Ergebnis der Messfahrt am Rhein  - staugeregelte Nebenflüsse sind am stärksten belastet

Der wasserreichste Zufluss der Nordsee ist der Rhein. Deswegen sollte auch die Qualität des Wassers in einem gutem Zustand sein, leider entspricht das nicht der Realität. Bei der Messfahrt am Rhein wurden die Nitratwerte bis zur Niederländischen Grenze bestimmt.

 

Die Nitratkonzentration im Rhein und seinen Nebenflüssen wurde im Rahmen der Frühjahrsmessfahrt 2013 von Rheinau bei Straßburg bis an die niederländische Grenze erfasst. Lag bei Rheinau die Nitratkonzentration noch bei 9,6 Milligramm pro Liter (mg/l), so stieg der Wert bis zur niederländischen Grenze um über 70 % auf 16,5 mg/l an. Im Abschnitt bis Mannheim lag die Nitratkonzentration konstant unter 10 mg/l und damit konnte der Richtwert von 11 mg/l der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) für einen guten Zustand eingehalten werden. Im weiteren Verlauf lagen die Nitratkonzentrationen jedoch immer zu hoch. Der erste stärkere Anstieg begann mit der Mündung des Neckar und endete erst bei Sinzig nördlich von Koblenz. In diesem Bereich kletterte die Nitratkonzentration von 9,8 auf 16,4 mg/l an.

 

Die Ursache für diese Erhöhung lag im mit Nitraten belasteten Wasser der großen Nebenflüsse. So fanden die Umweltschützer in Neckar 23,3 mg/l, im Main 25,0 mg/l, in der Nahe 20,0 mg/l, in der Lahn 18,5 mg/l und in der Mosel 20,5 mg/l.In Bonn konnte eine geringfügige Verringerung auf 15,1 mg/l Nitrat festgestellt werden. Unterhalb fand dann ein weiterer Anstieg bis Voerde am Niederrhein auf 16,0 mg/l statt. Für dieses Anwachsen der Belastung waren die Nebenflüsse Wupper mit 19,9 mg/l, Erft mit 19,6 mg/l und Ruhr mit 18,7 mg/l verantwortlich. Nach dem Zufluss der Lippe mit einer Nitratkonzentration von 27,8 mg/l, dem Spitzenwert der aktuellen Messfahrt, stieg die Belastung im Rhein bis zur niederländischen Grenze bei Kleve auf 16,5 mg/l an.

 

Die staugeregelten Nebenflüsse sind ein Problem

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die fünf größten deutschen staugeregelten Nebenflüsse Mosel, Main, Neckar, Ruhr und Lahn mit ihren hohen Nitratkonzentrationen ein großes Problem darstellen. Sie bringen etwa ein Drittel der Wassermenge, die dem Rhein von der Quelle bis zur Mündung zufließt. Während der Rhein ab Iffezheim frei fließt, sind diese Nebenflüsse durch Flussstauhaltungen erheblich verändert.

Die verbliebenen Auen werden – bis auf seltene Ausnahmen in Bereichen mit Renaturierungsmaßnahmen – durch den Gewässerausbau stark beeinträchtigt. Selbst eine Renaturierung bringt nicht den Erfolg wie bei frei fließenden Gewässern, da ausreichende Wasserstandschwankungen fehlen. Diese sind aber wichtig, damit Flussauen durch Überschwemmungen mit Wasser versorgt und andererseits während niedriger Wasserstände auch wieder durchlüftet werden. Dadurch können Pflanzen einen tiefen Wurzelraum ausbilden und viele Nährstoffe aufnehmen.

 

Positive Beispiele

Die beiden im Untersuchungsbereich mündenden Nebenflüsse Ill und Sieg fielen positiv auf. An der Illmündung wurde eine gegenüber den anderen Nebenflüssen wesentlich niedrigere Nitratbelastung von nur 12,4 mg/l gemessen. Das elsässischen Ried mit über 200 Quadratkilometer naturnaher Landschaft zwischen Ill und Rhein, zwischen Colmar und Straßburg trägt dazu bei, dass der Nitratgehalt gegenüber den anderen Nebenflüssen wesentlich niedriger ist. In den erhaltenen ausgedehnten Auwäldern werden die Nährstoffe, zu denen auch Nitrat gehört, zurückgehalten. Auch bei der Sieg lag die Nitratkonzentration mit 14,9 mg/l niedriger als die Belastung im Rhein. Die Sieg verfügt bereits heute wieder über Flussauen bzw. Feuchtgebiete die Nährstoffe zurück halten.

 

Biologische Kläranlagen

Feuchtgebiete fungieren gewissermaßen als biologische Kläranlagen, die die Nährstoffe dem Fluss entnehmen. Dadurch wird nicht nur das Wasser in Bächen und Flüssen gereinigt, es gelangen auch weniger Nährstoffe in Nord- und Ostsee. Die Meeresstrategie- Rahmenrichtlinie der Europäischen Union (MSRL) von 2008 fordert dass bis 2020 die Stoffeinträge, die zu nachteiligen Auswirkung auf die Meeressysteme und die biologische Vielfalt führen, verringert werden. Dazu bedarf es noch einer großen Reduzierung der Nitratfrachten der ins Meer mündeten Flüsse wie dem Rhein. Der größte Anteil seines Wassereinzugsgebiet liegt bei diesem wasserreichsten Nordseezufluss in Deutschland. Der »Rat von Sachverständigen für Umweltfragen« der Bundesregierung (SRU) forderte für die in die Nordsee mündenden Flüsse einen Gesamtstickstoffgehalt von höchstens 0,6 bis 1,8 Milligramm pro Liter. Umgerechnet auf Nitrat würde sich hieraus ein maximaler Wert von 7,9 mg/l ergeben. An der niederländischen Grenze hatte der Rhein bereits die doppelte Konzentration.

 

Forderungen des VSR

Der VSR-Gewässerschutz fordert daher, dass der Hochwasserschutz am Rhein und die Reduzierung der Nährstoffe gemeinsam betrachtet werden. Auenwälder können als natürliche Überschwemmungsgebiete Hochwasser auffangen. Tritt das Wasser über die Ufer, fließt es in ihnen langsamer als im Flussbett. Erst bei abklingendem Hochwasser gelangt das Wasser zurück in den Fluss. Die Folge: Die Flutwelle wird gestreckt und verläuft flacher. Und gleichzeitig nehmen die Auenwälder Nährstoffe auf. Naturnahe und strukturreiche Uferbereiche können aber auch an den staugeregelten Nebenflüssen zu einer wenn auch geringeren Nährstoffreduzierung führen. Dafür müssen aber auch die Flachwasserzonen vor Wellenschlag und Sog der Schifffahrt umfassender geschützt werden.

 

 

Nebenflüsse Nitratkonzentration in mg/l
Ill 12,4
Neckar 23,3
Main 25,0
Selz 24,5
Nahe 20,0
Lahn 18,5
Mosel 20,5
Wied 16,3
Ahr 15,0
Sieg 14,9
Wupper 19,9
Erft 19,6
Ruhr 18,7
Emscher 14,2
Lippe 27,8
  Nitratkonzentration in mg/l
Rheinau 9,6
Mannheim 9,8
Laubenheim 11,1
Heidenheim 12,1
Bingen 13,5
Lahnstein 14,8
Koblenz 15,1
Vallendar 16,0
Sinzig 16,4
Bonn 15,1
Leverkusen 15,2
Neuss 15,4
Duisburg 15,6
Dinslaken 15,8
Voerde 16,0
Rees 16,5

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