Projekt: Nitratbelastung unserer Gewässer

In Deutschland sind große Teile der Flüsse und des Grundwassers nitratbelastet. Nitrat ist ein Nährstoff, der aus Stickstoff und Sauerstoff besteht.

Zu viel Nitrat im Trinkwasser oder in Lebensmitteln fördert Krebs. Für Säuglinge ist der Stoff besonders gefährlich: Er blockiert den Sauerstofftransport im Blut, so dass die Kinder „von innen“ ersticken.

Aber nicht nur für Menschen, sondern auch in der Natur ist Nitrat ein großes Problem. Große Mengen Nitrat in Flüssen, Seen und den Meeren führen zu unkontrollierter Algenwucherung.

Algen führen beim Baden zu Hautreizungen. Außerdem wird die Sichttiefe erheblich beeinträchtigt - es besteht die Gefahr, auszurutschen und sich zu verletzen.

Sterben die Algen schließlich ab, verbrauchen sie Unmengen an Sauerstoff. Dieser Vorgang heißt Eutrophierung. Er  kann zum massenhaften Sterben von Fischen und anderen Wasserlebewesen führen.

In der Ostsee gibt es dadurch bereits "Todeszonen" - Regionen ohne Sauerstoff durch zu viele Nährstoffe.

Wasseruntersuchungen

Ziel unseres Nitrat-Projektes ist es, gegen die Nitrat-Problematik vorzugehen.

Zentrales Element des Projektes ist es, Wasserproben zu untersuchen. Dadurch können wir Belastungsursachen aufdecken und die Auswirkungen für die Meere abschätzen.


Nitratbelastetes Grundwassers sickert Gewässern zu. Deswegen ist die Qualität des Grundwassers entscheidend für den Zustand der Bäche und Flüsse sowie der Nord- und Ostsee.
Wir untersuchen daher das Grundwasser und die Flüsse. Wir zeigen auf, woher die Belastungen kommen. Unsere Messergebnisse sind dabei für jede und jeden Interessierte_n einsehbar. Außerdem beobachten wir, wie sich die Nitratbelastung entwickelt.

Wasser, das Rhein, Ems, Weser, Elbe, Maas und Oder zufließt, wird untersucht. Dabei arbeiten wir im gesamten deutschen Einzugsgebiet der Flüsse. Denn selbst, wenn das Grundwasser zuerst einem Bach oder Nebenfluss zusickert, belastet es den Fluss. Somit wird das Nitrat letztendlich auch in die Nord- und Ostsee befördert.

Bei der Beprobung von Grundwasser sind wir auf die Mithilfe von Brunnenbesitzern angewiesen. Brunnennutzer lassen uns ihr Wasser untersuchen. Dafür erhalten sie wichtige Messewerte und eine Beratung über ihr Wasser.

Durch diese Methode verfügt der VSR-Gewässerschutz über sehr viele Messwerte, die ein umfassendes Bild über die Belastung des Grundwassers liefern. Somit können wir feststellen, welche Regionen hauptverantwortlich für Belastungen sind.

Nitratkarten

Wir erstellen regelmäßig Karten, welche unsere Messergebnisse von privat genutzten Brunnenwasser zusammenfassen.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Brunnenbesitzern bedanken, welche unserer Karten durch ihre Brunnenwasserprobe ermöglicht haben.

Aktuelle Grundwassermesswerte

Wir beproben und messen. Wir weisen auf Gebiete mit starken Nitratbelastungen hin.

Seit 1984 führt der VSR-Gewässerschutz Untersuchungen im Einzugsgebiet der Nord- und Ostsee durch. Dabei wollen wir so transparent wie möglich arbeiten. Deshalb können auch Sie die von uns gemessenen Nitratwerte hier abfragen.

Ursachen benennen

Durch unsere Wasseranalysen haben wir schon viele verschiedene Gründe für die Nitratbelastung festgestellt.

 

Die Stickstoffbelastung aus den sogenannten punktuellen Quellen wurde durch Investitionen in die Abwasserreinigung bereits gesenkt. Daher macht der Stickstoffeintrag aus diffusen Quellen ca. 2/3 der heutigen Gesamtbelastung aus.

