Mangel an Bio-Lebensmitteln - regionaler Anbau muss gefödert werden

Auszug aus dem Newsletter 2/2018

In den letzten Monaten haben wir in unseren Presseerklärungen verstärkt darauf hingewiesen, dass es einen Mangel an ökologisch bewirtschafteten Flächen in Deutschland gibt.

Der ökologische Landbau hat Düngevorschriften, die weit strenger als die Düngeverordnung sind. Es wird auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Stickstoffdünger verzichtet. Außerdem kommt es zu weitgehend geschlossenen Nährstoffkreisläufen. Die Zahl der Tiere orientiert sich daran, wie viel landwirtschaftliche Flächen dem Betrieb zur Verfügung stehen. Nährstoffüberschüsse werden dadurch bestmöglich vermieden. Wir begrüßen es deswegen, dass sich ökologisch erzeugte Produkte in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit erfreuen.

Jahrelang wurde die Verantwortung für Grundwasser- und andere Umweltbelastungen dem Verbrauchern zugeschoben. Es hieß immer wieder, dass produziert wird, was verkauft werden kann. Das Einkaufsverhalten hat sich jedoch geändert: Das Bewusstsein für die Umwelt zeigt sich auch im Geschäft. Es werden mehr ökologisch erzeugte Lebensmittel gekauft.

Die Kirchen verpachten 514.000 ha Fläche in Deutschland

Leider reagieren Produzenten in Deutschland nur sehr langsam auf den umschlagenden Trend. Es wird nicht mehr für die Bürger vor Ort erzeugt, sondern für den Weltmarkt. Die Umweltbelastungen bleiben vor Ort – und die Bio-Lebensmittel werden über weite Strecken zum Verbraucher gebracht. Beispielsweise aus Norditalien, aber auch aus Argentinien und Chile.

Es ist dringend an der Zeit, dass der ökologische Landbau stärker gefördert wird. Viele ökologische Betriebe würden gerne wachsen, bekommen aber keine weitere landwirtschaftliche Flächen. Viele Betriebsinhaber von konventionellen Betrieben würden gerne auf Bio umstellen, erhalten dabei aber zu wenig Unterstützung.

Regional erzeugte Biolebensmittel sind gesund und gut für die Umwelt

Gemeinden, Kreise und Kirchengemeinden können diese Betriebe unterstützen und ihnen ihre landwirtschaftlichen Flächen verpachten. Es ist wichtig, die Wünsche der Bürger zu erfüllen. Viele Leute möchten gesunde und regionale Lebensmittel kaufen, bei deren Erzeugung die Gewässer möglichst wenig belastet werden.

Erfreulicherweise gibt es von unterschiedlichen Instanzen schon Vorstöße, was die Förderung des ökologischen Landbaus angeht:

Die Kirchengemeinden sind durch den sogenannten Loccumer Appell dazu aufgefordert, bei der Verpachtung ihrer Flächen auch „ökonomische, ökologische und soziale Aspekte“ zu berücksichtigen. Die Kirchen gehören zu den großen Grundbesitzern in Deutschland und verpachten insgesamt 514.000 ha Fläche. Deswegen ist der Loccumer Appell umso entscheidender für den Umweltschutz.

Handlungsbedarf sieht auch die bayrische Staatsregierung. Bereits 2012 setzte sie sich das Ziel, bis 2020 die Bio-Produktion zu verdoppeln. Dies soll mit dem Landesprogramm „BioRegio Bayern 2020“ geschehen. Besonders gut können Verbraucher durch die Einführung des bayrischen Bio-Siegels erkennen, ob das Produkt aus der Region stammt.

Hessen bewirtschaftet bereits 13% seiner Fläche ökologisch. Es hat mit dem Saarland den größten Anteil an biologisch genutzten Land. Besonders löblich: Trotzdem fördert auch Hessen die regionale ökologische Landwirtschaft mit einem Ökoaktionsplan weiter. Dieser soll den Anteil der Bio-Flächen in Hessen vergrößern. Zum Beispiel werden Marktstrukturen verbessert sowie Bildungs- und Beratungsangebote vergrößert und eine Motivationskampagne durchgeführt.

Die Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt wollen erreichen, dass 20% ihrer landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet werden. Thüringen setzt sich ein Ziel von 10%.

Wir raten den Bürgern, ihre Gemeinde- und Stadträte sowie Kirchen dazu anzuregen, ihre Pachtflächen nur noch an ökologisch wirtschaftende Betriebe zu verpachten. Dadurch wird einerseits der Natur etwas Gutes getan und andererseits den Gartenbesitzern, die sich wieder über weniger belastetes Brunnenwasser freuen können.