Multiresistente Keime in Gewässern - Es ist fünf nach zwölf

Auszug aus dem Newsletter 2/2018

Geflügel ist von der massiven Antiobiotikagabe besonders betroffen.

Kein Wunder: In den engen Hallen haben die Masthähnchen weniger Platz, als eine Legehenne in den verbotenen Legebatterien.

Im Februar 2018 meldete der NDR Erschreckendes: Der Sender ließ stichprobenartig Wasser aus zwölf Flüssen und Seen in Niedersachsen analysieren. Sowohl Wissenschaftler als auch Journalisten vermuteten schlechte Ergebnisse, aber mit einem dermaßen niederschmetternden Fund rechneten sie nicht: Jede einzelne Probe war mit multiresistenten Keimen belastet.

Resistente Keime sind neue Gefahren im alten Gewand. Durch den massiven Antibiotikaeinsatz passen sich immer mehr Bakterien an und werden gegen aktuelle Medikamente resistent: Behandlungen gegen die Krankheitserreger sind dann wirkungslos. Die WHO hat bereits gewarnt: „Wenn jetzt nicht schnell und koordiniert gehandelt wird, bewegt sich die Welt in eine postantibiotische Ära, in der gewöhnliche Infektionen und kleine Verletzungen, die für Jahrzehnte behandelbar waren, wieder tödlich sein können.“

Besonders in Badegewässern werden Resistenzen gefährlich, wenn die Erreger verschluckt werden und gar in die Lunge gelangen. Die Bundesregierung räumte bereits ein, dass für Menschen mit schwachen Immunsystemen ein erhöhtes Risiko bestehen könnte.

Leider gehen Experten davon aus, dass sich die Problematik um antibiotikaresistente Keime noch verschärfen wird. Schätzungsweise wird es 2050 jährlich zehn Millionen Todesopfer durch resistente Keime geben. Das sind mehr Menschen, als heute jedes Jahr an Krebs sterben.

All diese Fakten zeigen nur zu deutlich, dass dringend etwas gegen die Resistenzen getan werden muss. Da Resistenzen überall dort entstehen, wo Antibiotika verwendet werden, muss vor allem der Einsatz dieser verringert werden. In Krankenhäusern und Altenheimen ist der Einsatz unerlässlich. Es werden jedoch Unmengen an Antibiotika in der Tierhaltung verwendet, um mehr Tiere auf engeren Raum zu halten. Das muss ein Ende haben! Tierhaltungen müssen so gestaltet sein, dass sich Seuchen auch ohne massiven Antibiotikaeinsatz nicht unkontrolliert ausbreiten können. Der VSR-Gewässerschutz fordert, Massentierhaltungen zu untersagen, damit zukünftige Generationen nicht in ein medizinisches Mittelalter gelangen. Je länger Massentierhaltungen Alltag sind, desto mehr Todesopfer wird es durch resistente Keime geben.

Personen mit schwachem Immunsystem sollten vorsichtig sein: Resistente Keime gibt es auch in Badegewässern

Verbraucher sollten weniger Fleisch konsumieren, dafür aber auf gehobene Standards bei der Produktion achten. Im ökologischen Landbau wird weitaus seltener Antibiotika angewandt, da die Tiere durch artgerechtere Haltung gesünder sind. Durch den Verzehr von Bio-Fleisch schützen Sie zukünftige Generationen, ebenso wie sich selbst vor multiresistenten Krankheitserregern. Das Bundesamt für Risikobewertung gibt beispielsweise an, dass sich auf allen rohen Fleischsorten der multiresistente Krankenhauskeim MRSA befinden kann. Bisher scheint ökologisch produziertes Fleisch davon jedoch weniger stark betroffen zu sein.

Neben den Verbrauchern ist auch die Politik gefragt. Kläranlagen, insbesondere solche, die Wasser aus Tierhaltungen, Krankenhäusern und Altenheimen aufbereiten, müssen aufgerüstet werden. Bisher werden Bakterien nicht vollständig aus dem Wasser gefiltert. Die Techniken dafür sind jedoch vorhanden. Der VSR-Gewässerschutz fordert, Kläranlagen so schnell wie möglich nachzurüsten, um das Problem der Antibiotikaresistenz so gering wie möglich zu halten.