Die Folgen der Dürre auf unsere Gewässer

Die Dürrejahre häufen sich und der Zustand unserer Gewässer wird nicht besser. Die Natur leidet - es ist allerhöchste Zeit dem Klimawandel entgegenzutreten!

Dürren werden in Deutschland zu einem immer größeren Problem. Das fehlende Wasser macht der Natur stark zu schaffen. Auch wenn es widersprüchlich klingt: Der bisher gefallene Regen hat nicht dazu beigetragen, dass sich die Grundwasserstände von der Dürre der letzten beiden Sommer erholen. In einigen Regionen droht also trotz einiger Regenfälle das dritte Dürrejahr in Folge. Die nötige Niederschlagsmenge um das das zu vermeiden, blieb bislang aus. Besonders Bäche, Flüsse und Seen leiden unter der Trockenheit. Diese Lebensräume sind extrem stark bedroht – obwohl sie weltweit vertreten sind. Gewässer haben eine besondere Bedeutung für den Naturhaushalt. Sie zu verlieren ist ein nicht denkbares Katastrophenszenario.

Viele Gewässer trocknen jedoch schon heute zumindest temporär aus. Seen schrumpfen immer weiter – manche sind sogar schon komplett verschwunden. Die Seenoberflächen sind in den letzten 30 Jahren weltweit um 90.000 Quadratkilometer zurückgegangen. Das entspricht in etwa der Fläche von ganz Portugal!

Temperaturanstieg – auch im Wasser

Die Erde erwärmt sich immer weiter. Die ansteigenden Temperaturen machen auch vor den Seen und Flüssen keinen Halt. Der Müggelsee bei Berlin hat sich in den letzten Jahrzehnten um 0,34 °C pro Jahrzehnt erwärmt. Das ist extrem alarmierend!

Auch in anderen Gewässern nimmt die Temperatur zu. Beispielsweise war die Elbe bei Torgau und Wittenberg 2018 durchschnittlich ein ganzes Grad wärmer als in den Jahren davor. Gleichzeitig hat der Wasserpegel abgenommen.

Dürre und Hitze zusammen ergeben für die Gewässer eine fatale Kombination: Eine große Menge Wasser aufzuheizen dauert sehr lange. Wenn die Wassermasse jedoch abnimmt, geht es schneller das Wasser aufzuwärmen. Je weniger Wasser vorhanden ist, desto schneller wird es warm. Dürren schaffen also perfekte Voraussetzungen für den Temperaturanstieg in Gewässern.

Der Grundwasserspiegel sinkt

Nicht nur der Wasserstand von Flüssen und Seen sinkt. Der Grundwasserpegel wird durch die Oberflächengewässer und den fehlenden Niederschlag ebenfalls beeinflusst. Das Grundwasser sinkt ab. Das ist ein Problem für Brunnenbesitzer, deren Brunnen nicht tief genug für den neuen Grundwasserpegel sind. Ein noch größeres Problem stellt dies aber für Pflanzen dar. Sind ihre Wurzeln nicht tief genug, erreichen sie kein Wasser mehr.

Tiere unter Hitzestress

Insekten

Viele Insekten verbringen ihr Larvenstadium im Wasser. Sowohl als Larven als auch später sind sie eine wichtige Nahrungsgrundlage für andere Tiere. Fische, Amphibien, Vögel und Säugetiere hängen von ihnen ab. Daher ist es wichtig, dass die Brutstätten der Insekten von ihnen auch genutzt werden können. Es wurde jedoch rausgefunden, dass eine erhöhte Wassertemperatur für Insektenlarven schädlich ist.

In Breitenbach bei Fulda wurde ein Bach untersucht. Der Bach liegt in einem Naturschutzgebiet. Dadurch kann direkter menschlicher Einfluss auf die Lebewesen in ihm weitgehend ausgeschlossen werden.

In dem Bach kam es von 1969 bis 2010 zu einem Temperaturanstieg von 2°C. Gleichzeitig ist die Individuenanzahl der aquatischen Insekten in diesem Gewässer um über 80 Prozent zurückgegangen. Trotz des Naturschutzgebietes sind durch die steigende Wassertemperatur die heimischen Insektenarten in dem Gewässer bedroht – und damit alle Lebewesen, die von ihnen abhängen.

Interessanterweise ist die Anzahl der Insektenarten in dem Bachlauf aber gestiegen. Der Grund: Durch das wärmere Wasser haben Arten das Wasser besiedelt, denen es früher zu kalt war. Von 1990 bis 2010 verschwanden einige Arten jedoch wieder – aufgrund von Trockenheit und Hochwasser.

