Chloridkarte Deutschland

Nach der DIN 19684-10 ist nur Grundwasser mit weniger als 70 mg/l für „nahezu alle Pflanzenarten“ zum Bewässern in den Gärten und auf den Feldern geeignet. Bei Werten oberhalb 280 mg/l ist das Wasser zum Bewässern ungeeignet. Im Zwischenbereich sollte immer geprüft werden, ob die Pflanzen den aktuellen Chloridgehalt vertragen. Gerade bei den sehr hohen Konzentrationen kann es zum Absterben der Pflanzen kommen.


Die von 2000 bis 2017 durch die Messungen vom VSR-Gewässerschutz gewonnenen Daten wurden in einer Karte zusammengefasst. Auf dieser sind die Orte, in denen Chloridkonzentrationen im Grundwasser größer als 250 mg/l nachweisbar waren, eingetragen. Überdeutlich zeigen sich die festgestellten Belastungsschwerpunkte.

Grundwasser ist in manchen Regionen so salzhaltig, dass es nicht mal mehr zum Gießen geeignet ist. Die Pflanzen welken, trotz ausreichender Wassergabe.

 

Insgesamt kristallisieren sich bei unseren Untersuchungen fünf Regionen deutlich heraus:

  • das Gebiet um Greifswald in Mecklenburg - Vorpommern

 

  • die Region zwischen Rheinberg und Paderborn in Nordrhein - Westfalen, in der sich das Ruhrgebiet befindet

 

  • der Bereich zwischen Halle und Magdeburg in Sachsen-Anhalt

 

  • Rheinhessen in Rheinland - Pfalz

 

  • der Raum zwischen Würzburg und Erlangen in Bayern.
Chloridkarte 2017 in hoher Auflösung
In dieser Karte wurden die Messergebnisse der Untersuchungen privater Brunnen in Deutschland im Zeitraum 2000 bis 2017 dargestellt.
Chloridkarte Deutschland 2017.pdf
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Ursachen der Belastung

In jeder dieser Räume findet man Brunnen, die Wasser mit über 2000 mg/l Chlorid fördern. So sehr sich die Regionen unterscheiden, so unterschiedlich sind auch die Ursachen der Belastung.


Am Beispiel von Nordrhein-Westfalen erläutern wir die unterschiedlichen Ursachen.

  • Die hohe Belastung im Rheinberger Ortsteil Ossendorf ersultiert durch eine Altlast auf dem Gelände des Chemiebetriebes von Solvay (Rundbrief Nr. 2/2013).
  • Das Emscherbett ist durchlässig. Dadurch wurde das Grundwasser in Dinslakener Ortsteil „Am Staap“ u.a. durch Chloride stark belastet und ist für jegliche Nutzung unbrauchbar.
  • Das Grundwassers im Marler Ortsteil Hamm ist ebenfalls stark verschmutzt. Ursache ist Sickerwasser aus der Bergehalde Brinkfortsheide (siehe Rundbrief 2/2012). Auf der Halde sind zusammen mit Kohle geförderte Gesteine (Berge) aufgeschichtet. Regenwasser, das durch die Halde sickerte, löste die Chloride aus den Gesteinen und führte sie dem Grundwasser zu.
  • Über Dortmund hinaus ändert sich die Ursache der Belastung. Längs des Hellweges zwischen Unna und Paderborn dringt chloridhaltiges Tiefengrundwasser in geologischen Rissen nach oben. Oberflächennahe salzige Grundwasserleiter und chloridhaltige Quellen waren die Folge. Die erste bedeutende Industrie dieses Raumes im neunzehnten Jahrhundert war die Speisesalzgewinnung. Viele Grundwasserbelastungen z.B. in Salzkotten dürften auch aus Ablagerungen und Unfällen dieser Produktion resultieren.

Die genannten Beispiele aus NRW zeigen beispielhaft einige Ursachen auf. Im Überblick sind dies:

  • Ausschwemmungen aus Altlasten und Ablagerungen des Bergbaus
  • Einsickern von belastetem Fluss- und Bachwasser in das begleitende Grundwasser
  • natürliches aufsteigendes Grundwasser

Neben diesen Problemen im Binnenland kommt es gerade in Küstennähe immer wieder zum Einsickern von Meerwasser in die genutzten Grundwasserleiter. Auch hierdurch kann es auch zur Chloridbelastung im Brunnenwasser kommen.

Brunnenwasseruntersuchungen decken Umweltverschmutzungen auf

Wir überprüfen grundsätzlich den Salzgehalt von Brunnenwasserproben. Hierdurch konnten wir an zwei Standorten, in Rheinberg und Marl, Grundwasserbelastungen durch industrielle, bzw. bergbauliche Tätigkeiten aufdecken.

Verantwortliche im Bergwerk Auguste Victoria verschwiegen jahrelang Grundwasserbelastung

Seit Jahren ist dem Betreiber der Zeche Auguste Victoria in Marl bekannt, dass stark versalztes Grundwasser aus der Halde Brinkfortsheide in Richtung der Ortschaft Hamm fließt. Das durch die Siedlung fließende Grundwasser ist somit zur Bewässerung der Gärten nicht mehr geeignet. Eine Information an die ansässige Bevölkerung gab es aber nicht, so dass betroffene Bürger ihr Brunnenwasser weiterhin im Garten nutzten oder sogar noch neue Gartenbrunnen anlegen ließen. Die Brunnennutzer und die zuständige Kontrollbehörde das Landesbergamt erfuhren von der sehr hohen Grundwasserbelastung erst durch die Untersuchungen vom VSR-Gewässerschutz

VSR-Gewässerschutz deckt auf: Sodafabrik belastet Grundwasser im Rheinberger Ortsteil Ossenberg

Stark erhöhte Chloridwerte fanden die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz 2011 in verschiedenen Brunnen in Rheinberg. Alle hochgradig mit Chloriden belastete Proben kamen aus dem Ortsteil Ossenberg. Er liegt östlich des dortigen Chemieparks von Solvay und nördlich der Fossa Eugenia, über den der Bergbau chloridhaltiges Sümpfungswasser zum Rhein leitet. Im Frühjahr informierten wir die Bürger über die hohe Belastung der Brunnen in Ossenberg und kündigten weitere Untersuchungen an, um die Ursache der Verschmutzung lokalisieren können.

Nun überschlugen sich die Ereignisse. Bürger informierten uns über ihre Beobachtungen. So schrieb uns ein Anwohner aus Ossenberg, dass er von Solvay-Mitarbeitern erfahren hatte, eine Abwasserleitung von Solvay sei undicht. Er wandte sich mit den Ergebnissen seiner vom VSR-Gewässerschutz durchgeführten Brunnenwasserwasseruntersuchung an den Konzern. Allerdings wurde er abgespeist, mit der Behauptung, dass die Belastung aus den durch den Altrhein fließenden Sümpfungswässer des Bergbaus herühren müsste.

Trotzdem wurde Solvay aktiv und suchte die Verursachungsquelle im eigenen Werksbereich. Wenige Wochen nach der Veröffentlichung der Gewässerschützer und noch bevor die geplanten weiteren Messungen begannen, informierte der Betrieb die Presse, dass eine defekte Abwasserleitung in der Sodafabrik die Ursache der Belastung sei. Zeitgleich wurde die LINEG beauftragt, Untersuchungen an den privat genutzten Brunnen in Ossenberg durchzuführen um das Ausmaß der Belastung festzustellen.

http://www.rp-online.de/niederrhein-nord/rheinberg/nachrichten/soda-im-grundwasser-unter-solvay-1.2728277