Messfahrt an der Werse

"Guter Zustand" weit gefehlt

Die im März 2011 gemessenen sehr hohen Nitratwerte zwischen 30 und 40 Milligramm pro Liter (mg/l) in der Werse zeigen, dass die Politik dringend gefordert ist noch stärkere Anreize zur Umwandlung in eine bäuerlich ökologische Landwirtschaft zu setzen. Weitere Genehmigungen für Massentierhaltungen, bei denen es keine sinnvolle und finanziell tragbare Verwertung der anfallenden Gülle gibt, darf es nicht mehr geben.

 

Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) soll das Wersewasser um einen guten Zustand zu erreichen höchstens 11 mg/l Nitrat aufweisen. Dieser Wert wird aber im gesamten Werseverlauf stark überschritten – ab Ahlen sogar um das dreifache! Von der Erfüllung der Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie, die einen guten Zustand der Gewässer verlangt, ist man damit noch weit entfernt.

Viel zu hohe Nitratkonzentration

Wir starteten die Messfahrt mit der Beprobung der drei Quellbächen in den Beckumer Bergen kurz vor ihrem Zusammenfluss und der Entstehung der Werse. Hier fiel vor allem die extrem hohe Nitratbelastung des Lippbach mit 59,6 mg/l Nitrat auf. Der Siechenbach war dagegen immer noch mit 24,2 mg/l wesentlich zu hoch belastet und der Kollenbach wies dagegen mit 13,4 mg/l die niedrigste Belastung auf. Von Ahlen bis Drensteinfurt stieg die Nitratbelastung von 39,8 bis auf 45,2 mg/l an. Erst in Albersloh konnten wir eine Verringerung auf 38,8 mg/l und in Angelmodde auf 32,6 feststellen.

 

Trotz dem Zufluss der Angel mit 27,0 mg/l Nitrat, die deutlich geringer belastet ist, verringert sich die Nitratkonzentration in der Werse bis zur Mündung in Gelmer mit 32,2 mg/l kaum noch. Die Werse wies damit im März 2011 eine stärkere Nährstoffbelastung auf als nochbei der Emsmessfahrt im Dezember 2009 – damals lag der Wert an der Mündung bei 25,0 mg/l.

Werse trägt zu Eutrophierung bei

Bei so hohen Nitratkonzentrationen ist die Artenvielfalt in der Werse stark eingeschränkt. Die hohe Nährstoffbelastung führt zu einem extremen Algenwachstum und in der Folge droht immer die Gefahr des Sauerstoffmangels, das dann zum Sterben der Fische im Fluss führt. Aber nicht nur in der Werse ist die Artenvielfalt betroffen, sondern auch in der Nordsee, wohin das Wasser via Ems letztendlich fließt. Die Stickstoffe bewirken in der Nordsee ein übermäßiges Wachstum der Algen und es kommt an den Stränden zur Schaumbildung.

 

Auch für das Entstehen der toxischen Blaualgenblüte, die den Badespaß an der Nordsee erheblich trübt, sind diese verantwortlich. Für Flüsse, die in der Nordsee enden, fordert daher der Sachverständigen Rat für Umweltfragen (SRU) der Bundesregierung sogar Nitratwerte von unter 8 mg/l, um die Eutrophierung in der Nordsee zu stoppen. Die Werse trägt mit seiner mehr als dreifachen Nitratkonzentration dazu bei, dass diese Forderung nicht eingehalten werden kann.

Stickstoffeinträge aus diffusen Quellen

Weniger Massentierhaltung

Im Wassereinzugsgebiet der Ems, zu dem die Werse gehört, werden nach Angaben des Umweltbundesamt 90 % der Stickstoffeinträge aus diffusen Quellen wie z. B. Grundwasser, Drainagenwasser, Erosion, Oberflächenabfluss etc. eingetragen. Diese haben dabei jeweils dort ihr Maximum, wo zu große Tierbestände gehalten werden. Insbesondere die Nitratauswaschung durch zu hohe Güllemengen bzw. durch Gülleaufbringung zu Zeiten, in denen diese Nährstoffe von den Pflanzen nicht aufgenommen werden, belastet das Grundwasser extrem.

 

Hingegen wird besonders wenig Stickstoff durch die ökologisch wirtschaftenden Betriebe ausgewaschen, da diese pro wirtschaftende Fläche wesentlich weniger Tiere halten und dadurch die stickstoffhaltigen Ausscheidungen sinnvoll für die Düngung verwendet werden können. Damit nimmt die Nitratbelastung des Grundwassers ab.

 

Man sollte den Betreiber von Massentierhaltungen Seminare anbieten, bei denen sie mal die Möglichkeiten haben die ökologische Landwirtschaft auf den Höfen kennenzulernen. Nicht nur die Umwelt, sondern auch ihre eigene Gesundheit würde von einer Umstellung auf eine andere Tierhaltung profitieren.

 

Die Werse gehört zu einem Fließgewässern, die stark verschmutzt sind. Wir fordern daher, dass im Einzugsgebiet der Werse keine Massentierhaltungen mehr genehmigt sondern finanzielle Anreize für die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft gegeben werden. Der Verein rät zu einer besseren regionalen Vermarktung der Lebensmittel aus der bäuerlichen Landwirtschaft. Die Verbraucher sollten in den Läden auf den Bauernhöfen oder auf dem Markt einzukaufen und so die bäuerlichen Betriebe vor Ort bei ihrer Arbeit für eine intakte Umwelt unterstützen.


Anrufen

E-Mail