 

Fische

Fische macht der Temperaturanstieg in den Gewässern besonders zu schaffen. Höhere Wassertemperaturen sorgen für weniger Sauerstoff im Wasser. Die Fische drohen zu ersticken und verlassen ihre Lebensräume. Sie wandern im Flusslauf weiter nach oben, da die Wassertemperatur an der Quelle geringer ist als an der Mündung. Dadurch wird der Lebensraum der Fische kleiner.

Aber nicht alle Fische schaffen es, einen kühleren Ort zu finden. In heißen und trockenen Sommern kommt es immer wieder zu massenhaften Fischsterben. So zum Beispiel 2018 im Aasee in Münster und im Hochrhein in der Schweiz.

Biologen geben an, dass bereits ein Tageshöchstwert von 25°C im Wasser für Fische tödlich ist. Von 2015 bis 2018 wurde dieser Wert in der Elbe bei Torgau 55-mal überschritten.

Selbst am Ufer sind weder Fische noch Wasser vor der Sonneneinstrahlung geschützt, da viele Ufer in Deutschland gehölzfrei sind.

Das Streben und Abwandern der Fische macht die Auswirkungen der Dürren auf unsere Gewässer deutlich.

Allgemeiner Artenrückgang

Das Schwinden ihres Lebensraumes und dem Rückgang ihrer Nahrungsgrundlage setzt vielen Arten zu. Von 1970 bis 2012 sind Bestände von Stören, Bibern, Flussdelfinen und Ottern um 88% zurückgegangen. Viele Tiere sind vom Aussterben bedroht, wie zum Beispiel der Europäische Hausen.

Mechanische Gefahren von Niedrigwasser

Bei niedrigem Wasserstand sorgen Schiffe für viel Zerstörung. Tiere werden verletzt, da sie keinen Platz zum Ausweichen haben oder sich, wie Muscheln, überhaupt nicht wegbewegen können. Wasserpflanzen werden durch stärkere Wasserströmungen und Wellen in Mitleidenschaft gezogen.

Temperaturzunahme fördert Algenwachstum

Anders als manche Fischarten, fühlen sich Algen bei wärmeren Temperaturen richtig wohl. Sie wachsen noch stärker und wuchern bis zur Wasseroberfläche. Algen in den unteren Wasserschichten sterben ab, da ihnen durch die oberen Pflanzen das Licht fehlt. Die abgestorbenen Algen werden von Bakterien zersetzt. Dafür benötigen die Bakterien Sauerstoff, den sie ihrer Umgebung entziehen. Es klingt paradox, aber: Mehr Pflanzen in einem Gewässer sorgen für weniger Sauerstoff.

Damit wird der Sauerstoffmangel in den Gewässern noch größer. Besonders in Seen ist das ein großes Problem.

Fangen Blaualgen an, sich in einem Gewässer stark zu vermehren, wird es besonders gefährlich. Sie produzieren Giftstoffe, die auch in das Trinkwasser gelangen können.

Starkregen nach Trockenperioden ist auch nicht hilfreich

Wenn es nach einer Dürre wieder richtig regnet, sollte das eigentlich eine Erleichterung für die Natur sein. Für Gewässer gilt das jedoch nicht. Durch den Starkregen werden viele verschiedene Stoffe in das Gewässer eingespült. Bakterien bauen diese Stoffe ab und benötigen Sauerstoff dafür. Der Starkregen sorgt für Sauerstoffmangel. Das kann für die Lebewesen im Gewässer fatal sein!

Höhere Schadstoffbelastung durch Niedrigwasser

Für ein Gewässer ist relevant, wieviel Schadstoffe in einem Liter Wasser vorhanden ist. Wenn viel Wasser verdunstet, bleiben die Schadstoffe zurück. Es gibt aber weniger Wasser, das die Schadstoffe verdünnen kann. Es sind also wesentlich mehr Schadstoffe pro Liter Wasser vorhanden als vorher. Das kann für die Lebewesen, die in dem Gewässer leben, gefährlich werden.

Der Klimawandel wird durch die Dürre befeuert

In den letzten 30 Jahren sind etwa 90.000 Quadratkilometer Gewässeroberfläche ausgetrocknet. Dadurch sind einzigartige Lebensräume und Trinkwasservorräte verloren gegangen.

Neben diesem Verlust bergen austrocknende Gewässer noch eine andere Gefahr. Trockene Seenböden setzen CO2 und andere Treibhausgase frei. Das Austrocknen von Gewässern feuert den Klimawandel weiter an. Ein sich selber verstärkender Effekt, da der Klimawandel wiederum dafür sorgt, dass mehr Gewässer austrocknen.


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