Woher kommt das Nitrat?

In der Landwirtschaft wird bei der Debatte um die Nitratbelastung häufig auf die Kläranlagen verwiesen. Angeblich würden deren Emissionen oft übersehen. Unsere Messergebnisse belegen jedoch, dass die intensive Landwirtschaft nach wie vor der Hauptverursacher von Nitratbelastungen ist.

Vorwürfe gegenüber Kläranlagen

Wenn es um die Nitratbelastung im Grundwasser geht, wird in der Regel über die intensive Landwirtschaft diskutiert. Ein Umstand, der viele Landwirte stört. Insbesondere, seit es die verschärften Düngeregelungen gibt, fühlen sie sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Häufig werden in diese Diskussion Kläranlagen genannt. Angeblich würden diese im hohen Maß mit an den Nitratbelastungen schuld sein.

Messwerte unterstützen Vorwürfe nicht

Grundsätzlich ist es richtig, dass Kläranlagen Nitratemissionen verursachen. Unsere Messungen belegen jedoch, dass die Hauptbelastungen nicht aus den Kläranlagen stammen können. Zunächst muss bei dieser Diskussion sorgfältig zwischen Grund- und Oberflächenwasser unterschieden werden.

 

Oberflächenwasser fasst Seen, Flüsse, Teiche und die Meere zusammen. Kurzum: Das Wasser, das man an der Erdoberfläche sehen kann. In der Regel hat die Belastung des Oberflächenwassers wenig Einfluss auf das Grundwasser. Flüsse und Seen befinden sich an tiefen Stellen in der Landschaft. Um das Grundwasser anderswo zu beeinflussen, müsste das Flusswasser versickern und im Untergrund „bergauf fließen“.

Das Grundwasser befindet sich, wie der Name schon sagt, im Untergrund. Wasser, das im Boden versickert, landet dort. Außerdem speist das Grundwasser die Flüsse. Belastungen des Grundwassers haben also auch Einfluss auf Belastungen von Oberflächenwasser.

Die Kläranlagen trifft keine Schuld

Was hat das alles mit Kläranlagen zu tun? Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Kläranlagen und der Landwirtschaft. Kläranlagen leiten ihr Wasser in die Flüsse ein. In der Landwirtschaft werden die Felder gedüngt.

Überschüssige Nährstoffe versickern und landen zunächst im Grundwasser. Mit der Belastung des Grundwassers können Kläranlagen also nichts zu tun haben. Wären sie das Hauptproblem, würden wir im Flusswasser hohe Nitratkonzentrationen finden und im Grundwasser nicht. Das ist aber nicht der Fall.

Im Gegenteil: Die Grundwasserqualität in Deutschland ist schlecht. Und der Zustand des Grundwassers ist auch der Grund, weshalb die Düngeverordnung weiter verschärft wurde. Dementsprechend ist es bei der Debatte um die Düngeverordnung der falsche Weg, auf die Kläranlagen zu verweisen. Auch die Belastungen der Flüsse stammen zum Großteil von der Nitratbelastung des Grundwassers. Die Nitratkonzentration in Flüssen steigt dort, wo das Grundwasser auch stark belastet ist. Oft messen wir schon an den Quellen eine hohe Belastung. Im Gegensatz dazu verursachen Kläranlagen meist sogar eine Verringerung der Nitratkonzentration im Flusswasser. Das Flusswasser ist vorher so stark belastet, dass das eingeleitete Wasser zu einer Verdünnung des Flusswassers führt.

Abwasserrohre führen nich zu einer starken Belastung

Ein weiterer häufiger Vorwurf ist, dass undichte Abwasserrohre zu einer Belastung des Grundwassers führen. Aber auch diese Behauptung stimmt nicht mit unseren Messwerten überein. In dem Fall müsste das Grundwasser in einer Stadt stark belastet sein. Städte haben jedoch in der Regel besonders wenig Nitrat im Untergrund.

Regelmäßige Kontrollen in den Kläranlagen

Bereits durch unsere Messergebnisse ist klar: Kläranlagen können nicht für die Nitratsituation in Deutschland verantwortlich sein. Dies wird noch deutlicher, wenn man sich die Bestimmungen zu Kontrollen bei den Kläranlagen ansieht. Kläranlagen müssen mehrmals jährlich ihre Wasserwerte kontrollieren. In manchen Bundesländern sind dafür externe Labor vorgeschrieben. In anderen kommen regelmäßige staatliche Kontrollen dazu, in Bayern beispielweise alle zwei Jahre. Im Gegensatz dazu wird in der Landwirtschaft oft noch auf Selbstkontrollen gesetzt. Staatliche Kontrollen sind wesentlich seltener.

Somit kann kaum behauptet werden, dass die Kläranlagen nicht bereits Auflagen zur Eindämmung der Nitratbelastung haben. Aber es ist nun einmal deutlich, dass die Emissionen der intensiven Landwirtschaft ein viel größeres Problem darstellen, als die der Kläranlagen. Es muss weiter daran gearbeitet werden, die Emissionen durch die Landwirtschaft einzudämmen, statt auf andere mögliche Verursacher zu verweisen.


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