  • In Massentierhaltungen fallen Unmengen an Gülle an, die nicht mehr effektiv auf Feldern verteilt werden können. Wir fordern eine flächengebundene Tierhaltung. Landwirte sollten nur so viele Tiere halten, wie sie durch eigene Felder auch versorgen können. Durch dieses System werden dem Boden mit Gülle nur so viele Nährstoffe zugeführt, wie zuvor durch Futterpflanzen entnommen wurden.
  • Biogasanlagen vergären häufig keine Abfallprodukte, sondern eigens angebaute Energiepflanzen. Mehr Anbau bedeutet aber immer eine gewisse Grundwasserbelastung. Wir fordern, dass Biogasanlagen verstärkt mit Abfällen arbeiten.
  • Gemüse wird gezielt überdüngt, da es bei zu wenig Nährstoffen sehr schnell optische Auffälligkeiten an den Pflanzen gibt. Da Händler und Verbraucher ein solches Gemüse ablehnen, wird zu stark gedüngt, um optimale Erträge sicher zu stellen. Wir fordern von Händlern und Verbrauchern ein Umdenken beim Einkauf.
  • Im Weinbau sind die Düngeregeln lascher als in anderen landwirtschaftlichen Spaten. Wir fordern strengere Regelungen für Winzer.
  • Nitratbelastetes Wasser wird in vielen Regionen über Drainagen von Feldern abgeleitet und gelangt so in die Flüsse. Wir messen, wie hoch die Belastung durch Drainagen in bestimmten Regionen ist und zeigen, wie diese reduziert werden kann.
  • Die Renaturierung von Flüssen verringert die Nitratbelastung. Es wird dadurch der Nährstoffeintrag in die Nord- und Ostsee reduziert. Wir untersuchen, wie sich die Nitratbelastung durch intakte Auen verändert.

Warum dieser Aufwand?

Schutz der Lebensgemeinschaften in den Flüssen und Bächen

Zu hohe Konzentrationen von Stickstoff in Gewässern eutrophieren Seen und Flüsse. Dadurch werden diese Gewässer zu lebensfeindlichen Gebieten.

  • Schmierige, blaugrüner Algen verbreiten sich
  • Die Lichtdurchlässigkeit wird verringert
  • Sauerstoff im Gewässer fehlt
  • wirbellosen Tiere sterben
  • Giftstoffe werden erzeugt, die für Fische, Vieh und Mensch gefährlich sind

Schutz der Lebensgemeinschaften in der Nord- und Ostsee

Vor allem der küstennahe Bereich der Nordsee ist bereits eutrophiert. Auch im Meer kommt es durch Nährstoffe zu der Massenvermehrung von Algen. Für den Menschen bemerkbar wird das hauptsächlich durch Unmengen an Schaum am Strand. Der Schaum entsteht durch abgestorbene Algen.

In der Ostsee gibt es bereits "Todeszonen". Dort ist das Meer durch Nährstoffe so stark eutrophiert, dass es dort kaum noch Sauerstoff oder Leben gibt.

Damit die Eutrophierung abnimmt, muss weniger Stickstoff in das Meer gelangen. Um das zu erreichen, sollten die Zuflüsse mit weniger Nitrat belastet sein. Der »Rat von Sachverständigen für Umweltfragen« (SRU) fordert für Flüsse, welche in die Nordsee fließen, einen Gesamtstickstoffgehalt von höchstens 0,6 bis 1,8 mg/l. Umgerechnet auf Nitrat wären das 2,6 bis 7,9 mg/l.

Schutz des Trinkwassers

Das Grundwasser ist teilweise so stark mit Nitraten belastet, dass es nicht mehr getrunken werden kann. Kleinere Wasserwerke müssen deswegen häufiger die Wasserförderung einstellen und auf Wasserfernversorgungen zurückgreifen. In vielen Fällen wird bereits mit weniger belastetem Wasser gemischt oder auf tiefere Grundwasserschichten zurückgegriffen.

Besonders schlimm ist die Grundwasserbelastung für die Eigenwasserversorgung von Häusern, die nicht an die Wasserversorgung angeschlossen sind. Dort kann nicht auf weniger belastetes Brunnenwasser ausgewichen werden. Auch im Garten ist das Brunnenwasser bei hohen Nitratwerten nur noch eingeschränkt nutzbar.

Wir fordern: Grundwasser ist ein Allgemeingut und muss flächendeckend Trinkwasserqualität haben. Außerdem müssen die heutigen Trinkwasservorräte auch künftigen Generationen zur Verfügung stehen.

Auszug aus dem Newsletter 2/2018 zum Thema: Deutschland ist schuldig! Die Nitratbelastung im Grundwasser ist zu groß

Auszug aus dem Newsletter 1/2018 zu dem Thema: Renaturierungen führen zu verbesserten Hochwasserschutz und einer größeren Selbstreinigung der Flüsse. Die reaktivierten Auen bilden einen Flächenfilter, der die Nitratbelastung reduziert.

Auszug aus dem Newsletter 3/2017 zum Thema: Die Karte zur Nitratbelastung von 2013 bis 2017 ist da - Messergebnisse belegen erneut die Beteiligung der Landwirtschaft an der Nitratproblematik
Deutschlands Stickstoff-Politik stinkt: Susanne Bareiß-Gülzow beschäftigt sich in ihrem Artikel für die Waterkant mit der deutschen Landwirtschaftspolitik.

Artikel von unseren MitarbeiterInnen

Die Ergebnisse der Messungen und Recherchen werden von unseren Mitgliedern für Zeitschriften zusammengefasst und publiziert.

Grenzwerte

Hintergrundliteratur