Bewusst Ernähren

Viele Forderungen und Ziele des VSR-Gewässerschutz müssen von Politikern oder Unternehmern umgesetzt werden. Es gibt jedoch auch Möglichkeiten für jeden Einzelnen, die Gewässerbelastungen zu reduzieren. Besonders die eigene Ernährung spielt dabei eine große Rolle, denn der Nahrungsmittelerzeuger, also unsere Agrarindustrie, ist an einigen der Problematiken beteiligt.

Wir haben hier einige Tipps gesammelt, um Konsum und Gewässerschutz überein zu bringen. Erfreulicherweise wirken sich unsere Vorschläge auch auf andere Umweltthemen positiv aus und sind zumeist kostengünstig.

Foodsharing

Die Initiative Foodsharing versucht seit 2012, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Es ist ganz einfach: Lebensmittel, die aufgrund von Überproduktion oder Fehlkauf nicht gegessen werden würden, werden „gerettet“ und kostenfrei zur Verfügung gestellt. Eine Win-Win Situation für die Umwelt und den Geldbeutel!

Auf der Website gibt es eine Karte, auf der jeder übrig gebliebene Lebensmittel eintragen kann, welche dann abgeholt werden können. Außerdem gibt es zahlreiche regionale Facebookgruppen, über die Lebensmittel angeboten und getauscht werden.

Mundraub

Keine Frage: Obstbäume auf fremden Grundstücken ohne Erlaubnis zu ernten ist Diebstahl und strafbar. Aber: Es gibt unzählige Obstbäume und -sträucher sowie Nüsse auf öffentlichen Flächen, die von niemandem abgeernetet werden. Um dieser unglaublichen Verschwendung entgegen zu wirken, wurde die Online-Plattform Mundraub ins Leben gerufen.

Auf der Seite befindet sich eine Karte, auf der essbare Pflanzen auf öffentlichen Flächen datiert werden. Somit kann jeder für den Eigenbedarf kostenlos Obst, Nüsse und Kräuter ernten.

Sie können auch eigene Fundorte eintragen – überprüfen Sie doch, ob die Ihnen bekannten Bäume und Sträucher schon verzeichnet sind!

Solidarische Landwirtschaft

In der solidarischen Landwirtschaft kommen Sie in einer Gemeinschaft für die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebes auf. Im Ausgleich hat diese Gemeinschaft Anspruch auf alle Erzeugnisse des Hofes, und kann diese unter sich aufteilen. Die Landwirte haben die Gewissheit, nicht den schwankenden Marktpreisen oder den Ansprüchen von Handelsmächten ausgeliefert zu sein. Somit kann umweltschonender produziert werden.

Ackerhelden

Was schmeckt schon besser, als selbst angebautes Gemüse?

Wer bei den Ackerhelden mitmacht, mietet sich für eine Saison 40 qm vorbepflanzten Acker an, kümmert sich selber um diesen und kommt natürlich auch in den Genuss der Ernte. Dabei arbeitet man nach den Richtlinien von Bioland – man versorgt sich also selber mit garantiert regionalen Biogemüse. Gut für die eigene Gesundheit und die eigene Ernährung sind die Ackerhelden sowieso, gleichzeitig aber auch für die Umwelt – denn es werden weder Gifte für den Anbau gespritzt, noch werden die Flächen überdüngt. Und mal ehrlich, was kann schon besser schmecken, als selbst erzeugte Nahrungsmittel?

Falls es die Ackerhelden nicht bei Ihnen in der Nähe gibt, können Sie auch im Internet nach anderen Anbietern dieser Art suchen. Jedoch sind die Ackerhelden die einzigen Selbsternte-Anbieter, die nach den strengen Bio-Richtlinien von Demeter, Bioland und Co. arbeiten.

Weniger Fleisch essen

Ein Hauptgrund für die Überdüngung sind Massentierhaltungen. Jeder Deutsche isst pro Jahr 60kg Fleisch – es werden jedoch 30 kg von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen. Häufiger zu Gemüse greifen und vor allem auf Billigfleisch verzichten ist schohnend für das Grundwasser, die Umwelt, den Geldbeutel und das Tierwohl.

Wochenmärkte und Hofläden

Auf dem Wochenmarkt oder an Hofläden Nahrungsmittel kaufen hilft dem Grundwasser und unterstützt regionale Erzeuger! Sie können den Produzenten dort direkt fragen, wie stark seine Felder gedüngt werden. Außerdem wird dort häufig Gemüse angeboten, das nicht so schön aussieht wie im Supermarkt, aber genau so gut schmeckt. Aus der Sicht der Umwelt sind diese „unästhetischen“ Produkte zudem wahre Schönheiten, denn das Aussehen der Pflanzen im Supermarkt wird oft durch Überdüngung hervorgerufen.

Biolebensmittel

Ökologisch angebaute Lebensmittel sind besser für die Umwelt – das ist mittlerweile allgemein bekannt. Auch das Grundwasser profitiert davon, wenn Sie so oft wie möglich Biolebensmittel kaufen. Besonders ökologisch erzeugtes Fleisch ist für die Grundwasserqualität von Vorteil. Denn die Tiere werden in der Regel in kleineren Einheiten gehalten, wodurch weniger Nährstoffe pro Fläche anfallen.

Nachernte

Jedes Jahr bleiben nach der Ernte eine Menge Lebensmittel auf den Feldern liegen. Lebensmittel, die sich zum Verzehr eignen – die der Handel aber nicht haben will. Beulen, Kratzer, zu groß, zu klein, zu krumm – es gibt viele Ausschlusskriterien, die dafür sorgen, dass Gemüse auf den Äckern zurück bleibt.

Auf dem Lammertzhof bei Kaarst (Düsseldorf) wird etwas gegen diese Verschwendung getan: Nachdem Landwirt Heinrich Hannen die vermarktbaren Lebensmittel eingefahren hat, dürfen sich Bürger an dem übrig Gebliebenen auf dem Feld bedienen. Völlig kostenlos.

Eine super Sache, die gleichzeitig Ressourcen, das Grundwasser und den Geldbeutel schont.

Falls Sie nicht in der Nähe von Kaarst wohnen, haben Sie vielleicht trotzdem eine Chance:

Leider bieten wenige Landwirte derartige Nachernteaktionen von sich heraus an, aber wenn man nachfragt, könnte das Einsammeln der Restprodukte durchaus erlaubt werden. Fragen kostet schließlich nichts.