Versauerung des Grundwassers

In den letzten zehn Jahren haben wir festgestellt, dass das Grundwasser besonders in Niedersachsen immer saurer wird.

Saures Grundwasser durch Massentierhaltungen

Die Quelle für den hohen Säuregrad ist in der Regel saurer Regen. Dieser wird durch die Abgase aus Industrieanlagen, Kraftfahrzeugen und Kraftwerken sauer. Die intensive Tierhaltung versauert ihn aber zusätzlich, durch ihre hohen Ammoniak-Emissionen.

Ammoniak wird sowohl im Stall als auch bei der Gülleausbringung freigesetzt. Es entsteht, wenn Harnstoff oder Eiweiß in den Exkrementen der Nutztiere zersetzt wird. Die Emissionen steigen, wenn viel Ammonium im Düngemittel enthalten ist oder wenn Gülle, Festmist und Gärreste nicht zügig in den Ackerboden eingearbeitet werden.

 

Die Emissionen aus dem Verkehr und Industriebereich sind zwischen 1990 und 2010 um die Hälfte zurück gegangen. Gleichzeitig wurde bei Ammoniak aus der Landwirtschaft nur 20 % Emissionsminderung erreicht (siehe unten: Gewässerversauerung durch Säuredesposition in Deutschland – Entwicklung und aktueller Stand).

Durch Verkehr und Industrie gelangen vor allem Stickstoffoxide in die Atmosphäre. Diese bleiben lange dort und werden somit über große Gebiete verteilt. Dadurch wird der Regen großflächig saurer.

Ammoniak aus Tierhaltungen bleibt nicht so lange in der Atmosphäre. Es versauert den Regen schneller und wird durch ihn wieder auf den Boden gespült. Dadurch ist hauptsächlich die Region direkt um die Tierhaltung belastet. Die Belastung ist größer und regionaler.

Mancherorts sind die Böden in der Lage, durch natürliche Säurepuffer die Versauerung zu verlangsamen. Wo das nicht funktioniert, wird das Grundwasser sauer. Der VSR-Gewässerschutz findet bei Brunnenwasseruntersuchungen im gesamten Norddeutschen Tiefland niedrige pH-Werte von unter 5,4. Es gilt: je niedriger der pH-Wert, desto saurer ist das Wasser. Auffälig ist, dass insbesondere Niedersachsen mit der hohen Viehdichte betroffen ist.

Es kommt zur Aluminiumbelastung

Die Gülleausbringung auf diese Weise führt zu hohen Emissionen.

Aluminium gehört zu den häufigsten Elementen in der Erdkruste. Es ist aber normalerweise fest im Erdreich gebunden und löst sich nicht im Grundwasser. Saures Wasser kann das Aluminium jedoch lösen. Der VSR-Gewässerschutz untersucht seit 2008 Brunnenwasserproben, die einen pH-Wert unter 5,4 aufweisen, auf den Aluminiumgehalt. Dabei findet der VSR-Gewässerschutz insbesondere in Niedersachsen extrem hohe Aluminiumkonzentrationen.

 

Die betroffenen Gebiete liegen vor allem im Weser-Ems-Raum, in dem auch eine hohe Dichte an Massentierhaltungen existiert. Der VSR-Gewässerschutz fordert daher, dass die Ammoniakemissionen dringend reduziert werden müssen.

Bisher wird diese Problematik bei der Ausbringung der Gülle viel zu wenig beachtet. In Deutschland darf die Gülle im Gegensatz zu anderen Ländern (beispielsweise Dänemark) immer noch mit altertümlich anmutenden Verfahren auf den Feldern verteilt werden.

Häufig wird sie einfach aus den Güllefässern über die Felder geschleudert. Ein großer Teil des Ammoniaks wird durch den Wind weggetragen. Nicht nur, dass die ansässige Bevölkerung dem starken Gestank ausgesetzt wird, die Ammoniakanteile werden auch über große Strecken transportiert.

Die Ausbringung mit Schläuchen ist wesentlich besser. Es entstehen weniger Emissionen, da die Gülle direkt auf den Boden geleitet wird. Außerdem wird die Gülle gezielt dort verteilt, wo die Pflanzen wachsen. Sie nehmen die Nährstoffe besser auf und es wird weniger Nitrat in das Grundwasser gewaschen.

Gülleschläuche führen zu weniger Emissionen

Güllegrubber sind die günstigste Aufbringungsmethode

Noch besser sind Güllegrubber. Diese decken aufgetragene Gülle direkt ab, wodurch noch weniger Emissionen entstehen.

Generell ist es wichtig, dass die Gülle möglichst schnell in den Boden eingearbeitet wird. Damit die Stickstoffe nicht in die Luft entweichen können, muss die Gülle maximal eine Stunde nach der Ausbringung eingearbeitet werden.

Eine Gefahr für den Garten, die Flüsse und die Gesundheit

Mit Aluminium belastetes Brunnenwasser darf nicht getrunken werden. Es beeinträchtigt die Gesundheit. Nehmen Menschen höhere Dosen Aluminium auf, kann es zu Lethargie, Blutungen im Augenbereich und zu Störungen des Kohlehydratstoffwechsels kommen. Ein Zusammenhang zwischen der Alzheimer-Krankheit und erhöhten Aluminiumwerten im Trinkwasser wird zur Zeit vermutet.

 

Auch im Gießwasser sind erhöhte Alumiuniumgehalte schlecht. Die Wurzeln der Pflanzen werden geschädigt. Viele empfindliche Gewächse reagieren auf die Überdosis mit Kümmerwuchs und Reifestörungen. In Teichen sind bereits geringe Aluminiumkonzentrationen giftig für Fische. Besonderes betroffen sind dabei die Dottersackbrut und schlüpfende Fische. Daher sollte solches Brunnenwasser nicht in Fisch- und Gartenteiche eingeleitet werden.

Das saure und aluminiumbelastete Grundwasser sickert jedoch den Bächen zu und verursacht dort eine enorme Belastung. Durch das saure Wasser kommt es zu einer weiteren Freisetzung von Aluminium im Fluss. Der Einfluss auf die Sterblichkeit beginnt z.B. bei Bachsaiblingen bereits ab Aluminiumkonzentrationen von 0,2 Milligramm pro Liter.

Hintergrundinformation

Bittersohl et al.:Gewässerversauerung durch Säuredeposition in Deutschland - Entwicklung und aktueller Stand; 2014