Messfahrt an der Wümme

Der VSR-Gewässerschutz führte im November 2013 an der Wümme eine Messfahrt durch. Vom Tostedter Ortsteil Wümme bis zur Mündung in die Lesum wurden Proben aus dem Fluss und Nebenbächen entnommen. Die Wümme weist eine viel zu hohe Nitratbelastung auf.

Nebenflüsse tragen zur Nitratbelastung bei

Beginnend mit 15,4 Milligramm Nitrat pro Liter (mg/l) beim kleinen Ort Wümme stieg der Nitratgehalt im weiteren Flussverlauf stetig an. In Scheeßel fanden die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz schon 23,1 mg/l. Über 27,5 mg/l in Rotenburg erreichte die Nitratkonzentration im Raum Ottersberg ihren Höhepunkt mit 28,5 mg/l.Durch das Naturschutzgebiet Borgfelder Wümmewiesen“ verringert sich die Nitratbelastung in der Wümme von Ottersberg bis Lilienthal von 28,5 mg/l auf 24,3 mg/l Nitrat. Das Landschaftsbild wird geprägt durch Feuchtwiesen und -weiden, Tümpeln, Gräben und Stillgewässern. Es zeigt wie wichtig das Naturschutzgebiet auch für die Reduzierung der Nitratbelastung ist. Mit seiner naturnahen Struktur wirkt es als flächenhafte Kläranlage, die die Nährstoffe dem WümmeWasser entziehen. Bis Ritterhude sank die Nitratbelastung noch weiter auf 22,6 mg/l. Dazu trägt auch der Zufluss der Wörpe mit der geringeren Nitratkonzentration von 17,7 mg/l bei.

 

Besonders fielen uns die hohen Messwerte der von Süden zufließenden Nebenflüsse Fintau, Veerse und Wiedau auf, die an der gesamten Abflussmenge der Wümme zu über einem Drittel der Wassermenge beitragen. So fanden wir in der Fintau 24,9 mg/l Nitrat, in der Veerse 29,4 mg/l und in der Wiedau die im Rahmen der Untersuchung höchste gemessene Nitratkonzentration von 30,9 mg/l. Diese Nebenflüsse beziehen ihr Wasser aus Gegenden mit einer hohen Grundwasserbelastung wie weitere Untersuchungen von uns belegen. In den Jahren 2012 und 2013 wurde das Wasser zahlreicher Brunnen aus dem Einzugsgebiet dieser drei Bäche untersucht. Dabei stellte sich heraus, das etwa 30 % der untersuchten Proben den Schwellenwert der deutschen Grundwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter überschritten. Dieses belastete Grundwasser sickert den Nebenflüssen oder deren zufließenden Bächen zu.

Vorgaben werden nicht erreicht

Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) darf das Wümme-Wasser um einen guten Zustand zu erreichen höchstens 11 mg/l Nitrat aufweisen. Dieser Wert wird aber in der Wümme bereits ab Scheeßel um das doppelte überschritten. Damit zählt die Wümme zu den Flüssen, die bis 2015 die Wasserrahmenrichtlinie nicht einhalten werden. Das liegt an der geringen Reduzierung der diffusen Nitrateinträge im zusickernden Grundwasser, Drainagen und Abschwemmungen, die bedingt durch die sehr hohe Zahl von Massentierhaltungen und Biogasanlagen eine viel zu große Belastungsquelle darstellen. Dieses mit Nitraten belastete Wümme-Wasser gelangt via Lesum und Weser in die Nordsee. Hier führen diese Nitrateinträge aus dem Binnenland zur Eutrophierung. Nach Umweltbundesamt (UBA) fand bis 2006 zwar eine Reduzierung der Nitrateinträge in die Nordsee statt, nach 2006 wurde jedoch wieder eine leichte Zunahme festgestellt. Diese Zunahme könnte nach UBA unter anderem auf den verstärkten Anbau von Energiepflanzen für die Biogaserzeugung zurückzuführen sein.

Zu viele Energiepflanzen und Biogasanlagen

Während zu Beginn vor allem die traditionellen landwirtschaftlichen Reststoffe zur Stromerzeugung dienten, wurde durch die Einführung des Bonus für den Einsatz von Energiepflanzen diese gegenüber der Reststoffverwertung bevorteilt. Heute stammen durchschnittlich 80 % der in Biogasanlagen erzeugten Energie aus angebauten Pflanzen, hauptsächlich Mais. Der hohe Bedarf an Energiepflanzen beeinflusst und verändert jedoch erheblich die regionalen Anbauverhältnisse in der Landwirtschaft.

 

So geschah es auch im Einzugsgebiet der Wümme. Niedersachsen gehört zu den Bundesländern mit der höchsten Viehbesatzdichte und der höchsten Biogasanlagenleistung. Besonders betroffen sind davon die beiden Landkreise Rotenburg an der Wümme und Soltau-Fallingbostel.

Um den großen Bedarf an Mais der subventionierten Biogasanlagen zu decken, kam es bei den Landwirten zum Umdenken. Betriebswirtschaftlich war es nun sinnvoll Dauergrünland in Ackerflächen umzuwandeln. Der Gewässerschutz
blieb auf der Strecke, da die bis dahin im Boden gebundenen Nährstoffe ins Grundwasser und in die Drainagen ausgewaschen wurden. Aber auch Jahre später sind die Nitrateinträge noch wesentlich höher, weil von den Ackerflächen mit Mais viel mehr Nitrat in unsere Gewässer gelangt als von Wiesen und Weiden.

Da viele industrielle Biogasanlagen auch noch in Regionen genehmigt wurden, die bereits eine hohe Dichte an Massentierhaltungen aufwiesen, ist der regionale Stickstoffüberschuss noch größer geworden. Neben Energie in Form von Gas und elektrischen Strom liefern Biogasanlagen große Mengen an Gärresten. Wenn in einer Region zu viel Gärreste und Gülle vorhanden sind, wird die Entsorgung auf den Feldern mit Mais vorgezogen, weil diese Pflanze eine besondere Verträglichkeit gegenüber zu hohen Nährstoffgaben aufweist.

Besonders kritisch ist außerdem, dass die Pflanzen erst viel später im Jahr als beispielsweise Getreide die Nährstoffe zum Wachstum benötigen. Stärkere Regenfälle können inzwischen das Nitrat in tiefere Bodenschichten verlagern - für die Maispflanze unerreichbar. Unter Flächen die mittels Drainagen entwässert werden, gelangen diese dann sehr zeitnah über Rohrsysteme oder Gräben in die Wümme und Nebenflüsse. Bei nicht entwässerten Flächen gelangen die Nitrate dagegen erst ins Grundwasser und sickern erst nach längerer Zeit der Wümme zu.

 

Messstelle Nitratkonzentration
Tostedt-Wümme 15,4 mg/l
Lauenbrück 18,4 mg/l
Scheeßel 23,1 mg/l
Rotenburg 27,5 mg/l
Ottersberg 28,5 mg/l
Lilienthal 24,3 mg/l
Ritterhude 22,6 mg/l

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