mit Landwirten in Trinkwasserschutzgebieten zeigt aber auch, dass die heutige Gesetzeslage zum Schutze des Grundwassers überhaupt nicht ausreicht.

 

Auch wenn das zusickernde Grundwasser aus Wasserschutzgebieten nun geringer belastet ist, so sickert außerhalb der Gebiete weiterhin Grundwasser mit Nitratwerten weit oberhalb des Trinkwassergrenzwertes dem Main zu. Um in Zukunft die Nährstofffracht des Mains unter 11 mg/l senken zu können, muss dringend auch außerhalb der Schutzgebiete weniger Nährstoffe eingetragen werden.

Neue Maßnahmen zum Eutrophierungsstopp!

In Trinkwasserschutzgebieten tragen auch die Landwirte des ökologischen Landbaus dazu bei, dass weniger Nitrate ins Grundwasser ausgewaschen werden und so dieses die festgesetzten Grenzwerte einhalten kann. Der ökologische Landbau ist aber auch eine gute Lösung um die Eutrophierung in unseren Flüssen und in der Nordsee zu stoppen. Wir fordern daher, dass die Maßnahmen, die in den Trinkwasserschutzgebieten von den Landwirten umgesetzt werden auch flächendeckend im Maineinzugsgebiet stattfinden. Die Wasserrahmenrichtlinie sieht im Grundwasser einen maximalen Nitratwert von 50 mg/l vor.


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